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26. Juli 2007, 11:16 Uhr

Eine Knolle als Türöffner

Der Chemiekonzern BASF wittert das große Geschäft mit gentechnisch veränderten Lebensmitteln, Türöffner für den EU-Markt soll die Kartoffel "Amflora" werden. Klappt deren Einführung hat BASF große Pläne - und verbündet sich dafür mit einem US-Konzern.

Die "Amflora" soll zwar nicht zum Verzehr, sondern nur zur Stärkeproduktion verwendet werden, Verbraucherschützer sind dennoch nicht begeistert© Gero Breloer/DPA

Für eine Kartoffel hat es "Amflora" zu erstaunlicher Berühmtheit gebracht. Von Kartoffelsorten wie Sieglinde unterscheidet Amflora, dass sie gentechnisch verändert wurde. Derzeit beschäftigt sich die EU-Kommission abschließend mit der Knolle, vor der Umwelt- und Verbraucherschützer warnen. Ein Tochterunternehmen des Chemiekonzerns BASF will die Nutzpflanze auf den Markt bringen, die zur Stärkeproduktion eingesetzt werden und nicht auf den Tellern der Verbraucher landen soll. Kritiker sehen in dem Gewächs einen Türöffner, der die Gentechnik hoffähig machen soll und warnen vor unkalkulierbaren Gefahren.

Freigabe wohl nur noch eine Formalie

Nachdem sich die Agrarminister der Europäischen Union kürzlich nicht einigen konnten, ob es für Amflora eine Zulassung geben soll, entscheidet nun die EU-Kommission. Dass sie Amflora ihren Segen erteilt, gilt nur noch als Formalie, die BASF rechnet für den September mit einer Entscheidung. Dann würde erstmals seit 1998, als die EU Gen-Mais zuließ, wieder eine genveränderte Pflanze das Okay für den kommerziellen Anbau aus Brüssel bekommen.

Über Nutzen und Gefahren der Kartoffel gehen die Meinungen weit auseinander. Nach Angaben der BASF ist Amflora deutlich besser für die Produktion von Stärke geeignet als herkömmliche Kartoffeln, da sie nur eine statt zwei Stärkekomponenten enthält. Die BASF macht keinen Hehl daraus, dass sie mit gentechnisch veränderten Pflanzen vor allem eins will: Geld verdienen. Die rheinland-pfälzische Grünen- Bundestagsabgeordnete Ulrike Höfken sieht handfeste wirtschaftliche Interessen hinter dem Einsatz für Amflora. Die BASF und der US-Konzern Monsanto, die vor einigen Wochen eine weitgehende Kooperation auf dem Gebiet der Gentechnik vereinbart haben, hätten einen äußerst lukrativen Markt im Visier: den für Saatgut und Pestizide.

"Gentechnik hoffähig" machen

Es drohe die "großflächige Industrialisierung der Landwirtschaft", prophezeit die Politikerin. An Amflora kritisiert Höfken, dass es für die Kartoffel "keine belastbare Risikobewertung" gebe. Mit Amflora gehe es der BASF letztlich darum, "die Gentechnologie hoffähig zu machen", sagt Höfken. Ähnlich ist die Einschätzung bei Greenpeace.

20 bis 30 Millionen Euro will die BASF für Amflora jährlich etwa an Lizenzeinnahmen kassieren. Der Konzern hat einen Jahresumsatz von mehr als 52 Milliarden Euro. Das ganz große Geschäft soll zwischen 2012 und 2015 beginnen. Dann will die BASF mit ihrem Partner Monsanto wichtige Nutzpflanzen wie Mais, Raps oder Weizen auf den Markt bringen, die dank einer Genveränderung ertragreicher und widerstandsfähiger sind. So arbeitet die zuständige BASF-Tochter Plant Science an einer Maispflanze, die Trockenheit besser übersteht, weil sie Moos-Gene eingebaut bekommen hat. Das Marktpotenzial für genveränderte Pflanzen schätzt die BASF für das Jahr 2025 auf 50 Milliarden Dollar jährlich.

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Marc Strehler/DPA
 
 
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