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20. August 2008, 14:14 Uhr

Wir zahlen für den Börsengang

Die Diskussion um Preiserhöhungen bei der Bahn erhitzt die Republik - auch die Redaktion von stern.de. Im Gegensatz zu seinem Kollegen Dirk Benninghoff ("Schluss mit dem Bahn-Bashing") hat Marcus Gatzke kein Verständnis für höhere Ticketpreise. Die Gründe seien nur vorgeschoben.

Bahn fahren wird von Dezember an deutlich teurer© Johannes Eisele/Reuters

Die Deutsche Bahn erhöht die Ticketpreise – wahrscheinlich um bis zu 3,2 Prozent. Unter normalen Umständen nichts, worüber man sich aufregen muss. Die Energiepreise steigen und damit die Kosten für die Bahn. Sie zu einem Teil an die Kunden weiterzugeben ist da doch nur logisch, oder? Schließlich soll sich die Bahn, ob wohl sie noch zu 100 Prozent dem Bund gehört, wie ein ganz normales Unternehmen verhalten.

Die jüngste Preiserhöhung ist aber viel mehr als nur eine betriebswirtschaftliche Maßnahme. Sie ist ein Signal und zeigt uns, den Bahn-Kunden, auf was wir uns einstellen müssen. Im Herbst wird der Konzern teilprivatisiert. Künftig muss sich das Management unter Führung von Hartmut Mehdorn nicht mehr allein gegenüber dem Bund verantworten, sondern auch dem Kapitalmarkt. Und der fordert Rendite, Dividende, Profit. Und diesen Anspruch will und muss die Bahn befriedigen. Notfalls auch mit höheren Ticketpreisen - trotz eines Rekordgewinns in den ersten sechs Monaten.

Man kann das als ganz normalen Kapitalismus bezeichnen. Man kann aber auch genauer hinschauen: Die Bahn hat einen Schuldenberg in zweistelliger Milliardenhöhe angehäuft, um auf der ganzen Welt Waren von A nach B zu transportieren. Die Bahn ist zu einem der weltweit größten Logistiker geworden. Man kann das begrüßen, oder kritisieren. Klar ist aber: In der Logistiksparte können die Preise nicht so einfach angehoben werden, der scharfe Wettbewerb lässt dies kaum zu. Stattdessen soll der Bahn-Kunde in Deutschland die Rechnung zahlen und die künftigen Investoren milde stimmen.

Und die Bahnfahrer haben kaum eine Alternative, als die Pille zu schlucken. Die hohen Benzinpreise haben die Bahn attraktiver im Vergleich zum eigenen PKW gemacht. Viele Pendler sind gezwungen, vom Auto auf den Zug umzusteigen. Auch nach der Preiserhöhung wird das so bleiben. Einen Kundeneinbruch durch die höheren Preise muss das Unternehmen deshalb nicht fürchten. Allenfalls die wenig Betuchten können es sich jetzt noch weniger leisten, mit der Bahn zu fahren.

Der Zeitpunkt der Preiserhöhung ist zudem ganz bewusst gewählt: Das Börsenumfeld ist derzeit alles andere als günstig. Die Finanzkrise und der abklingende Aufschwung in Deutschland haben die Börse massiv unter Druck gesetzt. Kurz vor dem Gang aufs Parkett glaubhaft steigende Profite für die Zukunft zu versprechen, ist für Mehdorn ganz einfach eine vertrauensbildende Maßnahme. Ausbaden müssen es die Kunden.

 
 
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