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15. Februar 2008, 10:10 Uhr
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Hunderte Täter enttarnt

Der Fall Zumwinkel ist offenbar kein Einzelfall: In den kommenden Tagen soll es nach Angaben aus Ermittlerkreisen eine Serie von Razzien wegen Steuerhinterziehung geben. Bei den Verdächtigen handelt es sich meist um reiche prominente Deutsche, die Geld nach Liechtenstein transferiert haben.

Klaus Zumwinkel bleibt vorerst im Amt© Henning Kaiser/DDP

Der Razzia bei Post-Chef Klaus Zumwinkel werden in den kommenden Tagen weitere Durchsuchungen bei prominenten Deutschen folgen. Nach Informationen aus Ermittlerkreisen war die Steuerrazzia bei Postchef Klaus Zumwinkel nur der Auftakt zu einer ganzen Serie von Ermittlungen. Schon in den kommenden Tagen sollen nach einem Bericht des "Handelsblatts" im ganzen Bundesgebiet Razzien anlaufen. Hunderte von weiteren Tätern seien bereits enttarnt, heißt es in dem Zeitungsbericht.

Die Fahnder haben offenbar massenhaft Unterlagen von einer Liechtensteiner Bank erhalten. Bei den Steuersündern handele es sich meist um reiche und prominente Deutsche, so das "Handelsblatt". Namen sind bislang noch nicht bekannt.

Am frühen Donnerstagmorgen durchsuchten Ermittler überraschend die Kölner Villa des Postchefs und seine Büros in der Bonner Konzernzentrale. Dabei wurden mehrere Kisten Unterlagen sichergestellt. Fünf Stunden nach Beginn der Razzia wurde Zumwinkel in einem Polizeiwagen nach Bochum gebracht, um bei der dortigen Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftssachen auszusagen.

Ein gegen ihn erlassener Haftbefehl wurde gegen Kaution außer Kraft gesetzt, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Zuwinkel konnte anschließend die Ermittlungsbehörde verlassen und kehrte nach Postangaben in sein Haus in Köln zurück.

Ungeachtet der Vorwürfe übt Zumwinkel sein Amt weiter aus, wie die Post am Abend mitteilte. Er sei "vollständig handlungsfähig" und führe mit dem Vorstand "die Geschäfte wie gewohnt fort". Gerüchte über einen Rücktritt Zumwinkels hatte die Post zuvor dementiert.

Zehn Millionen Euro flossen nach Liechtenstein

Das ZDF hatte berichtet, Zumwinkel solle zehn Millionen Euro am Fiskus vorbei nach Liechtenstein gebracht haben. Weil er die Kapitalerträge daraus nicht versteuert haben soll, liege der Steuerschaden bei rund einer Million Euro.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Bochum und weiterer Steuerfahnder richteten sich gegen mehrere Verdächtige. In allen Fällen gehe es um den Verdacht der Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit Geldanlagen in Liechtenstein. Zumwinkel habe sich zum Vorwurf geäußert und eine Sicherheitsleistung in nicht unerheblicher Höhe angeboten, teilte die Staatsanwaltschaft mit. In Liechtenstein sei bisher kein Rechtshilfeersuchen eingegangen, sagte der leitende Staatsanwalt der Liechtensteinischen Staatsanwaltschaft, Robert Wallner, der Deutschen Presse-Agentur dpa.

BND gab entscheidenden Hinweis

Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, hatte der BND Amtshilfe geleistet und einen Informanten, der im vergangenen Jahr Interna über Zumwinkel anbot, an die Wuppertaler Steuerfahndung vermittelt. Da sich aus den Unterlagen des Informanten der Verdacht ergab, dass Zumwinkel Steuern hinterzogen haben könnte, habe der Nachrichtendienst das Material weitergereicht. "Es gibt keine weiteren Aktivitäten von uns", sagte ein hochrangiger Geheimdienstmitarbeiter der Zeitung. "Wir waren nur Bote."

Zumwinkel, der auch Aufsichtsratschef der Telekom und der Postbank ist, steht seit 1990 an der Spitze der Deutschen Post. Er gilt als einer der mächtigsten deutschen Wirtschaftsführer und ist der dienstälteste Chef eines DAX-Unternehmens. Der Topmanager, dessen Vertrag Ende November ausläuft, steuerte erfolgreich den Umbau der früheren staatlichen Deutschen Bundespost zu einem global führenden Logistik-Konzern. Als potenzieller Nachfolger gilt der 46-jährige Logistikvorstand Frank Appel.

Affäre bringt Manager noch mehr in Misskredit

Nach Ansicht von Aktionärsschützern sollte Zumwinkel sein Amt bei einem länger dauernden Ermittlungsverfahren ruhen lassen. Er könne dann seinen Posten in einer Art "stillen Stabsübergabe" für einen Nachfolger räumen, sagte der Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Jürgen Kurz, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur DPA. Die Affäre Zumwinkel werde den Berufsstand des Managers in Deutschland weiter in Misskredit bringen. "Dieses Verfahren wird noch einmal das Vertrauen der Leute in die Manager schwächen, egal wie es ausgeht", sagte Kurz.

CDU/CSU-Fraktionschef Volker Kauder erinnerte die deutschen Manager an ihre gesellschaftliche Verantwortung. "Spitzenmanager haben eine besondere Verantwortung für die Akzeptanz der sozialen Marktwirtschaft", sagte er der "Bild"-Zeitung. "Nur wer sich selbst an die Spielregeln hält und soziales Verantwortungsbewusstsein zeigt, kann erwarten, dass hohe Managergehälter und Millionenabfindungen von der Allgemeinheit auch akzeptiert werden."

SPD reagierte empört

Mit Empörung reagierte die SPD-Fraktion. "Es gilt natürlich zunächst die Unschuldsvermutung. Aber wenn der Verdacht sich bewahrheitet, ist Klaus Zumwinkel keine Minute länger in dem Amt zu ertragen", sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD- Bundestagsfraktion, Rainer Wend, "Spiegel Online". "Da geht wieder ein Stück Vertrauen in unsere Eliten verloren."

Der Fall Zumwinkel zeige, "dass auch der prominente Name nicht vor konsequenten Ermittlungen schützt", sagte der Vorsitzende der Deutschen Steuergewerkschaft, Dieter Ondracek, der "Leipziger Volkszeitung". In Deutschland sei "das schlechte Gewissen eingeschlafen, weil die Steuerfahndung personell so schwach gerüstet ist, dass sie nicht zeitnah allen Fällen nachgehen kann."

Bei dem Ermittlungsverfahren gegen Zumwinkel handelt es sich nach DPA-Informationen um ein vollständig neues Verfahren im Zusammenhang mit Liechtensteiner Stiftungen. Die Bochumer Wirtschafts-Staatsanwälte ermitteln bereits seit Jahren im sogenannten Batliner-Komplex gegen Dutzende Steuersünder, die über den Treuhänder Herbert Batliner in dem Fürstentum Stiftungen eingerichtet haben sollen. In diesen Verfahren sind in Nordrhein-Westfalen bereits rund 100 Fälle abgehandelt und mehr als 100 Millionen Euro an Steuern und Strafen gezahlt worden.

DPA
KOMMENTARE (10 von 46)
 
zellteilung (17.02.2008, 16:27 Uhr)
Die Satire zur Affäre...
Für alle Möchtegernsuperreichen gibts auch schon die Satire zum Steuerskandal als Onlinegame:
http://www.5stargames.de/Spiele/Politik%2CSatire/Sonstige/Flucht%2Baus%2BLiechtenstein
aeternitas (16.02.2008, 18:11 Uhr)
Gysis Kommentar
dazu war sinngemäß:
Wenn ein Hartz4 Empfänger durch falsche Angaben 50 Euros mehr bekommt, dann ist der Teufel los....
Wo er Recht hat...
Nostradamus (15.02.2008, 13:46 Uhr)
@RomeoDelta: Polizistenlogik
Glücklicherweise gibt es in diesem Staat nicht nur Hilfssheriffs, Sheriffs und Staatsanwälte sondern auch Gesetze, Gerichte und Anwälte.
Daß sich manch Hilfssheriff in diesem Land bereits als Personalunion von Legislative, Exekutive und Judikative sieht ist mir auch klar und bei vielen Bürgern scheint dies auch sehr verbreitet zu sein.
Das ist das Klima in dem der Mob Lynchjustiz betreibt. Auf zur Steinigung.
Die Ausarbeitung der Wahrheit bleibt auf der Strecke. Es werden an die Presse nur aufbauschende Details weitergegeben und nicht die komplette Wahrheit.
Gestern waren es noch 10E6 Euro die hinterzogen worden sein sollen. Heute sind es nur noch 1E6, also 10% davon, und wahrscheinlich handelt es sich um eine Summe, die sich über Jahre angehäuft hat und möglicherweise sogar auch nur um ein Vielfaches der tatsächlichen Summe.
Und wie ich bereits vorgerechnet habe hat er wahrscheinlich nicht einmal 3,17% seiner jährlichen Steuer hinterzogen. Auch wenn 200.000,00 Euro im Jahr für einen Polizisten viel sind. Die 6.000.000,00 Euro, die er wohl gezahlt haben dürfte sind auch eine interessante Zahl.
Derartige Methoden erinnern mich an Polizeistaat und Diktatur und haben einen sehr faden Beigeschmack. Mal sehen was denn wirklich von den Anschuldigungen bleibt.
Ich denke schon, dass die Staatsmacht schnell zu gegriffen hat, um Beweise zu sichern aber mal sehen was daraus wird.
undueberhaupt (15.02.2008, 10:25 Uhr)
12 Zylinderfahrer
So manchem Zwölfzylinderfahrer wird die Sonntagssuppe nicht schmecken, weil sein Arsch auf Grundeis ist. Es könnte ja Montagmorgen um 7.00h klingeln...
Malt (15.02.2008, 10:14 Uhr)
Fakt ist aber...
...das sich jeder andere "Durchschnittstatverdächtige" nicht einfach aus dem Haftbefehl hätte rauskaufen können. Gerade bei Steuervergehen ist die Verdunkelungsgefahr doch sehr hoch! Aber das wird schon seinen Grund haben, denn wenn ich jetzt lesen muss, dass um die 100 verdächtigt werden, dann muss man ja jetzt schon mal damit anfangen, unsere "Elite" aus dem Knast raus zu halten. Wäre ja sonst komisch, wenn verdächtige Politiker plötzlich aus der Haft spazieren würden, während er sitzen müsste! Eine Krähe usw...
hevosenkuva (15.02.2008, 10:13 Uhr)
Postbank - schließlich ist es IHR Geld!
"4,1% ab dem ersten Euro" ist halt nur für die kleinen Leute gut. Wer richtig viel Geld hat, will auch richtig viel mehr davon. "Postbank: TOP-Angebote und Happy Hour - Deutschland spart sich reich - für Zinshungrige bis zu 4,25%"
Hang'em high! Und hört auf mit dem jämmerlichen "ich hab Verständnis für ihn, bei dem bösen Staat und den fiesen Schmarotzern" Genöle, Ihr Steuerhinterzieher, vielleicht wäre eine schnelle Selbstanzeige die beste Lösung!
Asteriskina (15.02.2008, 10:04 Uhr)
Noch keine Täter
@ romeodelta:
nein, die Staatsanwaltschaft hat einen Verdacht. Der mag sich begründen auf einer CD mit reichlich Internas der Lichtensteiner Bank. Dennoch haben wir es derzeit noch nicht mit Tätern zu tun, wie der Stern titelt. Ich glaube einfach nicht, dass sich Hunderte Mangager und Wirtschaftsbosse (und deren Berater inform von Anwälten) einer solchen "Gefahr" aussetzen. Vielmehr wird es ein Gesetz, eine Verordnung oder Klausel geben, die solche Stiftungen erlaubt. Eventuell wird man das in der Folge ändern, mehr aber wird dabei nicht heraus kommen.
Pamela_1971 (15.02.2008, 10:04 Uhr)
@ romeodelta
Gemeint ist hier offensichtlich der Grundsatz der "Unschuldsvermutung" - das heißt, Tatverdächtige gelten erst nach einer rechtsgültigen Verurteilung als "TäterInnen". So lange das Verfahren noch nicht abgeschlossen ist, darf nur von "Tatverdächtigen" geredet werden. Ansonsten käme dies einer Vorverurteilung gleich. +++ Und zu "Alexander0815": er hat schon in der Diskussion um die GDL-Streiks den LokführerInnen nicht mal den Dreck unter den Fingernägeln gegönnt... aber wenn die großen Bosse in verbrecherischer und schmarotzerischer Weise Millionen beiseite schaffen, die der Gesellschaft gehören, hat er dafür wärmstes Verständnis, und dann ist das "Notwehr". Dazu fällt mir nichts mehr ein...
logon (15.02.2008, 10:02 Uhr)
@Hellinvader....
....mein Gott, lass dir doch den Duden auf den Arsch tätowieren und gib ruhe.
romeodelta (15.02.2008, 09:55 Uhr)
@Asteriskina
Also, wenn ich das richtig verstehe - Se meinen die Staatsanwaltschaft hat nichts in der Hand und beschuldigt "Hunderte von Tätern (Entschuldigug Unschuldigen) aus reiner Willkür? Es gibt schon einen Unerschied zwischen "Tätern" (oops "Unschuldigen") wo etwas nachweisen kann und "Unschuldigen" wo nichts nachgewiesen werden kann!
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