5. Juni 2007, 11:28 Uhr

Kinderarbeit für Damen-Top von Esprit

Skandal um Kinderarbeit bei Esprit: Die Modemarke hat ein Damen-Top verkauft, das indische Kinder unter unmenschlichen Bedingungen gefertigt haben, berichtet der stern. Unglaublich: Auch Firmen wie KarstadtQuelle, Metro, C&A und Lidl wollen Kinderarbeit nicht ausschließen.

Dieses Damentop wurde in Indien von kleinen Kindern gefertigt©

Ein zurzeit zehntausendfach von der Modemarke Esprit verkauftes Damen-Top wurde von Kindern in Indien unter unmenschlichen Bedingungen hergestellt. Das berichtet der stern in seiner neuen Ausgabe. Das olivgrüne Hemd mit auffallendem Perlenbesatz im Ausschnitt und der Modellnummer S40762 wurde in einer Werkstatt in Neu Delhi, einem so genannten „Sweat-Shop“, von Jungen bestickt, die zum Teil gerade elf Jahre alt sind. Sie wurden größtenteils von ihren Eltern in die Sklavenarbeit in der Hauptstadt verkauft. stern-Mitarbeiter interviewten sie an ihrem Arbeitsplatz, an dem sie auch wohnten.

"Wir sind betrogen worden"

Mit Arbeitsproben und Beweisbildern konfrontiert, bestätigte Esprit-Chef Thomas Grote den Fall, der nach den Einkaufs-Verträgen von Esprit, die Kinderarbeit explizit ausschließen, eigentlich nicht möglich sein sollte. Grote zum stern: "Das geht gar nicht. Wir dachten, wir hätten eine lückenlose Kette. Wir sind eindeutig betrogen worden."

Esprit hat jegliche Zusammenarbeit mit dem Unter-Auftragnehmer, der seinerseits inzwischen abgetaucht ist, abgebrochen. Die auch nach indischem Recht illegale Werkstatt mit den Kinder-Sklaven ist aufgelöst. Esprit konnte bisher erst eines der Kinder finden und wird ihm nun eine Ausbildung finanzieren. Nach weiteren Jungen wird noch gesucht.

Firmen wollen Kinderarbeit nicht ausschließen

Der stern befragte in diesem Zusammenhang die größten deutschen Textileinzelhändler, ob sie garantieren können, dass ihre Textil-Produkte ohne Kinderarbeit hergestellt werden. Ergebnis: Die Mehrheit kann oder will das nicht. Nur fünf der 15 Unternehmen, die auf die Anfrage antworteten, sagten, sie könnten diese Garantie übernehmen. Die meisten schränkten ihre Aussage allerdings direkt wieder ein wie etwa das Modehaus Sinn-Leffers: "Im Rahmen des Machbaren". Neun weitere Firmen, darunter KarstadtQuelle, Metro, C&A, kik, Lidl und Plus wichen in ihren Stellungnahmen konkreten Zusagen aus. Nur die schwedische Modekette H&M antwortete, es sei "leider unmöglich, eine solche Garantie zu geben". Aldi Süd und Nord, Rewe sowie das Versandhaus Klingel verweigerten die Antwort.

Der stern berichtet außerdem über den Leidensweg von Kindern, die in den unzähligen Sweat-Shops der Slums von Neu Delhi auch für die westliche Textilwirtschaft arbeiten. Viele von ihnen kommen aus der armen Provinz Bihar und werden von ihren Eltern gegen falsche Versprechungen und gegen Zahlung von umgerechnet manchmal gerade zehn Euro über ein Netz von Schleppern verscherbelt.

 
 
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KOMMENTARE (10 von 31)
 
Kotzbaer (07.06.2007, 20:56 Uhr)
WER? will eigentlich verdienen
mal im ernst Esprit ist ein weltweit operierendes Unternehmen mit riesigem Erfolg, da wäre es natürlich toll wenn so ein Unternehmen, bevor es einen Lieferanten beauftragt ein Kleidungsstück herzustellen, genau untersucht und unter umständen auch am Produktionsstandort aufsucht um die Verhältnisse zu prüfen. ABER wenn ich als Unternehmer etwas produzieren möchte und dies geschiet in Indien (eigentlich Egal WO auch in Europa existiert Kinderarbeit schaut mal nach Osteuropa) und ich zahle diesem Lieferanten gutes Geld (das sogar für sagen wir Asiatische verhältnisse angemessen ist), würde ich davon ausgehen das dieser nichts mit Kinderarbeit zu tun hat ABER auch Inder wollen Geld verdienen also! Ihr glaubt doch nun nicht wirklich das dass 5,99 T-Shirt bei KIK das 9,99 Shirt bei H&M das 19,95 Shirt bei Espriut und das 39,95 Shirt von Hilfigger alle gleich produziert werden ist doch quatscht. Anderer Rohstoffe etc. das alles wirkt sich aus natürlich auch der Markenname. Fakt ist aber das die meisten "Global Player" in der ganzen Welt produzieren und man nich mal eben nach Java jettet um sich dort die Produktion vom T-shirt XY anzugucken dafür müssen die Regierungen verantwortlich bleiben. Schlagt hier also nicht auf die falschen ein und beschäftigt euch mal mit ein bisschen mehr als der in Deutschland mittlerweile üblichen Gysi polemik an solchen Diskussionen. DANKE
Turmfalke (06.06.2007, 16:15 Uhr)
Profitgier
In einer Welt in der nur der Profit zählt, ist es Unternehmen völlig egal wo etwas herkommt. Betroffen reagieren sie dann wenn etwas aufgedeckt wird. Das haben wir nicht gewusst, da sind wir dagegen.
Klar, und im Himmel ist Jahrmarkt !
ganzbaf (06.06.2007, 11:50 Uhr)
Das ist doch nicht nomal
Deswegen bedienen sich Typen wie du auch gerne auf den Drogenstrich. Da geht auch kein "Armer" hin, nur kranke Arschlöcher die eigentlich Geld haben.
stekom (06.06.2007, 09:36 Uhr)
Luxusproblem
Es ist N O R M A L, dass man da produzieren lässt, wo es billig ist - wer als Firma überleben will kann es nicht anders machen (Ausnahmen bestätigen die Regel). Genau deshalb hat Deutschland ja auch keine nennenswerte Textilindustrie mehr.
Auch sonst lassen sich unsere (Luxus-)Werte nicht einfach so auf andere Länder übertragen: Vielleicht fragt mal jemand, wie es den Kindern ohne diese Arbeit gehen würde?
Was wir als "unmenschlich" ansehen, müssen die Betroffenen nicht zwangsläufig genauso empfinden. Es ist des Deutschen Luxusproblem: Wir regen uns morgens darüber auf und mittags essen wir den Spargel, für den sich schließlich auch kein Deutscher bücken mag ;-)
Alfibey (06.06.2007, 07:46 Uhr)
Dummheit
Wenn ich lese, dass Esprit angibt betrogen worden zu sein, kann ich nur lachen. Wie dumm und naiv muss man denn sein, nicht zu wissen das man auch in Indien nicht unbegrenzt billig produzieren kann wenn man normale indische Loehne zahlt. Natuerlich ist es auch dann noch billiger als in Deutschland, aber die Profitgier der europaeischen Unternehmen kennt nun mal keine Grenzen. Ich selbst arbeite in Indien seit 10 Jahren und keiner kann mir erzaehlen, dass die Einkaeufer der grossen Kaufhaeuser in Deutschland nicht wissen was wirklich Sache ist in Indien. Wer in Indien produzieren laesst, egal welches Produkt, beschaeftigt irgendwo in der Kette Kinder. Das ist ein Fakt und damit haben wir zu leben.
Chessstar (05.06.2007, 18:22 Uhr)
Wie sich die Geschichte doch wiederholt
NeuerMensch schrieb: "Neben Kinderarbeit gibt es aber noch weitere "Beschäftigungsverhältnisse" in den Produktionsländern, die mehr als absolut unsozial sind: 14-Stunden Tage, kein Arbeitsschutz, Arbeiter sind oft sehr gesundheitsschädlichen Bedingungen ausgesetzt, keine Versammlungsrechte, selbst Schwangere müssen in den sog. Sweatshops knechten, weil es keinerlei soziale Absicherung gibt. Das macht die Produktion so herrlich billig und die Profite so wunderbar hoch."
Das erinnert mich sehr an die von Günter Wallraff beschriebenen Arbeitsbedingungen, denen Ausländer (und nicht nur die) bei uns in den 70er und 80er Jahren ausgesetzt waren, wenn sie in Fabriken arbeiteten.
bernie-abg (05.06.2007, 18:11 Uhr)
Natürlich treffen sie sich deswegen...
...die Arbeitsbedingungen der 3. und 1. Welt sollen sich angleichen.
In welche Richtung hat sich ja bereits in den letzten Jahren gezeigt.
NeuerMensch (05.06.2007, 15:58 Uhr)
Kinderarbeit und sonstiges
ist wirklich nicht neu. Neu sind auch nicht die ständigen Beteuerungen europäischer Unternehmen, auf keinen Fall Kinderarbeit zu unterstützen. Dagegen getan wird aber faktisch rein gar nichts, und das seit Jahrzehnten. Neben Kinderarbeit gibt es aber noch weitere "Beschäftigungsverhältnisse" in den Produktionsländern, die mehr als absolut unsozial sind: 14-Stunden Tage, kein Arbeitsschutz, Arbeiter sind oft sehr gesundheitsschädlichen Bedingungen ausgesetzt, keine Versammlungsrechte, selbst Schwangere müssen in den sog. Sweatshops knechten, weil es keinerlei soziale Absicherung gibt. Das macht die Produktion so herrlich billig und die Profite so wunderbar hoch. Aber jetzt ist ja der G8-Gipfel, wo sich die führenden Chefs der Welt auf eine grandiose Verbesserung dieser Umstände einigen wollen. Deswegen treffen die sich doch, oder?
RAZE (05.06.2007, 15:09 Uhr)
Unwissenheit...
Sowas findet man seit langem alles in Büchern, wie zum Beispiel den Schwarzbüchern “Markenwaren” und “Globalisierung” oder bei der Organisation "Clean Clothes".
Es interessiert nur keinen, weil wir entweder Markenwaren haben wollen, bei denen die Gewinnspanne der Konzerne halt sehr hoch sein soll und sich somit die Sweat Shops gegenseitig unterbieten müssen, oder man rennt zu kik, wo der Preis eigentlich schon alles sagt!
Leider gehört auch ein Hugo Boss oder Coca Cola dazu. Vielleicht könnte man zukünftig solch eine Problematik umgehen, indem man auf in Deutschland hergestellte Markenartikel (z.B. Trigema, Bionade) zurückgreift? Sichert Arbeitsplätze und garantiert keine Kinderarbeit!
Salzsteuer (05.06.2007, 14:50 Uhr)
Esprit
Nur zur Information für die teils unwissenden Käufer(innen) vermeintlich exclusiver Luxusklamotten: Der Firmensitz von Esprit ist in HongKong/China.
Bei Billigstware von Aldi usw könnte ich ja noch verstehen (nicht billigen) wenn diese unter unmenschlichen Bedingungen hergestellt wird, wenn die Fummel hier im Laden aber auch noch einen stolzen Preis haben wird die Sauerei doppelt unerträglich.
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