Ursprünglich sollten alle Interessenten für Opel ihr Konzept bis Mittwoch, 18 Uhr, vorgelegt haben. Doch kurz nach Ablauf der Frist wurde bekannt, dass die Regierung die Spielregeln gelockert hat. Das neue "Ultimatum" ist windelweich.

Opel-Interessenten können ihr Konzept "in der nächsten Zeit" abgeben© Johannes Eisele/Reuters
Unter enormem Verhandlungszeitdruck versucht die Bundesregierung den deutschen Autobauer Opel aus dem drohenden Insolvenzstrudel der US-Mutter General Motors (GM) herauszuhalten. Entscheidend dafür sind die Konzepte potenzieller Investoren, für die zunächst eine Abgabefrist bis Mittwochabend, 18 Uhr, gesetzt worden war. Diese Frist wurde jedoch kurz nach Ablauf des Ultimatums gelockert, wie die Deutsche Presse-Agentur dpa erfuhr. Die Konzepte sollen jetzt "in der nächsten Zeit eingehen".
Bislang wurde nur bekannt, dass der italienische Autokonzern Fiat ein Angebot abgegeben hat. Wie viele weitere mögliche Investoren ihre Konzepte bereits eingereicht haben, blieb bisher offen. Als aussichtsreichste Interessenten für ein Zusammengehen mit Opel gelten Fiat und der österreichisch-kanadische Zulieferer Magna. Ebenfalls ein Konzept abgeben wollte der amerikanische Finanzinvestor Ripplewood über seine europäische Tochter RHJ International.
Regierungssprecher Ulrich Wilhelm versicherte, die Bundesregierung werde sich umgehend an die Auswertung der Zukunftsmodelle für den deutschen Autobauer machen. Man stehe innerhalb der zuständigen Bundesministerien sowie mit den betroffenen Landesregierungen, aber auch mit GM, Opel und GM-Europe sowie mit der US-Regierung in ständigem Kontakt.
Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) kündigte nach einem Treffen der zuständigen Minister und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin an, dem Unternehmen solle möglichst noch vor Ende des Monats eine Perspektive geboten werden. Der amerikanische Opel-Mutterkonzern GM muss seinerseits bis zum 29. Mai der US-Regierung ein tragfähiges Zukunftskonzept vorlegen. Doch selbst die Konzernspitze räumt inzwischen ein, dass eine GM-Insolvenz kaum mehr zu verhindern sei. Dies hätte für die deutsche Tochter Opel gravierende Folgen.
GM-Europachef Carl-Peter Forster ging in der Fachzeitschrift "auto motor und sport" jedoch davon aus, dass Opel auch im Fall der Insolvenz von GM weiter arbeiten könne und Zugriff auf alle Technologien behalte. Opel beschäftigt in vier deutschen Werken rund 25.000 Menschen. Nach einem Bericht des Bonner "General-Anzeigers" sieht Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD) gute Chancen, alle vier Opel-Werke zu retten.
Grundsätzlich entscheiden der ums Überleben kämpfende GM-Konzern sowie die US-Regierung über einen Einstieg von Investoren. Weder von GM noch von der US-Regierung kamen bislang eindeutige Signale. Da der Bund aber Bürgschaften für die Finanzierung einer Beteiligung geben soll, werden die Konzepte auch in Berlin vorgelegt und geprüft.
Regierungssprecher Wilhelm sagte, die Runde der zuständigen Minister werde sich in dieser Woche erneut treffen, um die Konzepte zu erörtern. Eine Verhandlungsdelegation stehe weiterhin bereit, kurzfristig nach Washington zu reisen, um eine Herauslösung von Opel auszuloten. Der federführende Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) behalte sich vor, die Delegation zu begleiten.