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21. Juli 2006, 11:35 Uhr

Hitzefrei am Bau

Die Rekordhitze setzt besonders den Bauarbeitern zu: Derzeit arbeiten in Deutschland etwa 2,5 Millionen in dieser Branche unter freiem Himmel. Die Gewerkschaft fordert nun eine Art Schönwettergeld. Von Joachim Reuter und Karin Spitra

An ihrem Arbeitsplatz herrschen Temperaturen von 60 Grad und mehr: Bauarbeiter verteilen den noch dampfenden Teer© Marcus Führer/DPA

Die Gewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) fordert Unternehmen mit Beschäftigten unter freiem Himmel auf, ihre Arbeitnehmer vor Sonneneinstrahlung und extremer Hitze zu schützen. "Es ist die Frage, ob bei 38 Grad im Schatten Arbeiten auf frischer Betondecke gemacht werden müssen. Ich appelliere an die Arbeitgeber, das Leben der Menschen über den Profit zu stellen", sagte Klaus Wiesehügel, IG BAU-Vorsitzender und gelernter Betonbauer. Besonders betroffen sind laut Wieshügel auch Straßenbauer auf Baustellen mit heißem Teer.

2,5 Millionen Bauarbeiter schwitzen

In Deutschland arbeiten rund 2,5 Millionen Beschäftigte unter freiem Himmel, dabei sind gerade Bauarbeiter den gefährlichen Strahlungen meist schutzlos ausgeliefert. "Wir müssen darüber nachdenken, ob extrem heiße Tage nicht unter 'Schlechtwetter' fallen sollten wie klirrende Kälte im Winter", sagte der IG BAU-Vorsitzende, "dann wären sie genauso zu überbrücken".

Im Winter bekommen Bauarbeiter für den witterungsbedingten Arbeitsausfall zwischen Dezember und März ein Saisonarbeiter-Kurzarbeitesgeld gezahlt. Je nachdem bekommt ein Arbeiter dann 60 bis 67 Prozent seines durchschnittlichen Arbeitsentgelds. Dies "Schlechtwettergeld" wird dabei zum Großteil von der Bundesagentur für Arbeit getragen.

Entscheidung liegt bei den Tarifpartnern

Doch diese äußerte sich zum Vorstoß der Gewerkschaften eher zurückhaltend: "Ob wir ein Schönwettergeld als Pendent zum Schlechtwettergeld zahlen, muss die Politik entscheiden", so ein Sprecher gegenüber stern.de. Die zuständige Behörde wiederum gibt den schwarzen Peter weiter: "Das ist Sache der Tarifvertragsparteien", sagte Peter Ziegler vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales in Berlin auf Anfrage von stern.de. Ziegler verwies außerdem auf die Arbeitsstättenverordnung, in der derartige Probleme bereits geregelt seien - allerdings handele es sich um unverbindliche Empfehlungen.

Bis sich die Politik beim Thema "Schlechtwettergeld" bewegt, fordert die IG Bau ihre Mitglieder auf, sich vor der Hitze zu schützen. So arbeiten die Dachdecker möglichst früh morgens, teilweise schon um 5.30 Uhr, um der Hitze zu entkommen. "Auf Flachdächern können bei diesem Wetter Temperaturen bis zu 90 Grad entstehen", sagte der Hauptgeschäftsführer des Landesinnungsverbandes der Dachdecker, Uwe Klehn. Nachbarn, die sich gestört fühlten, bat er um Verständnis.

Schon drei Bauarbeiter unter den Hitzetoten

Zwar gab es in Deutschland bisher noch keinen Hitzetoten, doch bei den europäischen Nachbarn ist das leider anders: Erst vor drei Tagen sind in Spanien zwei Maurer nach einem Hitzekollaps gestorben: Sie hatten stundenlang bei Temperaturen von mehr als 42 Grad gearbeitet, bevor sie zusammenbrachen. Auch in Macon, nördlich von Lyon, starb am Dienstag ein 53-jähriger Dachdecker an einem Hitzeschlag, nachdem er den ganzen Tag in der prallen Sonne gearbeitet hatte.

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