. .
News am 21.11.2009
RSS Mobil Wetter stern.de Blogs Hefte
3. November 2009, 23:20 Uhr
Schriftgröße: A A A

Zitterpartie um Opel geht weiter

Bei Opel geht das große Zittern wieder los: Der Abschluss des Verkaufs verschiebt sich auf November - im besten Fall. Möglicherweise will General Motors den Rüsselsheimer Autobauer doch behalten. In Berlin weiß man davon nichts, doch der Opel-Betriebsrat ist bereits in Wallung.

Opel, Magna, GM

Es ist ein ewiges Hickhack: Der Opel-Verkauf kommt und kommt nicht in trockene Tücher© DDP

Die Belegschaft von Opel muss noch mindestens zehn Tage um den Verkauf des Rüsselsheimer Autobauers bangen. Der Eigentümer General Motors (GM) will die Verträge nicht vor einer Verwaltungsratssitzung am 3. November unterschreiben. Der GM-Chefunterhändler John Smith, begründete dies am Freitag in seinem Internet-Blog mit der besonderen Bedeutung der Opel-Transaktion. Einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" zufolge wird von Teilen des GM-Gremiums sogar der Verkauf von Opel grundsätzlich wieder infrage gestellt. In Berliner Regierungskreisen weiß man davon aber nichts.

Smith schrieb, der Verwaltungsrat müsse sich mit Änderungen an den Vereinbarungen mit dem kanadisch-österreichischen Autozulieferer Magna und dessen russischem Partner Sberbank befassen, die sich seit dem Zuschlag für die Käufer am 9. September ergeben hätten. "Es hat auf jeden Fall große Fortschritte gegeben", resümiert Smith in dem Blog, in dem er den Verkaufsprozess regelmäßig kommentiert. Zudem gehe es um die Reaktion von GM auf die Vorbehalte der EU gegenüber dem vereinbarten Deal.

Die erneute Verzögerung kommt überraschend, nachdem GM-Chef Fritz Henderson in den vergangenen zwei Wochen mehrfach erklärt hatte, eine Unterzeichnung der Verträge sei binnen weniger Tage möglich.

Umdenken im GM-Board

Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes hatte GM aufgefordert, den Verkauf noch einmal zu überdenken, wenn die staatliche Hilfe der Bundesregierung über 4,5 Milliarden Euro tatsächlich an Magna als Käufer geknüpft worden sei. Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hatte GM und die Treuhand, bei der 65 Prozent an Opel geparkt sind, daraufhin um eine Bestätigung gebeten, dass die Entscheidung nicht von der Politik beeinflusst worden sei.

Dem "Spiegel" zufolge hat dies zu einem Umdenken bei wichtigen Mitgliedern des GM-Boards geführt. Sie setzten darauf, dass nun auch der amerikanische Autobauer eine Bürgschaft bekäme, und wollten Opel selbst sanieren. Ähnliche Spekulationen waren auch schon im September aufgekommen - dann hatte Magna doch den Zuschlag erhalten. In Verhandlungskreisen in Deutschland stieß der Bericht auf Verwunderung: "Wir haben keine belastbaren Indizien dafür, dass das Fass noch einmal aufgemacht werden soll. Das halte ich für ausgeschlossen", sagte eine mit der Situation vertraute Person.

Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz reagierte wütend: "Mit dieser erneuten Verzögerung hat General Motors den Bogen überspannt und ist im Begriff, das letzte Vertrauen bei Beschäftigten und Gewerkschaften, in der Öffentlichkeit und nicht zuletzt bei der Politik zu verspielen", erklärte er, nachdem er den Bericht zunächst als "überzogene Spekulation" bezeichnet hatte. Die Belegschaft sei "nicht willens, einen Cent an Arbeitnehmerbeiträgen für GM abzugeben". Magna will die Beschäftigten für den Verzicht auf Lohnbestandteile mit zehn Prozent an "New Opel" beteiligen. GM will 35 Prozent an Opel behalten, Magna und Sberbank sollen sich 55 Prozent teilen.

Die Bedenken der EU

EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes geht dem Verdacht nach, dass der mit deutschem Steuergeld eingefädelte Opel-Deal gegen den freien Wettbewerb verstoßen könnte. Mehrere Opel-Länder in Europa hatten kritisiert, dass die vier deutschen Werke Rüsselsheim, Bochum, Eisenach und Kaiserslautern vom neuen Eigentümer Magna beim Stellenabbau geschont werden könnten. In Spanien und Großbritannien haben sich Politik und Gewerkschaften inzwischen mit Magna geeinigt.

In dem monatelangen Bieterverfahren hatte GM lange Zeit den Finanzinvestor RHJI als Käufer bevorzugt. Die Gewerkschaften und die Bundesregierung hatten sich jedoch vehement für Magna eingesetzt, weil er weniger Stellen in Deutschland streichen wolle und ein besseres Sanierungskonzept habe. Der österreichisch-kanadischen Zulieferer will in Europa etwa 10.500 Jobs abbauen, davon etwa 4500 in Deutschland.

Nur die Bundesregierung hat bislang erklärt, die Gelder seien nicht an einen bestimmten Käufer geknüpft. Magna und die russische Sberbank wollen je 27,5 Prozent der Anteile an "New Opel" kaufen. GM will 35 Prozent behalten, die Belegschaft soll zehn Prozent bekommen und durch den Verzicht auf Urlaubs- oder Weihnachtsgeld bis 2014 jährlich 265 Millionen Euro einsparen. Dafür verlangen die Arbeitnehmer mehr Mitspracherechte bei Unternehmensentscheidungen. Hier gibt es aber noch keine Einigung.

DPA/Reuters
KOMMENTARE (9 von 9)
 
cologne237 (23.10.2009, 20:50 Uhr)
Wer die Musik bezahlt,
bestimmt auch was sie spielt. Aber nicht in der EU. Wenn Opel ausschliesslich mit deutschen Steuergeldern gerettet wird, wäre es doch eigentlich selbstverständlich, dass die deutschen Werke einen Vorteil haben. Wahrheitsgemäß kann unsere Regierung aber auch nicht behaupten, dass die Kreditzusage nicht an Magna gebunden war.
Das passt alles hinten und vorne nicht.

Johann58 (23.10.2009, 20:45 Uhr)
@auweia
Autos bauen in Europa und den USA hat durchaus Zukunft! VW baut in Chattanooga, Tennessee, zur Zeit ein neues Montagewerk und es kaum damit zu rechnen, dass VW das macht um Geld zu verbrennen. BMW montiert in Spartanburg, South Carolina sehr profitabel und Daimler Benz wird in Tuscaloosa in Alabama montiert. warscheinlich um etliches biliger als in Deutschland. Die Amerikaner lassen dafuer in Mexiko montieren wo es dann noch billiger ist. Europa wird auch in Zukunft Autos bauen man hat inzwischen bemerkt, dass die Verlagerung von Arbeitsplaetzen in Billiglohnlaender mehr schadet als nutzt und mittelfristig Begehrlichkeiten weckt, die den Preisvorteil wieder auffressen.
Johann58 (23.10.2009, 20:39 Uhr)
@hatzlafutzla
warum so arrogant und zynisch? Aus dem Nick schliesse ich, dass Sie aus Bayern sind. Die Opel Kisten sind nicht besser oder schlechter als andere Kisten und ueber Geschmack laesst sich ja bekanntlich streiten. Die Opelmitarbeiter sind uebrigen genau so gute und schlechte Mensche wie die bei VW, BMW oder sonst wo. Sie sind eben von unserer tollen neuen Regierung gnadenlos verarscht worden. Ihren Kommentar wuerde ich gerne mal lesen, wenn Sie persoenlich betroffen waeren. Fuer Menschen wie Sie muss man sich schaemen!
Hatzlafutzla (23.10.2009, 19:55 Uhr)
Wer braucht schon Opel
Den Stall zu schließen ist lange überfällig.
Um Arbeitsplätze bei Quelle macht sich auch keiner Gedanken, doch dieser Hersteller Opel ist so unnötig wie ein Kropf. Jeder Japaner baut schönere Autos. Deutsche Marken werden bald auch nur noch auf Audi und BMW reduziert , vielleicht spielt ja noch Mercedes eine kleine Rolle. Ganz ehrlich wer will schon mit solchen Opel Kisten herumfahren? Wer meint, dass dies ein Designtechnisches Meisterwerk ist, der sollte schnell zum Augenarzt gehen.
Manche halten eben an alten Zöpfen fest.
Nicht mit uns! Steuergelder für solchen Schrott, da könnte ja jeder kommen.
Mein Apell: Opel schließen und die Mitarbeiter umschulen und bei VW einstellen
Nursery (23.10.2009, 19:16 Uhr)
Vermutungen
Was ich immer Vermutet hatte.Das Opel Thema sollte vor der Wahl schöngeredet werden.Die Visionen für das Unternehmen sind mehr als Unsicher.Diese Traktiererei auf dem Rücken der Mitarbeiter und der Steuerzahler ist unerträglich.Die Unfähigkeit der Politik treibt seltsame Blüten.
utasieg (23.10.2009, 18:11 Uhr)
Opel
das war doch von Anfang an klar, oder ????
und die Voksverdummung geht weiter
auwei (23.10.2009, 17:29 Uhr)
Ich weiß nicht
...ob es ein Grund zu trauern ist, wenn sich ein Automobilhersteller verabschiedet (wenn es dazu kommen sollte). Klar, die Arbeitsplätze sind auf Nimmerwiedersehen dahin und kommen in vergleichbarer Form nie wieder, aber: Ist die Automobilindustrie nicht so ein bisschen der Steinkohlebergbau von heute? Mit einem Wort: Autos bauen hat in Europa und den USA eh keine Zukunft. Wenn, dann braucht die Welt chinesische und indische Billigmobile (die, wenn wir Glück haben, eines Tages nicht nur wegen kleiner Motoren umweltgerecht sein werden). Eine kleine Niesche bleibt für Spinner, die unbedingt Porsche oder BMW fahren wollen, aber da reichen geringe Stückzahlen. Insofern: Schade um die Jobs, aber ansonsten als Strukturwandel zu betrachten. Irgendwann erwischt es auch die anderen deutschen Volumenhersteller.
steinhaus (23.10.2009, 17:08 Uhr)
Schießt doch den Schuppen in den Wind...
Um alles in der Welt: für was brauchen wir so eine Billigmarke wie Opel. Wenn für Quelle kein Geld da ist, warum soll dieser Schuppen erhalten bleiben? Wenn die EU Angst hat, dass die Regierung nicht rechtens handelt, dann soll sie diese Rettung doch selbst in die Hand nehmen. Weg mit Opel. Sollen doch die Ami´s gucken, wie sie GM ohne Opel sanieren... Es reicht einfach! Ja, es reicht! Weg mit den Teilen!
Johann58 (23.10.2009, 16:49 Uhr)
Das Ende von Opel
Als eigenstaendige Marke haette Opel vielleicht eine Chance im GM Konzern nicht. Der Astra kostet in den USA als Saturn Astra zwischen $16,500 und ca. $22,000.00 je nach Ausstattung und Motor. da fragt man sich wo das Geld landet, denn entweder werden die Deutschen Astra Kaeufer verarscht oder der Deutsche Steuerzahler bezuschusst jeden in die USA geliefeten Astra mit ein paar tausen Euro. Schade, nun macht man vernueftige Autos mit Insisnia und dem neuen Astra und steht trotzdem vor dem aus.
MEHR ZUM ARTIKEL
Magna-Deal EU will Opel-Verkauf nicht blockieren

Versöhnliche Signale aus Brüssel im Opel-Hickhack: Die EU wolle den Verkauf an Magna nicht blockieren, sondern nur die Einhaltung der Regeln sicherstellen, sagte Kommissionssprecher Jonathan Todd. Opel-Mutter General Motors teilte derweil mit: Sollten die Verhandlungen scheitern, gebe es auch einen Plan B. mehr...

Opel-Verkauf EU-Kommission rechnet mit Opel-Entscheidung

Auch die EU-Kommission rechnet noch in dieser Woche mit einer Entscheidung über den Verkauf von Opel. mehr...

GM und Magna Opel-Deal steht vor dem Abschluss

Wer gedacht hatte, der Opel-Verkauf an Magna sei in trockenen Tüchtern, ist in den vergangenen Tagen eines Besseren belehrt worden. Immerhin soll es keine Abkehr von dem Deal geben. Ob der aber wie geplant in dieser Woche endgültig abgesegnet wird? mehr...

Adobe Flash Player

 
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Günther Jauch
sternTV - Information und Unterhaltung mit Günther Jauch

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...