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1. August 2008, 16:15 Uhr

Fehler? Ausgeschlossen

Nach stern-Recherchen behindert der schwedische Modekonzern H&M die Arbeit von Betriebsräten in seinen deutschen Filialen offenbar systematisch. Die Führung der Firma mit dem Wohlfühl-Image ficht das allerdings kaum an. Im stern.de-Interview ist sich die Personalchefin für H&M-Deutschland keinerlei Schuld bewusst.

"Wir respektieren die Rechte von jedem" - so sagt es zumindest Angela Gallenz, die deutsche Personalchefin von H&M. Mit Betriebsräten habe sie keine Probleme© H&M

Wir sitzen im Büro des deutschen H&M-Geschäftsführers Thorsten Mindermann in Hamburg, dem "Thorsten", wie sie hier alle sagen. Alles picobello aufgeräumt, auf dem Tisch stehen drei üppige Bleche mit Kuchen, Schinkenmelonen und Mozarella. Herein schwebt Angela Gallenz, Personalchefin und eine engelsgleiche Erscheinung. Das Haar platinblond, dazu ein Lächeln. Sie lächelt immerzu, bei jeder Frage, jedem Vorwurf. Sie lächelt alles weg.

Stellen Sie sich vor, Sie könnten zwei Menschen einstellen: Der eine war zuvor im Betriebsrat, der andere nicht. Welchen nehmen Sie?

Völlig egal. Wir respektieren die Rechte von jedem. Wie passt ein Kandidat ins Profil? Danach entscheiden wir uns dann.

Dann wundert es mich, dass Karrieren von Betriebsräten in vielen Fällen abrupt enden. Der Rosenheimer Verkäuferin Marina Unterreiner wurde beispielsweise von ihrer Abteilungsleiterin eine Ausbildung zur Handelsassistentin in Aussicht gestellt. Doch nachdem Sie Betriebsrätin war, wurde sie noch nicht einmal mehr zum Vorstellungsgespräch geladen.

Ich kann Ihnen ganz viele gegenteilige Fälle nennen. Beispielsweise eine Mitarbeiterin in Berlin, die war zwei Jahre im Betriebsrat und ist dann Abteilungsleiterin geworden. Wenn jemand in eine höhere Position kommt, dann muss er auch das Profil dieser Position ausfüllen. Von Marina Unterreiner liegt uns keine Bewerbung vor.

Die Betriebsrätin erinnert sich genau an eine Bewerbung und auch ihre damalige Vorgesetzte weiß von einer Bewerbung.

Wir haben mit der Filialleitung gesprochen, dem ist nicht so. Die Filialleitung hat mit Frau Unterreiner gesprochen, aber sie hat nicht gesagt: Du wirst ganz sicher Handelsassistentin. Da ist es ganz wichtig zu sehen: Zeige ich dem Mitarbeiter eine Perspektive auf oder sage ich ihm: Deine nächste Position wird ganz sicher die Handelsassistenz.

Ein anderes Beispiel. Auf Thomas Müssig, Lagerarbeiter und Betriebsrat in Großostheim, kam im September 2004 nach seiner Erinnerung der Chef auf ihn zu und bot an, er könne "mehr Verantwortung übernehmen" - wenn er sich aus dem Betriebsrat zurückziehe.

Dem Mitarbeiter wurde in einem Feedbackgespräch sein Entwicklungspotential aufgezeigt. Dass heißt nicht, dass jemand diesen Job definitiv machen kann. Letztendlich muss auch die Fähigkeit vorhanden sein, eine höhere Position zu besetzen. Nach unserem Kenntnisstand hat der Vorgesetzte das nie Herrn Müssig angeboten.

Oft müssen die Personalvertretungen sich die einfachsten Hilfsmittel vor Gericht erklagen - etwa Fax oder Internetanschluss. Den erstritt sich etwa der Betriebsrat der hannoverschen Filiale am Kröpcke vor dem Arbeitsgericht, doch H & M legte bis vor das Bundesarbeitsgericht Berufung ein - vergebens. Nur fünf Minuten zu Fuß von der Filiale entfernt liegt der H & M-Laden in der Georgstraße. Und wieder, das gleiche Spiel: Auch dieser Betriebsrat musste für seinen Internetanschluss bis vor das Landesarbeitsgericht ziehen. Sie haben doch angeblich kein Problem mit Betriebsräten. Warum machen Sie das dann?

Wir sind nur bis vor das Landesarbeitsgericht gezogen.

Nein, bis vors Bundesarbeitsgericht, das habe ich hier schriftlich.

Wir streben eine allgemeingültige Entscheidung des Bundesarbeitsgerichtes an. Wir erhoffen uns hiervon eine allgemeingültige Klärung dieser Frage womit auch weitere einzelne Verfahren überflüssig wären. Jeder Betriebsrat bekommt selbstverständlich ein Büro mit der Büroausstattung, dazu gehören Telefon, Fax und ein Computer mit E-Mail-Anschluss. Aber: E-Mail ist nicht gleich Internet! E-Mail für den firmeninternen Austausch gibt es, aber Internet halten wir nicht unbedingt für erforderlich. Übrigens auch nicht für Filialleiter.

Letztlich blockieren sie mit diesen Methoden die eigentliche Arbeit der Betriebsräte. Nachdem einer Recht bekommen hat, lassen Sie den nächsten wieder klagen.

In Hannover haben wir zwei ganz unterschiedliche Filialen. In der einen sitzt der stellvertretende Gesamtbetriebsratsvorsitzende, der natürlich ganz andere Tätigkeiten bewältigt, als der lokale Betriebsrat gegenüber. Wir sehen jede Filiale individuell.

Das verstehe ich nicht. Die Betriebsräte erledigen alle ähnliche Aufgaben. Zu den Hannoveraner Filialen kommen andere in Berlin. Die haben schon geklagt oder bereiten Klagen vor.

Die Aufgabe vom einzelnen Mitglied kann ganz unterschiedlich sein. Es gibt Betriebsräte, die nur für ihren örtlichen Betriebsrat zuständig sind. Andere sind im Gesamtbetriebsrat, andere im Wirtschafts- oder Ausbildungsausschuss. Außerdem haben wir in einem Fall vor dem Landesarbeitsgericht in Nürnberg Recht bekommen. Es gibt noch keine einheitliche Rechtssprechung. Jeder Betriebsrat bekommt einen Computer und E-Mail-Anschluss. Das braucht sich auch niemand zu erkämpfen.

In Schweinfurt in Unterfranken musste der Betriebsrat ein Beschlussverfahren einleiten, um ein geeignetes Büro zu bekommen, genauso in Augsburg. In Würzburg wollte das fünfköpfige Betriebsratsteam einen Computer. Das wurde erst durch Einreichung eines Beschlussverfahrens ermöglicht - einen Tag vor dem Gerichtstermin.

Der Fall in Augsburg liegt mir so nicht vor. Bei uns wird die Grundausstattung an jeden weitergegeben. Es ist eine Herausforderung, immer vor Ort ein Büro zu finden. Natürlich kann das mal eine Woche länger dauern. Grundsätzlich gibt es hierzu bei H&M aber ganz klare Richtlinien.

Es geht hier nicht um ein paar Tage.

So wie ich die Betriebsräte in Würzburg und Schweinfurt jetzt kenne, haben die eine komplette Ausstattung.

Weil sie drohten, vor Gericht zu gehen.

Das kann ich nicht bestätigen.

Lesen Sie mehr ...

Lesen Sie mehr ... ... im aktuellen stern. Darin: "...dann musst Du mit einer fristlosen Kündigung rechnen". Wer bei H&M aufmuckt, riskiert Lohnabzüge oder gar den Job. Ein Insider-Bericht.

Zur Person Angela Gallenz, 39 Jahre alt, ist in Deutschland Personalchefin bei der schwedischen Modekette Hennes und Mauritz (H&M). Sie studierte Betriebswirtschaftslehre in München und arbeitet seit 13 Jahren bei H&M. Seit Februar 2006 leitet sie die Personalabteilung.

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