23. Februar 2010, 13:16 Uhr

Einzelhandel zieht die Wirtschaft runter

Überraschend schlechte Stimmung in der deutschen Wirtschaft: Nach zehn Anstiegen in Folge ist der Ifo-Geschäftsklimaindex erstmals wieder gesunken. Trübe Laune verbreitet vor allem der Einzelhandel, der unter dem harten Winter leidet.

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"Die Stimmung eingefroren": Dem deutschen Einzelhandel blieben wegen des strengen Winters Kunden weg©

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Februar nach zehn Anstiegen in Folge überraschend wieder eingetrübt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex sei von 95,8 Punkten im Vormonat auf 95,2 Punkte gefallen, teilte das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) am Dienstag in München mit. Die meisten Experten hatten dagegen mit einem weiteren Anstieg des Konjunkturbarometers gerechnet. Der Ifo-Index gilt als wichtigster Frühindikator der deutschen Wirtschaft.

Während die befragten 7000 Manager ihre aktuelle Lage schlechter beurteilten als im Januar, schätzten sie die Aussichten für die kommenden sechs Monate erneut optimistischer ein. Das entsprechende Stimmungsbarometer stieg von 100,6 Punkten auf 100,9 Zähler. "Die wirtschaftliche Erholung dürfte sich nach dem Winter fortsetzen", erklärte Sinn.

"Der Winter hat die Stimmung eingefroren"

Für die Stimmungsflaute ist nach Ansicht von Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn insbesondere die Entwicklung im Einzelhandel verantwortlich. "Die Einzelhändler berichten von einer erheblich schlechteren Geschäftslage als im Januar", sagte Sinn. "Auch ihr Ausblick auf die Geschäfte in der nahen Zukunft fällt wesentlich trüber aus als bislang."

Dem deutschen Einzelhandel macht eigenen Angaben zufolge der strenge Winter zu schaffen. "Das hat die Stimmung eingefroren", sagte die Sprecherin des Branchenverbandes HDE, Ulrike Hörchens. "Wegen Schnee und Eis war es für viele Kunden schwerer, in die Geschäfte zu kommen." Von einem Käuferstreik könne aber nicht die Rede sein - "zumal Tauwetter eingesetzt hat und der Frühling vor der Tür steht", erklärte Hörchens. "Das wird sicher dazu beitragen, die Stimmung wieder anzuheizen."

Neben dem Handel habe primär der Bau das Wetter zu spüren bekommen, sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Abberger. Die Branche werde die Aufträge aber voraussichtlich in den nächsten Monaten abarbeiten können. Hier gebe es also nur einen aufschiebenden Effekt. In den nächsten Monaten rechnet die Branche daher mit einer deutlichen Belebung.

Wirtschaft könnte im ersten Quartal schrumpfen

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) und Bundesbankpräsident Axel Weber hatten die Bürger wegen des strengen Winterwetters bereits auf eine konjunkturelle Durststrecke bis zum Frühjahr eingestimmt. Das sieht das Ifo-Institut ähnlich: "Das erste Quartal wird stark durch die Witterung geprägt sein und die Wirtschaftsleistung eventuell sogar zurückgehen", sagte Abberger. Im Schlussquartal 2009 stagnierte die Wirtschaft bereits.

Der Ifo-Geschäftsklimaindex Der Ifo-Index wird jeden Monat vom Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo-Institut) in München erstellt. Er gilt als wichtiger Frühindikator für die Konjunkturentwicklung in Deutschland. Etwa 7.000 deutsche Unternehmen aus dem verarbeitenden Gewerbe, der Bauwirtschaft und dem Groß- und Einzelhandel werden zur aktuellen Geschäftslage und zu ihren Geschäfterwartungen befragt. Die aktuelle Lage können die Firmen mit "gut", "befriedigend" oder "schlecht" bewerten, die Erwartungen mit "günstiger", "gleich bleibend" oder "ungünstiger". Aus den Angaben ermittelt das Institut den Geschäftsklimaindex und die Teilindikatoren zur aktuellen Lage und zur Einschätzung für die kommenden sechs Monate. Der Index wird seit 1972 regelmäßig veröffentlicht.

DPA/Reuters/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 12)
 
Lazarus09 (24.02.2010, 09:02 Uhr)
Der Buerger
ist AUSGEMERKELT ... das zieht die Wirtschaft runter ,das koennen auch die Geschoenten Bezuschussten Export/Unternehmens Gewinne nicht rausreissen.
Der Plan ist aufgegangen " Macht die Reichen reicher ..und die Armen ..na sie wissen schon
brigitteramsau (23.02.2010, 22:49 Uhr)
Gaehn...
...sinkende Einkommen, hoehere Energiepreise und hohe Steuern und Abgaben - fuehren zur Steigerung des Privat-Konsums.

Oder vielleicht doch nicht?
Sozimod (23.02.2010, 19:34 Uhr)
Titel falsch
Der Einzelhandel zieht nicht Wirtschaft runter, denn die ist real unten!

Durch virtuelle Tricks am Leben erhalten.
OttoB (23.02.2010, 16:55 Uhr)
Wenn die Kaufkraft sinkt
geht es dem Binnenmarkt schlechter.
Lafontain wollte schon als Finanzminister den Binnenmarkt stärken durch Ende der Bescheidenheit auch ein Herr Sinn hat dagegen gelästert und Heute wundert er sich?
Aber die Mehrheit hat der BILD ua. vertraut und CDU/CSU und FDP gewählt und über Herrn Lafontain den Kopf geschüttelt.
Heute schütteln sie den Kopf wenn sie auf ihr Konto schauen.
Sozimod (23.02.2010, 15:56 Uhr)
Wer die Arbeitslosenversicherung auf 3,3 Prozent
kürzt, trotz Wirtschaftskrise (und damit mehr Kurzarbeit und höhere Arbeitslosigkeit) ist meines empfindens nicht Zurechnungsfähig!

Wer den Unternehmen Sozialversicherungsbeiträge erlässt, nicht den Arbeitnehmern, den Konsumenten, handelt grob fahrlässig.

Nun treten wieder Situationen auf, die Oskar Lafontaine vor Monaten vorausgesagt hatte.

Wer wäre jetzt der bessere Finanzminister?
picatd95 (23.02.2010, 15:52 Uhr)
Teilweise Recht
Ich lebe auf dem Dorf und zu den Läden im nächsten Dorf war wochenlang fast kein Durchkommen trotz Winterreifen und Schlechtwegefahrwerk. Der Hauptgrund dürfte aber sein, dass den Leuten das Geld ausgeht. Immerhin hat Herr (Un-) Sinn mal nicht gegen zu höhe Löhne gehetzt.
Sozimod (23.02.2010, 15:47 Uhr)
Oskar Lafontaine forderte 2008,2009, 2010
dass die Profiteure dieser Wirtschaftskrise die Zeche zahlen sollen.

Er forderte den Mindestlohn, bedingunsloses Grundeinkommen ect. Er wollte die Kaufkraft kurzfristig ankurbeln, nach Monaten nachjustieren.
Aber Abwrackprämie, sowie Geschenke an die Sponsoren der Parteien(Banken und Versicherungen) wurden bevorzugt.

Der Einzelhandel hält sich seit Jahren geradeso über Wasser. Die fehlende Kaufkraft wurde durch Darlehen kompensiert. Nach 12 Jahren Reallohnverzicht und den bis zu 100 Prozentigen Preissteigerungen(bedingt durch den Euro, wer das nicht glaubt, wir besitzen sämtliche Bons bis zum euro) führen zu Kaufkraftverlust. Dies wollte man als EXPORTweltmeister ausgleichen.

Der Einzelhandel trägt eine geringe Schuld.

Die Regierungen der letzten 12 Jahre sind dafür verantwortlich.

Die Regierungen waren Gerhard Schröder(SPD), mit Trittin, Künast(die Grünen), sowie CDU(Angela Merkel), sowie seit Monaten die FDP(Westwelle).

Unwählbar!
1valentino (23.02.2010, 15:41 Uhr)
Winter hin - Winter her...
...der Einzelhandel steht kurz vor dem Kollaps: Die Kaufkraft ist zu stark zurückgegangen - das Internet tut den Rest. Mit dem Winter hat das jedenfalls nichts zu tun.
atetzlaf (23.02.2010, 14:52 Uhr)
Also vor nicht allzu langer Zeit,
wurde der Einzelhandel, der Privatkonsum als Stütze in der Krise prognostiziert. "Das wird ja alles ganz doll schlimm, aber zum Glück rettet uns der Privatkonsum" -tönte übrigens auch der Stern. Obwohl ein blinder mit dem Krückstock hier besser getroffen hätte.

Denn Sinns Hungerlöhne und all die anderen "Zaubertricks" mögen ja einigem nutzen, sicher aber nicht der Binnennachfrage, sicher nicht einer stabilen Wirtschaft und sicher auch keiner stabilen Gesellschaft.
kabelmann (23.02.2010, 14:30 Uhr)
So einen Job hätte ich auch gerne....
....einmal alle Nase lang Callcenter spielen und den Callcentern der Unternehmen auf die Nerven gehen, den Rest der Zeit rumgammeln und in ARD und ZDF über arbeitsscheue herziehen....


Ja Herr Sinn, sie sind das Musterbeispiel eines Leistungsträgers in dieser Gesellschaft
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