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9. Juni 2009, 09:00 Uhr

BDI-Chef sieht "Schamgrenzen" beim Ruf nach dem Staat

BDI-Chef Hans-Peter Keitel, Sprachrohr für 100.000 deutsche Unternehmen, ermahnt seine Klientel. Bei den Rufen nach dem Staat müsse es "Schamgrenzen" geben, sagte Keitel im stern-Interview. Auch den Fall Opel sieht der Verbandschef kritisch und macht bei einigen Unternehmern eine Bedienmentalität aus.

BDI, Keitel, Staatshilfe

BDI-Chef Hans-Peter Keitel kritisiert das kurzfristige Denken: "Die Quartalsberichte wurden ja nicht von den Unternehmen erfunden, sondern vom Gesetzgeber"© Wolfgang Kumm/DPA

Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Peter Keitel, greift in die Diskussion um staatliche Hilfen für Unternehmen ein und kritisiert seine Klientel. "Bei diesen Rufen nach dem Staat muss es Schamgrenzen geben", sagte Keitel in der neuen, am Mittwoch erscheinenden Ausgabe des stern. Keitel kritisierte indirekt auch Porsche-Chef Wendelin Wiedeking: "Diese Schamgrenzen muss es gerade dort geben, wo man bewusst riskante Geschäftsmodelle eingegangen ist. Es geht doch auch um einen inneren Kompass, dafür werbe ich."

Auch die staatliche Unterstützung für den Autobauer Opel sieht der BDI-Chef kritisch. Es sei "ein Vorgang, den ich für problematisch halte. Es ist nicht Aufgabe des Staates, die Scherben der Geschichte zu finanzieren. Ich empfehle einen kritischen Blick auf jeden Einzelfall, gerne auch Selbstkritik", sagte er dem stern.

Der ehemalige Chef des Baukonzerns Hochtief ist seit Anfang des Jahres BDI-Präsident und somit Sprachrohr für 100.000 Unternehmen. Im Gespräch mit dem Magazin kritisierte er auch eine Bedienmentalität unter deutschen Unternehmern: "Da gibt es nun manche, die sehen die Chance, etwas mitzunehmen, auch manche, die sich mit ihren Produkten eigentlich nicht im Markt behaupten könnten. Es darf nun nicht übers Ziel hinausgeschossen werden, es soll nicht jeder nach dem Staat rufen." Es verblüffe ihn, dass "wir nun - Krise hin, Krise her - eine Renaissance des übermächtigen Staates erleben".

Wie Keitel im Gespräch mit dem Magazin klarstellte, ist der BDI dagegen, dass der Staat sich an Unternehmen der Realwirtschaft beteiligt. "Der Staat hilft dort, wo vorübergehend Probleme entstanden sind. Für diese Hilfen muss es klare Regeln geben. Sonst übernimmt sich der Staat, der mit unser aller Geld wirtschaften muss. Sparsamkeit ist die Maxime", sagte der BDI-Chef. Dass es zu dieser tiefen Krise, die nach Keitels Meinung "sicherlich noch eine Zeitlang dauern wird", gekommen sei, daran sei vor allem die Finanzwirtschaft, aber auch der Staat selbst, schuld: "Die Kapitalmärkte haben die Unternehmer gezwungen, wahnsinnig kurzfristig zu agieren. Die Quartalsberichte wurden ja nicht von den Unternehmen erfunden, sondern vom Gesetzgeber. Da wurde die Solidität aufs Spiel gesetzt."

Den BDI-Chef sorgt, "dass viele Menschen den Glauben an die soziale Marktwirtschaft verloren haben". Allerdings habe er nicht erwartet, "dass der abgewrackte Sozialismus, der zurecht 1989 auf den Müllhaufen der Geschichte flog, zurückkommen könnte, dass er immer noch in den Köpfen ist". Keitel zum stern: "Unser System ist das beste, das wir bisher kennen - wenn es auch nicht perfekt ist. So wie es kein Leben gibt, das ohne Krisen ist, gibt es auch kein Wirtschaftssystem ohne Krisen. Nur: Wir haben kein anderes Modell. Mancher bei uns hat vergessen, wie gut ausgebaut unser Sozialsystem ist."

Gefunden in ... Stern Stern
Ausgabe 25/2009

Lesen Sie das komplette Interview mit BDI-Chef Keitel im neuen stern

Lesen Sie das komplette Interview mit BDI-Chef Keitel im neuen stern

 
 
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