. .
News am 07.11.2009
RSS Mobil Wetter stern.de Blogs Hefte
6. September 2008, 15:13 Uhr
Schriftgröße: A A A

US-Regierung will Kontrolle an sich reißen

Die Krise am US-Finanzmarkt spitzt sich zu: Branchenkreise erwarten, dass die US-Regierung noch an diesem Wochenende die angeschlagenen halbstaatlichen US-Immobilienbanken Fannie Mae und Freddie Mac übernehmen wird, um den kriselnden Hypothekenmarkt zu schützen.

Hoffnungslos verschuldet: Medienberichten zufolge will die US-Regierung die Kontrolle über Fannie Mae und Freddie Mac an sich reißen© Jason Reed/Reuters

Die US-Regierung bereitet sich Medienberichten zufolge darauf vor, die durch die Immobilienkrise schwer angeschlagenen US-Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac zu übernehmen. Wie die "New York Times" und die "Washington Post" am Freitagabend berichteten, soll das Management abgesetzt und die Finanzierer mit einem Notpaket aus Steuergeldern vor dem Absturz gerettet werden. Die Geschäftsführungen seien bereits über die Pläne informiert worden, hieß es unter Berufung auf namentlich nicht genannte Regierungsbeamte. Es werde erwartet, dass die beiden Unternehmenschefs Daniel Mudd und Richard Syron ihren Hut nehmen müssen. Die Führung der Unternehmen solle zunächst einem Verwalter übertragen werden.

Nach Berichten der Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg traf US-Finanzminister Henry Paulson am Freitag mit den Geschäftsführungen von Fannie Mae und Freddie Mac, US-Notenbankchef Ben Bernanke sowie dem Direktor der Regulierungsbehörde für Hausfinanzierungen, James Lockhart, in Washington zusammen. Vertreter des US-Kongresses würden sich über das Wochenende für eine Unterrichtung über die Pläne in Bereitschaft halten, hieß es.

In den vergangenen Wochen hatte es bereits verstärkt Spekulationen gegeben, dass Fannie Mae nach heftigen Milliardenverlusten vom Staat gerettet werden müsse. Aktionäre befürchten, dass ihre Papiere durch einen staatlichen Aufkauf praktisch wertlos werden könnten. Der Börsenwert der Gesellschaften ist seit dem verschärften Ausbruch der Kreditkrise vor rund einem Jahr bereits um jeweils mehr als 90 Prozent gefallen.

Fannie Mae und der kleinere Finanzierer Freddie Mac stehen mit einem Volumen von mehr als fünf Billionen Dollar (3,4 Billionen Euro) hinter jedem zweiten US-Hauskredit. Ihre Zahlungsunfähigkeit könnte den völligen Kollaps des US-Immobilienmarktes bedeuten und fatale Folgen für die Weltwirtschaft mit sich bringen.

DPA/AP/Reuters
KOMMENTARE (8 von 8)
 
Albert_Wittine (07.09.2008, 00:52 Uhr)
Nur Spitze eines viel gigantischeren Eisberges
Die Verbindlichkeiten der USA belaufen sich auf etwa 60 Billionen (= 60.000 Milliarden) US-$ (current debts, long tem, unfunded liabilities, off budget expenses). Diese unglaubliche Zahl allein uebersteigt die Summe des Weltbruttosozialprodukts. Hinzu kommen noch Schulden der amerikanischen Unternehmen und privaten Haushalte, die sich auf etwa 40 Billionen US-$ belaufen duerften. Die gesamten Schulden der US (oeffentliche und private) belaufen sich also auf 100 Billionen US-$ (=100.000 Milliarden US-$). Das Aushandelsdefizit belaeuft sich auf 800 Milliarden US-$. Die USA muessen jeden Tag 3 Milliarden US-$ Kredite aufnehmen, um das Land am Laufen zu halten.
Man schaue sich desweiteren die Konjunkturdaten der USA im Langzeittrend an. Der Arbeitsmarkt sieht schlecht aus (Stellenabbau, immer weniger Stellenanzeigen, sinkende Erwerbsquote und steigende Arbeitslosenzahlen), der Immobilienmarkt sieht nicht besser aus, und die Industrieproduktion schrumpft ebenfalls drastisch, die Infrastruktur wurde systematisch vernachlaessigt, das Strassen- und Eisenbanhnsystem befindet sich in einem erbaermlichen Zustand.
Nouriel Roubini von der New York University sah Anfang August die groesste Finanzkrise seit der Grossen Depression und die schlimmste US-Rezession seit Jahrzehnten heraufziehen. Ein Meltdown der Aktienmaerkte sei unvermeidlich. Das herkoemmliche Finanzsystem in den USA werde zusammenbrechen. Der Rest der Welt werde von dieser Entwicklung schwerst in Mitleidenschaft gezogen werden. Wie 1973 und 1979 sehe sich die Welt einem stagflationaeren Schock verursacht durch hohe Oelpreise und Rohstoffverknappung gegenueber. Die laxe Geldpolitik der Fed schliesse die Gefahr eines Dollarkollapses mit ein.
Spaetestens wenn es fuer US-$ kein Oel mehr gibt, sind die USA am Ende.
Bilanztechnisch sind die USA uebrigens schon lange pleite.
gmathol (07.09.2008, 00:30 Uhr)
Wahlzeit in den USA!
Der US Finanzbetrugswirtschaft gehen die Mittel aus, deswegen muss die Regierung einspringen und frisches Geld drucken.
Zwischen 120-130 Milliarden Dollar sind an Soforthilfe zu leisten und bis zu geschaetzten 600 Milliarden in den Folgejahren.
Ob es die Kredite fuer die Verbraucher verbilligen wird kann man mit dieser Aktion nicht garantieren.
Faende eine solche Aktion im Euro-Land statt wuerden wir amerikanische/britische Schreihaelse hoeren die "Fowl" rufen.
katermikesch (06.09.2008, 20:39 Uhr)
... wie immer,
Gewinne wurden privat gehortet, wenn die hochkarätigen Manager für ihre Aktienbesitzer dann alles abgesaugt haben, wird wieder Papa Staat um Unterstützung angebettelt...!
Freie Marktwirtschaft olé olé!!!
terrax (06.09.2008, 18:43 Uhr)
Finanz-Welltkrieg
Habe hier mal nen interessanten Link. Hier wird u.a. angesprochen was ich schon immer auch hier in anderen Foren des Sterns behauptet habe. Aber son paar Schlaumeier müssen ja immer dagegen quarken..
http://www.mmnews.de/index.php/20080906984/MM-News/Finanz-Weltkrieg.html
bernie-abg (06.09.2008, 15:10 Uhr)
Da wundert man sich wirklich...
...nicht, daß die Republicans alles dafür tun, NICHT den nächsten Präsidenten zu stellen.;-)
Die Republicans brauchen die Democrats um hinter ihnen aufzuräumen.
Das war nach Reagan und Bush I so und das ist auch nach Bush II so.
Watschdog39 (06.09.2008, 14:49 Uhr)
US-Notenbank
ist in privater Hand (ein Schelm, wer dabei schlechtes denkt;ich bin einer)
Es werden also die Subprime Gewinner nochmal gewinnen.
DrNoHamburg (06.09.2008, 12:46 Uhr)
nur vorübergehend...
Ich bin der Überzeugung, dass der Zusammenbruch zurückgehalten wird, bis nach den Wahlen versteht sich. Mit dem Antritt Obamas kommt dann die längst überflüssige Pleitewelle, die der Schwarze Mann dann ausbügeln bzw seine Schwarzen Brüder beruhigen muß...
terrax (06.09.2008, 12:20 Uhr)
Frage der Zeit
Naja habe aber auch ehrlich geagt nichts anderes erwartet, denn das Finanzsystem ist ein Fass ohne Boden. Es wird sich auf Dauer selbst strangulieren... Es ist alles eine Frage der Zeit.
MEHR ZUM ARTIKEL
Verschuldete Banken US-Regierung verspricht Milliarden-Hilfen

Das amerikanische Finanzministerium und die US-Zentralbank Fed haben angekündigt, die stark angeschlagenen Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac zu unterstützen. Die Institute haben Schuldverschreibungen über fünf Billionen Dollar. Das entspricht einem Drittel des US-Bruttoinlandsprodukts. mehr...

US-Finanzkrise Bankencrash schockt Amerika

Wer nach einigen ruhigeren Monaten gedacht hatte, die US-Finanzkrise sei mittlerweile unter Kontrolle, sieht sich arg getäuscht: Die halbstaatlichen Hypothekenbanken Freddie Mac und Fannie Mae, Säulen der amerikanischen Immobilienfinanzierung, muss die Regierung retten, und jetzt ist ein weiteres Geldhaus gar zusammengebrochen. mehr...

 
 
 
Aktuelle Extras
 
Adobe Flash Player

 
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Günther Jauch
sternTV - Information und Unterhaltung mit Günther Jauch

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...