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20. August 2008, 07:43 Uhr
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Schluss mit dem Bahn-Bashing

Die Bahn erhöht die Preise, und das Geschrei ist mal wieder laut. "Abzocke" und "kundenfeindlicher Größenwahn" pöbelte beispielsweise der Grünen-Politiker Fritz Kuhn über voraussichtliche Preiserhöhungen auf Inflationsniveau. Die allgemeine Entrüstung verdeutlicht einmal mehr, dass viele Deutsche falsche Vorstellungen vom Kapitalismus haben. Von Dirk Benninghoff

Mehr Geld fürs Ticket: Die Bahn erhöht die Preise - ein völlig normaler Vorgang© Volkmar Schulz/Keystone

Die Energiepreise sind gestiegen – weiß jeder. Die Personalkosten bei der Bahn auch – und zwar teilweise deutlich. Folge: Das Unternehmen erhöht die Preise. Voraussichtlich um die drei Prozent kosten die Tickets mehr ab Dezember. Eine ICE-Fahrt von Hamburg nach Berlin ohne Bahncard ist dann rund zwei Euro teurer. Fahrplanwechsel, höhere Preise – ein gewohntes Ritual, das an Skandalträchtigem entbehrt, zumal die Preise bei der Bahn in etwa so stark steigen werden wie die Teuerung in Deutschland generell. Warum also regen sich Politiker aller Parteien so auf?

Zum einen liegt es an der Naivität weiter Teile der Öffentlichkeit. Die Bahn macht hohe Gewinne, also hat sie gefälligst Tickets billig anzubieten – sie kann es sich schließlich leisten. Der gleiche Gedankengang lag schon der heftigen Kritik an der Deutschen Bank zugrunde, als sie viele Stellen abbaute, nachdem sie Rekordgewinne gemeldet hatte.

Falsche Logik

Der Logik des Kapitalismus entspricht es aber nicht, sich in guten Zeiten zurückzulehnen, Arbeitsplätze anzubieten, auf die man auch verzichten könnte und Preise niedrig zu halten, obwohl die Kosten steigen und die Nachfrage nach dem Produkt da ist. Der Logik des Kapitalismus entspricht es vielmehr, gerade wenn es gut läuft, nach Möglichkeiten zur weiteren Gewinnsteigerung zu suchen, vor allem, wenn man wie im Fall Deutsche Bahn demnächst an die Börse will.

Und hier kommt ein zweiter grundlegender Denkfehler ins Spiel, der Bahnchef Hartmut Mehdorns Image dieser Tage mal wieder gründlich ramponiert. Die Bahn löst sich gerade langsam vom Bund, wird vom Staatskonzern teilweise zum Privatunternehmen. Gleichwohl wird die Bevölkerung sie noch lange als Gemeineigentum betrachten – mit entsprechenden Forderungen: Die Bahn hat das Volk zu versorgen – mit so günstigen Tickets wie möglich bei exzellentem Service. Gerade, wenn die Benzinpreise so hoch sind. Gewinne? Müssen nicht sein. Wenn die Bahn sich nach und nach vom Staat abkoppelt, wird hoffentlich auch nach und nach dieser soziale Versorgungsanspruch zurückgehen.

Zunächst einmal muss die Bahn jedoch Investoren Anreize liefern, ins Unternehmen einzusteigen. Diese Investoren wurden vom Grünen Kuhn vorab schon einmal als "profithungrig" dargestellt, ohne dass er weiß, wer denn überhaupt in größerem Stil Bahn-Anteile kaufen wird – ein Beispiel für die wenig differenzierte Vorstellung, die deutsche Politiker von der Börse haben. Die Anreize sind auch die neuen Preiserhöhungen, die dem Konzern seine Gewinne im Inland absichern. Alle jene Politiker, die jetzt aufschreien, haben keinerlei Interesse an einem verpatzten Börsenstart der Bahn. Auch Herr Kuhn nicht.

Von Dirk Benninghoff
KOMMENTARE (10 von 160)
 
Muschelschubser01 (20.08.2008, 11:36 Uhr)
Wer permanent erhöht, dem glaubt man nicht!
Jedes Unternehmen sei sein Gewinn gegönnt. Nur gibt es einige Unternehmen, die sozusagen zum Grundbedürfnis gehören, sei es Strom, Gas, Erdöl, sowie auch Transportmittel.
Allen stehen wir als ausgeliefert davor. Wir hören immer fadenscheinigere Begründungen. Eines Tages werden sie sich nicht mehr die Mühe geben uns etwas zu erklären und nur die Preise festsetzen´.
vegefranz (20.08.2008, 06:58 Uhr)
Hertha BSE-Sponsering
der Mann hat Recht: Unter keinem Gesichtspunkt ist die Bahn berechtigt hier Gelder in marode Vereine zu pumpen. Allerdings zeigt sich hier der Vorteil der Privatisierung. Ein Investor/Investoren könnten hier (theoretisch) einschreiten
Erstrecht (20.08.2008, 01:15 Uhr)
Nicht alles ist schlecht....
... am Kapitalismus. Allerdings mit Verlaub verarschen kann ich mich auch selbst. PPP ist das Ende und kostet den Steuerzahler und den Bürger viel Geld. Den der Steuerzahler hat alles woran sich die Berater und Experten sowie Investoren jetzt goldene Nasen verdienen schon einmal bezahlt. Und jetzt darf der der Bürger sich dafür über höhere Abgaben und Preise freuen? Damit Investoren das große Rad weiter drehen und eine Elite Kasse macht (Mananger, Vorstände) und die Verluste und zukünftiger Arbeitsplatzabbau darf wieder mal sozialisiert werden.
Das ist Scheißkapitalismus a la Friedman und das Zeitalter ist in der Ökonomie abgelaufen. Nur wir Deutschen hinken ja immer etwas nach.
Auch der Stern
cklasseking01 (20.08.2008, 00:52 Uhr)
Lese nicht alle Kommentare,
deshalb hoffe ich, daß meine Meinung noch nicht vertreten ist.
@Salzszeuer: Deine Meinung finde ich gut. Da es in einer Aktiengesellschaft nur um Gewinn geht, sollte man sich überlegen, ob die Bahn wirklich privatisiert werden muß! Ich wechsle eine Firma, sobald ich mitbekomme, daß sie eine AG wird. Das bringt nur Unglück für alle Mitarbeiter. Kapitalistisch mag es immer Sinn machen, aber warum sollen unbedingt alle Staatsunternehmen privatisiert werden? Derjenige, der Nachteile davon hat ist der Normalo, der sich nicht wehren kann. Dann doch lieber ein Staatsunternehmen, das keine Gewinne abwirft, aber für das Volk da ist. Und keine Privatisierung, die zuerst vom Volk finanziert wird, um möglichst hohe Gewinne in Zukunft einzubringen. Das geht nur, wenn alle Steuerzahlungen vom Volk gegengerechnet und durch private Bankiers wieder zurückgezahlt werden.
gmathol (20.08.2008, 00:42 Uhr)
Ja, Kapitalismus ist gut...
...auch wenn man immer weniger zum Leben hat! Ist doch gut wenn dann noch 0.9% der Bevoelkerung in Saus und Braus leben koennen.
Das Mittelalter und die Leibeigenschaft sind wieder modern.
Ja und das sind noch die Maerchen von Steuereinnahmen durch Firmen und Superreich.
kalaehne (20.08.2008, 00:27 Uhr)
Bahn : Erfolg mit Sicherheitsdefizit ?
Will die Deutsche Bahn den wirtschaftlichen Erfolg mit dürftiger Sicherheit des rollenden Materials ? Optimale Sicherheit sollte eigentlich bei der Deutschen Bahn Priorität haben. Nur, Sicherheit kostet Geld ! Auch wenn eben das Mehdorn und Co. nicht ins Konzept - sprich den Börsengang - paßt. Trotz des angestebten Börsenganges der Bahn sollte niemand, Vorstand, Beschäftigte oder Kunden, Sicherheitsrisiken eingehen. zudem .: Mindere Sicherheitsstandards könnten sich bitter rächen: Mögliche Investoren werden Risiken negativ bewerten. Damit gäbe es weniger Geld für der Verkäufer, die Bundesrepublik Deutschland. Anmerkung: Ich werde die "schnellen" ICE -3 - Züge der Deutschen Bahn bis zueiner wesentlichen Erhöhung der Sicherheitsstandards meiden. Ich möchte mehr Sicherheit, ich möchte länger leben. Eschede ist mir Mahnung, Warnung genug ... Diplomkaufmann Jürgen Kalähne
cologne237 (20.08.2008, 00:20 Uhr)
Sponsoring
Alleine die Tatsache, dass die DB Millionen in diesen scheiß Club ( Herta ) pumpt, ist ein Skandal.Wo ist denn der Werbewert wenn ich keine andere Wahl habe?
erik23_de (19.08.2008, 22:52 Uhr)
Unsinn
Wie haben also bloß den Kapitalismus nicht verstanden? Naja, mag schon sein, sonst hätten wir ihn vermutlich wohl auch längst abgeschafft.
Nur gibt's auch unter kapitalistischen Gesichtspunkten genug Grund zur Empörung: Die Bahn ist Monopolist.
Mit Rückendeckung aus dem Verkehrsministerium bläht Mehdorn die Bahn zum Weltkontzern auf, womit er die Heidelberger Druckmaschinenwerke fast in die Pleite trieb -- was ihn dann als Bahnchef ja außerordentlich qualifizierte: Denn mit der Bahn kann ihm das nicht passieren: Da werden einfach die Ticketpreise erhöht, und da man ja Monopolist ist, was soll schon schief gehen?
Der Kapitalismus kennt seit spätestens den dreißiger Jahren Antitrust-Gesetze, ein Umstand, der bei der Bahn nicht greift. Was dann vermutlich unserer neuen, legalen Korruption in Berlin geschuldet ist.
Das hätte unser Schreiberling schon als gut informierter Laie wissen können.
Das Erstaunliche am Kapitalismus mit seinem Wettbewwerb, bei dem doch der Beste gewinnen sollte, ist, daß man sowohl als Bahnchef als auch Stern-Kommentator auf Kompetenz völlig verzichten kann. So steht's aber nicht im Lehrbuch, und vielleicht kann er das beim nächsten mal erklären.
Schon sehr gespannt --
Salzsteuer (19.08.2008, 22:39 Uhr)
Markwirtschaft und Kapitalismus
in Ehren,
aber die Infrastruktur eines Landes sollte nicht zum Erzielen möglichst hoher Renditen mißbraucht werden.
Eisenbahn, Straßennetz, Wasserstraßen, Stromnetz, Post, Polizei und Militär gehören in staatliche Hände, dienen der Sicherheit und dem Wohl des Volkes.
Bislang ist die Bahn Eigentum des Volkes und so sollte es auch bleiben.
Wir sollten eine Volksabstimmung durchführen, oder ist in Deutschland die Demokratie schon abgeschafft zu Gunsten der Macht des Geldes.
Ernst_Derlage (19.08.2008, 21:49 Uhr)
@Mariosagte
warum nur meckern? Einfach tun! Nehmen Sie Ihr Sparbuch in die Hand, kaufen Sie Bahn-Aktien und stopfen sich dann selbst kapitalistisch die Taschen voll. Mit der ganzen Kohle wandern Sie dann in die Karibik aus, legen sich in die Hängematte, trinken Cuba libre und verschonen uns mit Ihren Kommentaren. Eine schöne Aussicht!
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