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21. Januar 2006, 10:48 Uhr

Europas Gasversorgung ist sicher

Der Gaskonzern Gasprom hat trotz des starken Frosts in Russland den europäischen Kunden eine sichere Versorgung zugesagt. Einige Länder melden aber Ausfälle oder geringere Liefermengen.

Ein Gaspipeline nahe Kiew/Ukraine© Sergej Dolzhenko/DPA

"Wir werden die Mengen liefern, die vertraglich vereinbart sind", versicherte der Vizechef des weltgrößten Gaskonzerns Gasprom, Alexander Medwedew. Der russische Konzern hatte nach eigenen Angaben die Gaslieferungen in einige Länder gedrosselt, um auf die höhere Nachfrage in Russland zu reagieren. Italien, Ungarn, Serbien und Kroatien meldeten verringerte Bezüge. Zu Neujahr hatte Gasprom im Streit um Preiserhöhungen vorübergehend die Gaslieferungen an die Ukraine unterbrochen und damit in ganz Europa die Sorge um die Sicherheit der Gasversorgung geschürt. Medwedew betonte anlässlich eines Berlin-Besuchs, dass Gasprom an einer langfristigen Einigung mit der Ukraine interessiert sei.

Inner-russische Lieferungen reduziert

Wegen des harten Winters habe der russische Gasverbrauch deutlich angezogen, sagte Medwedew. In der Regel liefere das Unternehmen mehr Gas an die Kunden in Europa als vertraglich festgelegt sei. Bei wärmeren Temperaturen sei dies möglich. Wegen der Kältewelle stieg der Gasverbrauch in Russland um etwa 40 Prozent. Gasprom habe wegen Problemen mit dem Gastransport im tiefen Frost auch die Belieferung mehrerer russischer Kraftwerke reduziert, berichtete die örtliche Stromindustrie.

Die Angaben über die Einschränkungen des Exports blieben in Moskau bis zuletzt widersprüchlich. Offiziell blieb Gasprom bei der Darstellung vom Mittwochabend, dass "europäische Verbraucher sieben Prozent mehr Gas als vertraglich vereinbart" erhalten hatten. Wenige Stunden zuvor hatte der Konzern jedoch Lieferbeschränkungen für europäische Kunden angekündigt. Auch der ukrainische Energieminister Iwan Platschkow bestätigte, dass sein Land in Absprache mit Gasprom 40 Millionen Kubikmeter Gas weniger als üblich durchgeleitet habe.

Ukraine zapft mehr Gas ab

Hinderlich dürfte auch sein, dass nun die Ukraine wegen der anhaltenden Kälte zusätzliches Gas aus den über seinem Gebiet laufenden Pipelines abzapft. Damit steigt die Gefahr, dass die europäischen Kunden des russischen Gazprom weniger Gas erhalten werden. Der ukrainische Energieminister sagte am Freitag in Moskau, Gazprom habe zugestimmt, dass die Ukraine zusätzliches Gas beziehe. Damit reduziere sich die tägliche Gaslieferung über die Ukraine um 60 Millionen Kubikmeter auf 325,4 Millionen Kubikmeter. Gazprom wolle allerdings diesen Rückgang aus seinen westeuropäischen Lagern ausgleichen.

Es sei nun die Frage, ob Gazprom bei Temperaturen unter minus 20 Grad in Moskau, Kiew und Riga und noch größeren Kälte in seinen Produktionsorten der Lage sei, seinen Lieferverpflichtungen nachzugehen, sagten Experten. Die westlichen Kunden benötigten eine Sicherheit in der Lieferung besonders jetzt, da die Kältewelle nächste Woche Europa erreichen werde. Eine erneute Drosselung der Lieferung würde dem Image von Gazprom als zuverlässiger Partner erheblich schaden.

Auf Serbien kommen Probleme zu

Der italienische Industrieminister Claudio Scajola hat die großen Energie-Versorger des Landes am Donnerstag zu einer Krisensitzung einberufen. Es bestehe aber kein Grund zum Alarm, zitierte die Nachrichtenagentur Ansa den Minister: "Wir riskieren keinen Blackout auf dem Gassektor." Gasprom hatte nach Zeitungsberichten am Mittwoch 5,4 Prozent weniger Gas geliefert als üblich. Italien verfüge noch über ausreichende nationale Reserven, betonte Scajola. Gasprom liefert Italien ein Drittel des Gesamtbedarfs.

Serbiens Gasversorgung aus Russland wurde Belgrader Presseberichten um etwa 25 Prozent gekürzt. Dies könnte schon bald Auswirkungen auf Fernheizungen und Stromlieferungen haben, hieß es. Serbien deckt 90 Prozent seines Gasverbrauchs aus Russland. Kroatiens Gasbezüge sanken am Donnerstag um zehn Prozent. Schon am Mittwoch seien 6,5 Prozent weniger Gas geliefert worden, sagte eine Sprecherin des kroatischen Energiekonzerns Ina-Naftaplin in Zagreb. Die Versorgung sei trotzdem stabil, aber die Verbraucher wurden aufgefordert, sparsam mit dem Gas umzugehen. Ungarn hatte am Mittwoch einen um 20 Prozent verringerten Bezug gemeldet. Das Land deckt rund 80 Prozent seines Verbrauchs mit Erdgaslieferungen aus Russland. Rumänien hat laut Wirtschaftsministerium keine Probleme mit dem Gas aus Russland. Trotzdem wurden vorsichtshalber all jene Elektrizitäts- und Heizkraftwerke auf Betrieb mit Kohle oder Erdölprodukten umgestellt, bei denen es technisch möglich ist.

mit DPA
 
 
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