Herr Pang will fliegen

24. August 2007, 10:21 Uhr

In Deutschland gibt es viele kleine Flughäfen, die eigentlich niemand braucht. Lange Zeit gehörte auch Schwerin-Parchim dazu. Bis ein Chinese mit einer Vision kam. Von Nina Klöckner, Parchim

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Noch ist es am Flughafen Schwerin-Rachim idyllisch - das soll sich in den nächsten Jahren ändern©

Plötzlich springt Jonathan Pang auf, läuft in Tippelschritten um seinen Schreibtisch herum, rupft das Sakko vom Stuhl, streift es über und klopft mit der rechten Hand auf seine linke Brust. Dorthin, wo sein Herz schlägt und nun zwei Abzeichen funkeln, eines von der Stadt Parchim, überreicht vom Bürgermeister, und eines vom Landkreis Parchim, ein Präsent des Landrats. Herr Pang legt den Kopf leicht in den Nacken, macht ein ernstes Gesicht und sagt: "I'm a Parchimer."

Das ist natürlich eine Lüge, denn Herr Pang kommt nicht aus West-Mecklenburg, sondern aus der Sieben-Millionen-Stadt Zhengzhou in der ostchinesischen Provinz Henan. Er hat eine große Firma in Peking. Doch seit ein paar Wochen ist er irgendwie auch hier zu Hause, mitten im Nirgendwo zwischen Hamburg und Berlin.

Anfang Juli hat der chinesische Geschäftsmann vom Landkreis den örtlichen Flughafen Schwerin-Parchim gekauft und dazu von der Stadt noch 100 Hektar Land erworben. Herr Pang hat einen Traum.

Ein Drehkreuz für den Frachtverkehr inmitten Europas

In den kommenden Jahren soll aus dem verstaubten Provinzflughafen 35 Kilometer südöstlich von Schwerin ein mitteleuropäisches Drehkreuz für den Frachtverkehr werden. Und wenn alles so läuft, wie Pang sich das vorstellt, wird dieses Projekt den Namen Parchim in die Welt hinaustragen und "in den nächsten 20 Jahren Geschichte schreiben".

Es wäre ein Wunder für diese gebeutelte Region, aus der die Menschen lieber davonlaufen, als in sie zu investieren, weil es hier so wenig Hoffnung auf eine Zukunft gibt. Wenn nur die Hälfte wahr werden würde, "wäre es ein riesiger Erfolg", sagt Landrat Klaus-Jürgen Iredi.

Herr Pang hat ein Büro im Landratsamt bekommen. Kurze Wege für den besseren Austausch. Die Sekretärin im Vorzimmer begrüßt den asiatischen Gast morgens in seiner Landessprache, auch was "Danke" heißt, hat sie gelernt.

Hinter der Holztür mit der Nummer 213 hat sich Herr Pang seine Machtzentrale eingerichtet. An der Wand hängt eine gerahmte Botschaft des chinesischen Außenministers, die ihn ermahnt, seinem Land Ehre zu machen. In der Ecke steht ein Holzständer mit drei Fahnen, aus denen sich ein Zehn-Mann-Zelt basteln ließe. Die chinesische, die deutsche und "die europäische", sagt Pang. Die europäische ist die von Mecklenburg-Vorpommern.

Was Herrn Pang sehr wichtig ist

"Sehr wichtig", sagt Herr Pang und horcht seinen Worten nach. Das "sehr" ist noch etwas zu lang, das "wichtig" zu kurz. Er sagt an diesem Tag sehr oft "sehr wichtig", es sind seine zwei Neuerwerbungen aus dem deutschen Wörterbuch. Er sitzt an seinem Besprechungstisch, im Rücken den Plan des Flughafens, neben sich das Modell eines russischen Frachtflugzeugs, vor sich einen Teller Kekse und erklärt, wie das Erfolgsmodell Parchim funktionieren soll.

Der Flughafen besitzt eine 24-Stunden-Betriebserlaubnis, das haben nur vier andere Flughäfen in Deutschland. Auf der 3000 Meter langen Landebahn kann sogar der Riesenflieger A380 austrudeln.

Pangs Firma Link Global arbeitet mit Fluglinien und Logistikunternehmen zusammen, mit China Southern und MK Airlines, mit Schenker, DHL und Hellmann. Herr Pang geht zum Regal und holt einen Spielzeug-Lkw der Firma Hellmann hervor. Als wolle er sagen: Hier der Beweis.

Parchim, der Nabel der Welt

Mit zwei Schritten ist der neue Chef an der Wand, an der eine große Landkarte hängt. In der Mitte leuchtet eine rote Stecknadel - Parchim. Mit der linken Hand fixiert Herr Pang den roten Punkt, mit der rechten fliegt er, schnell, zielsicher. Von Russland nach Frankfurt, von China nach Amsterdam. Alle Flüge fliegen über Parchim. Also können sie auch hier runterkommen. Eine Stunde früher als an den europäischen Großflughäfen.

Deshalb hat sich Herr Pang beworben, als ein neuer Eigner gesucht wurde. Und er hat sich am Ende durchgesetzt gegen die Konkurrenz aus der Schweiz, den USA, der Türkei und Deutschland. Parchim, der Nabel der Welt - alles eine Frage der Perspektive.

In Parchim sollen sie jetzt alle zusammenfinden. Asiaten, Europäer, Afrikaner. So plant China Southern, über Deutschland Medikamente nach Afrika zu transportieren. Von dort könnten die Flieger Obst mitbringen, das die niedersächsische Firma Riha Hartinger zu Säften verarbeitet, die dann nach Asien exportiert werden. "Man kann aus diesem Flughafen eine ganze Menge machen", sagt Michael Stumpf, Geschäftsführer des europäischen Zentrums für Luftverkehrsentwicklung, "man muss nur eine Menge Geld in die Hand nehmen und bereit sein, langfristig zu investieren."

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KOMMENTARE (7 von 7)
 
olafj (25.08.2007, 10:49 Uhr)
Pang for Governor
....."Pang als Ministerpräsident" von Mecklenburg-Vorpommern!!
Der würde den Schnarchern in Schwerin mal zeigen, wie man das Bundesland mit der roten Laterne nach vorne bringt!!!!!!
MartinUebermuth (25.08.2007, 04:26 Uhr)
An Herrn Pang
Herr Pang, Ich finde Ihre Planung gut und bedanke mich für Ihr Engagement in dem manchmal etwas steifen und schwergängigen Deutschland. Ich hoffe dass die zuständigen Personen Ihnen helfen können Ihren Plan zu verwirklichen.
Wir leben doch alle auf einem Planeten.
Danke für Ihr Engagement in dem schönen Städtchen Parchim.
Habe selber ein großes Gelände und Verwaltungsgebäude in dieser schönen Stadt Parchim nur 6 Km Enfernt von IHrem Airport.... Eine sehr schöne Ecke...
Gruss aus Aachen
Martin Uebermuth
042020 (24.08.2007, 23:14 Uhr)
Herr Pang
ihr lieben deutschen musst lernen das die Chiesen unheimlich gute geschaftleute sind. wen der Hr. Pang da was anfangen will wurde das schon ganz gut untersucht, und wurde 100% gut gehen.und wie der jockel sagt, schickt ihn zu uns in die US und lasst ihn hier sein geld anlegen.
DropBearHunter (24.08.2007, 20:58 Uhr)
armes Land
"Bislang müssen jedes Mal, wenn ein Flieger landet, Zöllner aus dem Amt in Ludwigslust herbeitelefoniert werden. " wow wie schlimm. Der Flieger brauch 12 Stunden aus China, das werden die Herren wohl schaffen bei der Landung da zu sein??? oder fahren die erst los wenn der Jett ausgerollt ist? würde mich ja nicht wundern.
"24-Stunden-Betriebserlaubnis ... haben nur vier andere Flughäfen in Deutschland" na da werden sich ein paar Parteien bald über erhöte Parteispenden freuen und die Parteibuch Beamten dann schön Mauern mit den Genehmigungen.
Mufasa (24.08.2007, 19:24 Uhr)
typisch deutsches Denken
Ich gebe que_pasa und jockel_us absolut Recht, aber so ist das nun mal in Deutschland... Visionen werden niedergemacht - der Mann könnte ja Erfolg haben. Und ob er nun Erfolg hat oder nicht, was ändert das für Parchim? Die Region kann nur gewinnen...! Schade, dass es dem Stern letztendlich nur um die Quote geht, wirklich bedauerlich. Gut gesagt, jockel_us: cheap shot.
que_pasa (24.08.2007, 19:12 Uhr)
positives denken ist gefragt
das ist mal wieder typisch deutsche denkweise. es werden immer erst alle negativen seiten einer story aufgelistet. die autorin sollte mal darüber nachdenken das diese investition ein wichtiger und richtiger schritt für die zukunft dieser region darstellt.
das ist halt riskobereitschaft die in deutschland mangelware ist. jeder will immer 110% sicher sein. herr Pang hat sein geld sicher nicht ohne risiko verdient.
jockel_us (24.08.2007, 14:35 Uhr)
Der Mann sollte unterstützt werden
und nicht bespöttelt.
So jemand kann ein Glücksfall sein für die Region, und wenn die Autorin ihre Hausaufgaben gemacht hätte, dann wüßte sie, daß Air Cargo tatsächlich einer der heißesten Wachstumsbereiche ist.
Über die sehr fragwürdige Intonation des Artikels kann ich nur den Kopf schütteln. Herausragendes Beispiel für die vielfältigen Widerstände, die Entrepreneure in Deutschland zu gewärtigen haben.
Herr Pang, wenn's in Parchim nichts wird, kommen Sie einfach zu uns in die USA. Wir brauchen mutige Leute wie Sie, und unsere Journalisten machen sich erst über Sie lustig, wenn Sie reich und erfolgreich sind! ;-)
Mr. Unbekannt abmeiern, bevor er seine Chance erhalten hat: cheap shot.
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