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8. Mai 2008, 14:42 Uhr

RWE plant CO2-Pipeline durch Deutschland

Die Kohlekraftwerke von RWE zählen zu den größten Klimakillern. Künftig soll das Treibhausgas CO2 ausgewaschen und in Schleswig-Holsteins Erde verpresst werden. Dazu muss aber eine Leitung durch ganz Deutschland gebaut werden - zum großen Unmut der betroffenen Anwohner. Von Rolf-Herbert Peters

Das Kohlekraftwerk in Ensdorf des Energiekonzerns RWE© Thomas Wieck/ddp

Der Essener Energiekonzern RWE will eine mehrere Hundert Kilometer lange und 50 Zentimeter dicke Pipeline durch Deutschland verlegen. Über sie soll das Klimagift Kohlendioxid (C02) aus dem rheinischen Braunkohlegebiet bei Köln nach Schleswig-Holstein gelangen und dort dauerhaft und sicher in der Erde gespeichert werden. Das Gas, das bei der Kohleverstromung freigesetzt wird, wird nach RWE-Angaben aus einem neuen Kohlekraftwerk stammen, das 2014 im Rheinland ans Netz gehen soll.

Die Versuchsanlage werde 450 bis 500 Megawatt Strom erzeugen, sagte Johannes Lambertz, Chef der Kraftwerkstochter RWE Power, stern.de. Später, so heißt es in RWE-Kreisen, soll es auf etwa 1000 Megawatt ausgebaut werden - etwa soviel wie ein Atomkraftwerk liefert. Lambertz rechnet mit einer Baugenehmigung für die Pipeline innerhalb der kommenden zwölf bis 24 Monate. Die Bauzeit betrage rund ein halbes Jahr.

Der RWE-Manager muss Tempo machen. Die Kraftwerke des Konzerns zählen zu den weltgrößten Klimakillern. Bei keinem anderen Energieträger wird mehr CO2 freigesetzt als bei der Braunkohle. Mit dem CCS (Carbon Capture and Storage) genannten Verfahren soll dieses Übel beseitigt werden. Zunächst wird das Klimagas chemisch abgeschieden, dann verflüssigt und schließlich zu geeigneten Endlagerstätten, etwa geleerten Erdöl- oder Erdgasfeldern transportiert und verpresst.

CO2-Lager vielleicht auf Sylt

In Deutschland findet man solche potentiellen Lager vor allem im Norden und im Alpenvorland. Zusammengenommen könnten sie nach jüngsten Schätzungen das CO2 von 60 bis 100 Jahren heimischer Kohleverstromung aufnehmen. Bislang ist die Technik aber noch nicht ausreichend erprobt. Kaum ein Experte rechnet mit einem industriellen Einsatz vor dem Jahr 2020. RWE zeigt sich jedoch davon überzeugt, bereits 2014 das "erste CO2-freie Kohlekraftwerk" ans Netz bringen zu können. "Wir bleiben bei dem ambitionierten Termin", sagt Manager Lambertz.

Wo genau das C02 gespeichert werden soll, steht noch nicht fest. Optionen gibt es in Nordfriesland einschließlich der Inseln wie Sylt, an der Nordseeküste sowie im südlichen Kreis Ostholstein bis Lübeck. Im Herbst will RWE mit endgültigen seismographischen Untersuchungen beginnen. Ob der Zeitplan eingehalten werden kann, ist fraglich. Schon jetzt regt sich in den vom Fremdenverkehr lebenden Regionen massiver Protest. Auch bei der Pipeline muss RWE mit heftigem Widerstand rechnen. Bei einer Leckage, unken Kritiker, drohten den Anwohnern ernsthafte Gefahren bis hin zum Erstickungstod.

Von Rolf-Herbert Peters
 
 
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