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30. April 2009, 13:06 Uhr

Alles oder nichts für Arcandor

Keine Sanierung in Deutschland scheint so aussichtslos wie die des Handelskonzerns Arcandor. Bis Mitte Juni müssen Banken und Politik ihre Unterstützung zusagen, sonst geht dem Mutterunternehmen der Handelskette Karstadt das Geld aus. Vorstandschef Karl-Gerhard Eick läuft die Zeit davon. Von Henning Hinze und Sven Clausen

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Konzern im Umbau: Ein Baustellenschild steht vor einer Filiale der Handelskette Karstadt, die zur kriselnden Arcandor gehört© Jan Woitas/DPA

Thomas Middelhoff hatte bei Pressekonferenzen an dieser Stelle stets das Kreuz durchgedrückt, sein breites Lächeln aufgesetzt - Kamera läuft, 15 Sekunden für die Abendnachrichten: Läuft alles blendend.

Karl-Gerhard Eick lächelte nicht, als er vergangene Woche sein Sanierungskonzept für seinen neuen Arbeitgeber Arcandor (Karstadt, Quelle, Thomas Cook) vorstellte. Vor ihm standen Kameraleute, fünf Scheinwerfer waren auf ihn gerichtet und die Blicke Dutzender Journalisten und Mitarbeiter. Und Eick sagte mit ausdrucksloser Miene: "Es ist unsere letzte Chance."

Die Lage ist auch anderswo im Land ernst: Firmen wie Schiesser oder Karmann gehen pleite, Unternehmen wie Schaeffler, Pro Sieben Sat 1 oder Infineon zittern um ihre Kredite, und bei Opel hat niemand Ahnung, wie es weitergeht.

Bei keinem Konzern aber ist die Situation so dramatisch wie bei Arcandor. Denn anders als bei den anderen Problemfällen brennt es bei den Essenern an allen denkbaren Ecken und Enden: operative Schwäche, Schuldenlast, strapazierte Bankbeziehungen, klamme Eigner, gereizte Arbeitnehmer. Überall Alarm. "Die Schlinge", sagt einer aus Eicks Rettungsteam, "zieht sich jeden Tag enger zusammen."

Hausbanken in der Krise

Der Vorstand weiß selbst, dass dieses Argument nur teilweise zieht - vor allem, wenn es um die Refinanzierung geht, das dringlichste Problem der Essener. Knapp 1 Milliarde Euro an Krediten muss der Konzern bis Mitte Juni erneuern. Das wäre inmitten der schärfsten Bankenkrise seit 80 Jahren eh schon schwer genug. Bei den drei Arcandor-Hausbanken scheint das unmöglich:

Alle sind derart angeschlagen, dass der Staat sie retten musste: die BayernLB der Freistaat, die Commerzbank der Bund, die Royal Bank of Scotland (RBS) der britische Schatzkanzler. Das Geringste, was sie jetzt gebrauchen können, sind Kreditrisiken. Daher haben die Geldhäuser signalisiert, dass sie gern von anderen Banken abgelöst würden. "Das können wir vergessen, keine Chance. Wir versuchen es derzeit nicht einmal", sagt einer aus Eicks Team.

Bei der BayernLB und der Commerzbank hoffen die Arcandor-Leute, dass ihnen die Politik hilft. Als unsicherster Kantonist gilt ihnen die RBS. Die Bank gehört inzwischen mehrheitlich dem britischen Staat - dem wiederum die deutschen Innenstädte herzlich egal sind. Zumal die Entscheidung über den Kredit nicht mehr von der Deutschlandchefin Ingrid Hengster gefällt wird, sondern von der Zentrale in London. Die Briten zeigen sich von dem Berger-Konzept zwar angetan - mehr aber auch nicht.

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