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3. Januar 2008, 12:03 Uhr

Es fährt kein Zug nach Aberdeen

Die Verbindung zwischen England und Schottland ist gekappt, auf den Bahnhöfen herrscht Chaos: Seit dem Neujahrstag ruhen große Teile des britischen Zugverkehrs. Schuld sind verspätete Wartungsarbeiten. Und die verfehlte Privatisierung der britischen Bahn. Von Cornelia Fuchs, London

Wer aus London Richtung Norden will, hat Pech: Kaum ein Zug fährt© Stephen Hird/Reuters

In den Londoner Bahnhof Liverpool Street fährt kaum ein Zug mehr ein, in Birmingham herrscht Chaos und die Bahnverbindung nach Schottland ist gekappt: Seit Neujahr stehen große Teile des britischen Schienenverkehrs still, Zehntausende Passagiere werden in Bussen stundenlang über die Autobahnen kutschiert. Keine neue Erfahrung für britische Bahnkunden. "Das übliche Chaos", sagt ein Reisender, der am Londoner Bahnhof Liverpool Street auf Informationen wartet, wann überhaupt irgendein Zug wieder fahren wird. Die Warteschlangen reichen einmal um den Bahnhof herum, die Stimmung ist eher depressiv als aggressiv. "Warum kriegen die Bahngesellschaften das nicht besser in den Griff?"

Seit der Privatisierung nur noch Murks

Dabei hatten die Bahnmanager in diesem Fall gar keine Chance, einen Notfallplan auszuarbeiten. Am 1. Januar sollten die Gleise unter anderem auf der Süd-Nord-Strecke von England nach Schottland wieder befahrbar sein, zuständig für die Wartungsarbeiten ist "Network Rails". Dieser Gesellschaft gehört die Bahninfrastruktur und damit auch das Gleisnetz in Großbritannien. Seit Mitte der 90er Jahre ist die britische Bahn privatisiert, seitdem herrscht oft Chaos zwischen den Bahngesellschaften, die für das Fahren der Züge verantwortlich sind, und denjenigen, die diese Züge überhaupt fahren lassen können.

Diesmal gelang es "Network Rails" nicht, genügend qualifizierte Ingenieure für die Wartungsarbeiten an den Gleisen über die Feiertage zusammenzutrommeln. Und sie schafften es anscheinend auch nicht, diesen Fehler früh genug zu bemerken. Die Bahngesellschaft Virgin Trains sagt, sie habe erst kurz vor fünf Uhr morgens am 1. Januar erfahren, dass die ersten Züge gar nicht fahren können. Noch am Abend zuvor sei ihnen in Konferenzschaltungen mit "Network Rails" versichert worden, die Bauarbeiten würden bis zum nächsten Morgen abgeschlossen.

Politik soll wieder die Verantwortung übernehmen

Inzwischen scheint niemand mehr genau zu wissen, wann was wo wieder fahren kann. "Network Rail" will sich auf gar keinen Zeitpunkt mehr festlegen, an dem die Bauarbeiten abgeschlossen sein werden, und Virgin Train hat seinen Passagieren empfohlen, besser zu Hause zu bleiben. Alle hoffen, dass Freitagmorgen zumindest ein Teil der Züge wieder fahren kann.

Das Bahnfiasko wird nun in der nächsten Woche im Unterhaus zum Thema werden - nicht zum ersten Mal. Vor fünf Jahren musste die Aktiengesellschaft "Railtracks" Konkurs anmelden, die nach der Privatisierung der Bahn das Gleisnetz übernommen hatte. Damals entstand "Network Rail", ein nicht-gewinnorientiertes Unternehmen, das seine Gewinne zurück in die Infrastruktur der Bahn stecken soll. Doch tatsächlich bezahlt der britische Steuerzahler heute zwischen sieben und acht Milliarden Euro jedes Jahr, um die Bahn am Laufen zu halten. "Als staatliches Unternehmen brauchte British Rail weniger als drei Milliarden Euro im Jahr", sagte Bahn-Experte Christian Wolmar in einem BBC-Radiointerview. Er hält das Bahnchaos in diesen Tagen für einen weiteren Beweis des Scheiterns der Privatisierung. "Es wird Zeit, dass die Politik endlich wieder die Verantwortung übernimmt für den britischen Bahnverkehr."

Von Cornelia Fuchs, London
 
 
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