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20. April 2007, 14:22 Uhr
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Der Kiez-Clan und die Kleinstadtbank

Seit 15 Jahren ermittelt die Hamburger Polizei gegen Mitglieder der Familie Osmani. Doch der Verdacht, der Clan bilde den Kopf der organisierten Kriminalität in der Hansestadt, konnte nie bestätigt werden. Ein erstes Gerichtsverfahren bringt nun Bewegung in den Fall. Von Kerstin Schneider

"Geile Meile": Zum Immobilienbesitz der Familie Osmani gehören auch mehrere Häuser auf der Hamburger Reeperbahn. Burim Osmani gilt auf dem Kiez als "heimlicher König"© Marcus Vogel

Sie passten ihn nachmittags ab, vor seinem gelben Backstein-Bungalow in Lauenburg. In einer Siedlung mit Einfamilienhäusern, wo hinter den Jägerzäunen Stiefmütterchen blühen und die Nachbarn gern hinter den Gardinen stehen. Carsten Heitmann, ein hochgewachsener Mann mit Brille, ergrautem Blondschopf und auffallend buschigen Augenbrauen, kam gerade vom Einkauf zurück, als ihn die Polizisten ansprachen. "Sie sollten mal lieber die richtigen Leute festnehmen", gab er zurück. Ungerührt führten sie den 64-Jährigen, der jahrzehntelang Direktor der örtlichen Volksbank gewesen war, ab. Und schafften ihn von Lauenburg nach Lübeck, wo er die Nacht in einer Zelle verbrachte. Am nächsten Morgen ordnete ein Haftrichter Untersuchungshaft an - wegen Fluchtgefahr und Verdachts der Untreue in besonders schwerem Fall. Sollten sich die Vorwürfe, die die Staatsanwaltschaft Lübeck jetzt in einer fast 50-seitigen Anklageschrift gegen ihn und seine mutmaßlichen Komplizen zusammengetragen hat, vor Gericht beweisen lassen, drohen dem Banker bis zu zehn Jahre Haft. Carsten Heitmann soll, gemeinsam mit seinem Stellvertreter Jens-Dietrich Sch., dem früheren Anwalt und SPD-Kommunalpolitiker Hauke Hillmer sowie einem weiteren Mitglied des Aufsichtsrates, die Volksbank Lauenburg regelrecht ausgeplündert haben. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft brachte er das genossenschaftliche Geldinstitut mit faulen Millionenkrediten an den Rand des Ruins. Und schusterte sich laut Staatsanwaltschaft auch noch selbst etwa 700.000 Euro zu. Am Ende musste der sogenannte Feuerwehrfonds, die Sicherungseinrichtung des Bundesverbandes der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken, fast 60 Millionen Euro in die Volksbank Lauenburg pumpen, um sie vor der Pleite zu retten.

Zwischen Rotlichtmilieu und Balkan

Doch die Anklage erzählt mehr als nur die Geschichte eines Mannes, der seine Bank offenbar zum Selbstbedienungsladen umfunktionierte. Es geht darin auch um das Hamburger Rotlichtmilieu, um dubiose Bauprojekte auf dem Balkan - und vor allem um zwei Brüder, die nach den Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft von dem sagenhaften Geldregen aus Lauenburg profitiert haben sollen: Bashkim und Burim Osmani, zwei gebürtige Albaner, die in Hamburg wohnen - und die schon seit Jahren im Visier der Polizei stehen. Burim Osmani, 43, der zurzeit in anderer Sache wegen des Verdachts der Beihilfe zum Betrug in U-Haft sitzt und wegen Steuerhinterziehung vorbestraft ist, gilt in der Hansestadt als heimlicher König der Reeperbahn. Nur Kiez-Legende Willi Bartels soll mehr Grundstücke auf der "geilen Meile" besitzen. Bruder Bashkim, 40, betreibt eine Disco und ein Restaurant an den Landungsbrücken im Hamburger Hafen sowie eine Vielzahl anderer Firmen.

Auch die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt wegen der verschwundenen Millionen aus Lauenburg - gegen Bashkim und Burim Osmani sowie den Ex-Anwalt Hauke Hillmer, der inzwischen, wie Ex-Bankdirektor Heitmann, in Haft sitzt. Der Verdacht der Hamburger Beamten: Die Brüder sollen mit Hillmer eine kriminelle Vereinigung gebildet haben, um an die Millionen aus der Volksbank in der holsteinischen Provinz zu kommen.

BND-Bericht "erwiesenermaßen falsch"

Schon seit Jahren sorgt die Familie Osmani in Hamburg immer wieder für Schlagzeilen. Zuletzt im Sommer 2006: Ein interner Lagebericht des Bundesnachrichtendienstes (BND) rückte die Osmani-Brüder in die Nähe der organisierten Kriminalität. Gerhard Strate, der prominente Anwalt der Familie, wiederholte vor der Presse daraufhin immer wieder, dass der BND-Bericht "erwiesenermaßen falsch" sei. Da würden, so Strate, seine Mandanten mit Delikten wie Schutzgelderpressung, Rauschgifthandel und Prostitution in Verbindung gebracht: "Davon stimmt nichts." Das BND-Papier habe für ihn die Qualität einer "stillen Post beim Kindergeburtstag". Vier Osmani-Brüder waren Ende der 70er Jahre aus Djakovica im Kosovo nach Hamburg gekommen. Bashkim Osmani sagt: "Wir stammen aus einer wohlhabenden Familie und waren schon in der Heimat unternehmerisch tätig." Allein das Immobilienvermögen der Geschwister taxiert der BND auf 250 Millionen Euro. Seit mehr als 15 Jahren ermittelt die Dienststelle für organisierte Kriminalität der Hamburger Polizei immer wieder gegen den Clan. Bislang ohne nennenswerten Erfolg. Es gibt Hunderte von Aktenseiten, aber kaum Urteile. 1999 wurde Bashkim Osmani wegen gefährlicher Körperverletzung und versuchter Nötigung zu 15 Monaten auf Bewährung verurteilt. Damals ging es darum, wie er seine Schulden einzutreiben pflegte. "Die Familie hat ein Gewaltmonopol errichtet, das jeder zu spüren bekommt, der sich nicht danach richtet", hatte ein Oberstaatsanwalt in der öffentlichen Hauptverhandlung gesagt. Dennoch ließ Osmani einer Zeitung verbieten, diese Äußerung zu wiederholen.

Jeder, der es wagt, negativ über die Familie zu berichten, bekommt es mit ihren Anwälten zu tun. Das sind meist die besten und teuersten. "Unsere Familie wird zu Unrecht verfolgt und verunglimpft", sagt Bashkim Osmani, "und dagegen wehren wir uns." Anwalt Gerhard Strate stellt fest: "Wer 15 Jahre lang im Zusammenhang mit der Familie von organisierter Kriminalität redet, aber keine Ermittlungserfolge nachweisen kann, muss sich fragen, ob er eine kriminalistische Fährte verfolgt oder ob eher im Kaffeesatz gelesen wird." "Es gab immer viele Indizien, aber nie Beweise", klagt ein ehemaliger Hamburger Ermittler, "wir wurden immer schnell zurückgepfiffen - es war, als ob über diesen Leuten eine schützende Hand lag." Michael Neumann, Fraktionschef der Hamburger SPD, wird da deutlicher: "Der Clan ist eine Krake, deren Tentakel nicht vor Parteigrenzen haltmachen."

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Ausgabe 16/2007

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