Das Ringen um Opel geht in die nächste Runde: Der Fiat-Konzern, der Zulieferer Magna und der US-Finanzinvestor Ripplewood haben ihre Konzepte für eine Übernahme des Autobauers abgegeben. Die Bundesregierung will sich nun umgehend an die Auswertung der Zukunftsmodelle machen.

Unter Zeitdruck: Opel soll möglichst noch vor Ende des Monats eine Perspektive geboten werden© Torsten Silz/DDP
Im Ringen um die Rettung von Opel haben die potenziellen Investoren Fiat, Magna und Ripplewood Angebote für den angeschlagenen Autobauer vorgelegt. Das bestätigte General Motors Europa am Mittwochabend. Das Fiat-Angebot gelte für das europäische Geschäft der deutschen General-Motors-Tochter und deren britische Schwester Vauxhall, teilte das italienische Unternehmen in Turin mit. Einzelheiten nannte Fiat nicht. Sollte die Übernahme zustande kommen, werde ein neuer Konzern gebildet, der Fiat einschließlich der Beteiligung an Chrysler sowie Opel umfassen würde.
Der österreichisch-kanadische Autozulieferer Magna legte laut der "Rheinischen Post" zusammen mit dem russischen Autobauer Gaz ein Übernahme-Konzept beim Bundeswirtschaftsministerium vor. Unter Berufung auf Unternehmenskreise berichtete die Zeitung, eine Absichtserklärung sei um genau 18 Uhr gesendet worden. Magna will mit Gaz und finanzieller Unterstützung der russischen Bank Sberbank die Mehrheit an dem angeschlagenen Konzern übernehmen. Der Zulieferer gab zunächst keinen Kommentar ab.
Bei Ripplewood handelt es sich um einen US-Finanzinvestor. Das Unternehmen versucht über seine europäische Tochter RHJ International den Einstieg bei Opel. Die Bundesregierung bevorzugt jedoch einen Investor, der möglichst selbst in der Automobilbranche tätig ist.
Die Verhandlungen über Opel stehen unter einem enormen Zeitdruck. Die Bundesregierung versucht den deutschen Autobauer aus dem drohenden Insolvenzstrudel der US-Mutter General Motors (GM) herauszuhalten. Für die Konzepte potenzieller Investoren war zunächst eine Abgabefrist bis Mittwochabend um 18 Uhr gesetzt, dann aber gelockert worden.
Regierungssprecher Ulrich Wilhelm versicherte, die Bundesregierung werde sich parallel zu GM und der US-Regierung umgehend an die Auswertung der Zukunftsmodelle für den deutschen Autobauer machen. Man stehe innerhalb der zuständigen Bundesministerien sowie mit den betroffenen Landesregierungen, aber auch mit GM, Opel und GM-Europe sowie mit Washington in ständigem Kontakt.
Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) kündigte nach einem Treffen mit den zuständigen Ministern und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin an, Opel solle möglichst noch vor Ende des Monats eine Perspektive geboten werden. Der Mutterkonzern GM muss seinerseits bis zum 29. Mai der US-Regierung ein tragfähiges Zukunftskonzept vorlegen. Doch selbst die Konzernspitze räumt inzwischen ein, dass eine Insolvenz von General Motors kaum mehr zu verhindern sei. Dies hätte für die deutsche Tochter Opel gravierende Folgen. GM-Europachef Carl-Peter Forster ging in der Fachzeitschrift "auto motor und sport" jedoch davon aus, dass Opel auch im Fall der Insolvenz des Mutterkonzerns weiter arbeiten könne und Zugriff auf alle Technologien behalte. Opel beschäftigt in vier deutschen Werken rund 25.000 Menschen.
Grundsätzlich entscheiden der ums Überleben kämpfende GM-Konzern sowie die US-Regierung über einen Einstieg von Investoren. Weder von GM noch von Washington kamen bislang eindeutige Signale. Da der Bund aber Bürgschaften für die Finanzierung einer Beteiligung geben soll, werden die Konzepte auch in Berlin vorgelegt und geprüft.
Regierungssprecher Wilhelm sagte, die Runde der zuständigen Minister werde sich in dieser Woche erneut treffen, um die Konzepte zu erörtern. Eine Verhandlungsdelegation stehe weiterhin bereit, kurzfristig nach Washington zu reisen, um eine Herauslösung von Opel auszuloten. In einem ersten wichtigen Schritt hätten sich Bund, Länder mit Opel-Standorten und staatliche Banken am Dienstagabend auf eine Brückenfinanzierung verständigt, die Opel in der derzeitigen unübersichtlichen Lage Zeit für weitere Verhandlungen mit Investoren verschaffen solle.
Thüringens Wirtschaftsminister Jürgen Reinholz (CDU) sagte der dpa, der Finanzbedarf des Autobauers solle über einen verbürgten Kredit, für den der Bund und die Länder je zur Hälfte geradestehen, gedeckt werden. Thüringen will 51 Millionen Euro beisteuern, Nordrhein-Westfalen 150 Millionen Euro und Rheinland-Pfalz laut Südwestrundfunk (SWR) rund 102 Millionen Euro. Hessen will sich nach Angaben des Wiesbadener Finanzministeriums mit 447 Millionen Euro beteiligen. Insgesamt sind 1,5 Milliarden Euro Überbrückung im Gespräch.
Mit dem Treuhandmodell soll Opel aus dem Gesamtkonzern herausgelöst werden, um negative Auswirkungen einer GM-Insolvenz auf die deutsche Tochter zu vermeiden. Bedingung für das Treuhandmodell ist laut Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), dass Opel-Interessenten zukunftsträchtige Konzepte vorlegen. Andernfalls hält er auch eine "geordnete Insolvenz" für denkbar.