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17. August 2008, 10:34 Uhr

Die neue Kaffeemoral

Ob als Cappuccino oder Café Latte: Kaffee ist das liebste Getränk der Deutschen. Damit es nicht nur gut schmeckt, sondern sich auch gut anfühlt, achten immer mehr Kaffee-Unternehmen auf soziale und ökologische Nachhaltigkeit - damit den Kunden der doppelte Espresso nicht bitter aufstößt. Von Angelika Dehmel

Kaffee, eines der Lieblingsgetränke der Deutschen. Allein im Jahr 2007 wurden pro Einwohner 25 Pfund Kaffee importiert© colourbox

Heiß, schwarz, und eine Koffeinbombe: Kaffee ist einer der beliebtesten Muntermacher der Deutschen. Allein im vergangenen Jahr wurden laut Statistischem Bundesamt (Destatis) pro Einwohner 25 Pfund Kaffee importiert. Das sind 264.000 Tonnen mehr als noch vor acht Jahren.

Doch Aroma und Geschmack sind bei Kaffee mittlerweile nicht mehr das Einzige, was zählt. Immer mehr Unternehmen setzen auf soziale oder ökologische Nachhaltigkeit beim Anbau ihres Produkts. So vertreibt Tschibo unter der Marke "vista" Kaffee mit dem FairTrade-Siegel. Auch das Unternehmen J.J. Darboven verkauft mit "Café Intención" einen mit dem Siegel des guten Gewissens geadelten Kaffee. Als unabhängige Siegelinitiative handelt TransFair nicht selbst mit diesen Waren, sondern vergibt sein Siegel für fair gehandelte Produkte durch Lizenzverträge - mit wachsendem Erfolg: Der Absatz mit dem Fairtrade-Kaffee stieg laut Transfair im vergangenen Jahr um 10 Prozent auf 4350 Tonnen an.

Nachhaltigkeit für Unterwegs

Laut des Geschäftsführers von TransFair e.V., Dieter Overath, erhalten Kaffeeanbauer dadurch feste, kostendeckende Preise. Damit könne die Kaffeequalität verbessert und Schulen gebaut werden. Außerdem könnten die Bauern dadurch auch auf ökologische Landwirtschaft umstellen. Die Einhaltung der Standards überwacht seit 2007 die unabhängige Zertifizierungsgesellschaft Flo-Cert.

Wer seinen Kaffee gerne unterwegs trinkt, findet eine immer größere Auswahl fairer "To Go"-Kaffees. So garantiert McCafé, der Coffeeshop-Ableger von McDonald's, mit einem Zertifikat der Umweltorganisation "Rainforst Alliance", dass die schwarze Bohne ökologisch und sozial nachhaltig angebaut ist.

Die Coffeeshop-Kette Starbucks bietet den "Café Estima Blend" bundesweit in allen Filialen mit dem FairTrade-Siegel an und hat zudem mit der Non-Profit-Umweltschutzorganisation "Conservation International" eigene Richtlinien für nachhaltigen Kaffeeanbau aufgestellt. Unter der Bezeichnung C.A.F.E. (Coffee and Farmer Equity) fördert Starbucks so Projekte, die die Kaffeefarmer unterstützen, um sowohl die Kaffeequalität und Anbaumethoden, als auch den Lebensstandard zu verbessern.

Da also immer mehr Unternehmen auf Nachhaltigkeit achten, kann der kaffeeaffine Deutsche seine rund 146 Liter Kaffee, die er pro Jahr durchschnittlich zu sich nimmt, mit einem guten Gewissen genießen. Einen eigenen Feiertag hat das Lieblingsgetränk der Deutschen auch schon: Seit 2006 richtet der Deutsche Kaffeeverband jedes Jahr den "Tag des Kaffees" aus. Wer mitfeiern will, kann in diesem Jahr am 28. September darauf anstoßen - vielleicht mit einem doppelten Espresso?

Kleine Kaffeekunde Weltweit sind vor allem Kaffees der Sorten Arabica und Robusta wirtschaftlich relevant. Der Kaffeestrauch- oder Baum ist auf ein ausgeglichenes Klima ohne Temperaturextreme angewiesen und wächst deshalb in einem Gürtel rund um den Äquator. Dazu gehören Lateinamerika, Afrika und die Arabische Halbinsel, sowie Asien und der Pazifische Raum. Die wichtigsten Lieferländer für Deutschland waren 2007 Brasilien und Vietnam, die beide im Schnitt etwa 250.000 Tonnen Kaffeebohnen lieferten.

Erst fermentieren, dann rösten Die Kaffees der verschiedenen Anbaugebiete unterscheiden sich nicht nur durch die Sorten, sondern durch die Verarbeitung nach der Ernte. Lateinamerikanischer Kaffee wie zum Beispiel aus Guatemala, Costa Rica und Kolumbien wird oft als gewaschener Kaffee bezeichnet - was sich auf eine Methode der Aufbereitung bezieht. Die Bohnen werden mittels Wasser vom Fruchtfleisch getrennt und dann einer bis zu 36 Stunden dauernden Fermentation unterzogen, in deren Verlauf Bitterstoffe abgebaut werden.

Neben der nassen Aufbereitung gibt es noch die halbtrockene, eine hauptsächlich in Asien praktizierte Methode. Auch hier werden die Bohnen gewaschen, jedoch nicht fermentiert. Dadurch verliert der Kaffee an Säure. Das dritte Hauptverfahren ist die trockene Aufbereitung, bei der die Kaffeekirschen direkt nach der Ernte an der Luft getrocknet werden. Erst nach diesen verschiedenen Aufbereitungsmethoden werden die Bohnen geröstet und bekommen ihr Aroma.

Von Angelika Dehmel
 
 
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