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4. März 2008, 18:03 Uhr

Mehdorns Katz- und Mausspiel

Bei der Deutschen Bahn droht ein Totalstreik auf allen Ebenen. Die Lokführer kriegen den Hals nicht voll, mag manch Außenstehender meinen. Dabei ist es die Bahn, die die Verhandlungen unnötig erschwert. Mit Zusatzabkommen will sie der GDL den Wind aus den Segeln nehmen. Von Lisa Louis

"Zug fällt aus" steht auf der Anzeigetafel am Kölner Hauptbahnhof. Die Lokführer haben zu einem unbefristeten Totalstreik ab Montag aufgerufen© Michael Gottschalk/ DDP

Es ist eine Art unendliche Geschichte. Die Lokführer haben ab Montag zu einem unbefristeten Totalstreik aufgerufen. Dabei galt der Tarifstreit bei der Bahn schon fast als gelöst, nun fängt alles wieder von vorn an.

Auf den ersten Blick ist der Schuldige schnell ausgemacht: Manfred Schell, Chef der Lokführergewerkschaft GDL. Elf Prozent mehr Lohn und einen eigenen Tarifvertrag - was will der Mann noch? Den Lokführern den Schwarzen Peter zuzuschieben, käme der Deutschen Bahn gerade recht, wird der GDL aber in keiner Weise gerecht.

Eine große Mitschuld trägt nämlich die Bahn selbst und mit ihr der Vorstandsvorsitzende Hartmut Mehdorn. Er versucht, den mühsam erarbeiteten Entgelttarifvertrag durch zusätzliche Abkommen auszuhöhlen. Die Bahn fordert, die GDL solle auch einen Kooperations- und einen Grundlagentarifvertrag unterschreiben. Gegen beide wehrt sich die Gewerkschaft. Und das zu Recht.

Bahn könnte Gewerkschaften gegeneinander ausspielen

Der Kooperationsvertrag bestimmt, dass Tarifregelungen, die mit einer Gewerkschaft getroffen werden, automatisch für alle andere Bahngewerkschaften gelten. Prinzipiell ist daran nichts falsch. Die Bahn kann sich aber so immer wieder aussuchen, mit welcher Gewerkschaft sie gewisse Regelungen verhandeln will.

Angesichts der Streitigkeiten unter den drei Gewerkschaften wäre es der Bahn dadurch ein Leichtes, die eine Gewerkschaft gegen die andere auszuspielen. Die Bahn würde sich das Leben dadurch erheblich erleichtern, den anderen das Leben jedoch deutlich erschweren.

Der Tarifvertrag - eine "leere Hülle"

Der Grundlagentarifvertrag schließlich würde sicherstellen, dass Tarifeinigungen zwischen Bahn und GDL nur für Lokführer des Mutterkonzerns gelten. Mitarbeiter von Tochterunternehmen und Zeitarbeiter fallen nicht darunter. Kein Problem? Doch. Denn erst jüngst kündigte die Bahn an, sie wolle acht Tochterunternehmen gründen, mit denen sie zukünftig im Bieterwettbewerb um Regionalstrecken auftrete. Und für die würden die künftigen Tarifvereinbarungen mit der GDL nicht gelten. Ein regionales Tochterunternehmen hat die Bahn übrigens schon - die Heidekrautbahn in Berlin und Brandenburg. Für die gelten viele Tarifbestimmungen nicht. So ist die Arbeitszeit länger, die Löhne sind niedriger.

Ein weiterer Punkt sind Zeitarbeiter. Die künftigen Tarifeinigungen würden Lokführer der DB Zeitarbeit - immerhin rund 2000 Beschäftigte - nicht einschließen. Zu Recht spricht Günther Kinscher, stellvertretender Bundesvorsitzender der GDL, also von einer "leeren Hülle", zu der der Entgelttarifvertrag bald verkommen könnte.

Von Lisa Louis
 
 
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