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26. März 2008, 18:54 Uhr
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Lidl entschuldigt sich

Lidl zieht die Konsequenzen aus dem Überwachungs-Skandal. Künftig sollen keine Detektive mehr zur Bespitzelung der eigenen Mitarbeiter eingesetzt werden. Zuvor hatten stern und stern.de aufgedeckt, dass das Unternehmen über Jahre die Beschäftigten akribisch überwacht hat.

Eine Lidl-Mitarbeiterin fuellt Regale auf - in vielen Regionen wurden die Mitarbeiter vom Unternehmen überwacht© Thomas Lohnes/DDP

Als Konsequenz aus den Bespitzelungsvorwürfen hat der Lebensmitteldiscounter Lidl die Zusammenarbeit mit Detekteien zur Überwachung von Beschäftigten mit sofortiger Wirkung beendet. Es würden keine Detektive mehr eingesetzt, sagte das Mitglied der Lidl-Geschäftsführung, Jürgen Kisseberth. Komme es künftig zu Diebstählen, werde gemeinsamen mit den Mitarbeiter über Gegenmaßnahmen entschieden.

Wie der stern und stern.de aufdeckten, ließ der Lebensmitteldiscounter Lidl über Monate systematisch die Beschäftigten in zahlreichen Filialen überwachen. Der Redaktion liegen mehrere Hundert Seiten interner Lidl-Protokolle vor, in denen jeweils mit Tag und Uhrzeit notiert, wann und wie häufig Mitarbeiter auf die Toilette gehen, wer mit wem möglicherweise ein Liebesverhältnis hat, wer nach Ansicht der Überwacher unfähig ist oder einfach nur "introvertiert und naiv wirkt." Die meisten dieser Einsatzberichte stammen aus Filialen in Niedersachsen, dazu kommen einzelne Abhörberichte aus Rheinland-Pfalz, Berlin und Schleswig-Holstein.

Lidl gibt Überwachungzu

Kisseberth sagte dazu, er könne nicht ausschließen, dass es tatsächlich stellenweise eine solche Überwachung von Mitarbeitern gegeben habe. Eigentlich sei es darum gegangen, vermehrt aufgetretene Diebstähle aufzuklären. Der Einsatz von Kameras sei dabei branchenüblich. In besonders betroffenen Filialen seien zudem Detekteien zur Aufklärung eingesetzt worden. Bereits vor längerem sei die Zusammenarbeit mit einer Detektei aufgekündigt worden. Kisseberth sagte, er sei bestürzt über die Berichte: "Es tut uns Leid. Wir können uns bei den betroffenen Mitarbeitern nur entschuldigen." Überwachungsmaßnahmen entsprächen nicht dem Stil des Unternehmens.

Kisseberth zufolge schaltete Lidl zwei Detekteien ein, um durch Diebstahl verursachte "Inventurverluste" zu vermeiden. Dies sei eine "handelsübliche Maßnahme". Die beiden Detekteien hätten aber nicht den Auftrag gehabt, Mitarbeiter auszuspähen. Lidl werde nun generell nicht mehr mit Detekteien zusammenarbeiten, kündigte er an. Etwaige Daten, die von Detektiven über Mitarbeiter gesammelt worden seien, würden nicht verwendet. Ein Bespitzeln von Mitarbeitern sei "nicht gewollt".

Entsetzen in der Politik

Der Verdi-Handelsexperte Achim Neumann sagte dem MDR, was Lidl gemacht habe, dürfe man nicht hinnehmen. "Wenn Unternehmen den Rechtsstaat mit Füßen treten, dann müssen sie weg." Er bekräftigte das Ziel, bei Verdi Betriebsräte durchzusetzen. Dann würden "solche Schweinereien" nicht mehr passieren.

Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Peter Schaar, sagte dem stern, dass das Protokollieren eines Toilettenbesuchs und ähnliches einen schweren Verstoß gegen das Bundesdatenschutzgesetz darstelle: "Ich gehe davon aus, dass, wenn solche Vorgänge bekannt werden, die zuständige Datenschutzbehörde tätig wird und Ermittlungen einleitet."

Auch aus der Politik kam massive Kritik: Der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Bundestag, Rainer Wend, zeigt sich entsetzt über die Geschehnisse bei dem Discount-Riesen. Er erfuhr am Telefon davon. "Das ist ja schon krank", sagte er stern.de. "Das ist eine menschenverachtende Anmaßung, was dort stattfindet."

Für ihn komme dieser Fall jedoch nicht überraschend, dies sei in der Discount-Branche absehbar gewesen. "Man kann der Belegschaft jetzt nur raten, in Gewerkschaften einzutreten und Betriebsräte zu gründen. Irgendwann ist trotz allen Drucks Zivilcourage gefragt." Wend forderte die zuständigen Staatsanwaltschaften auf, die strafrechtliche Relevanz der Fälle zu prüfen.

Mehr zum Lidl-Skandal...

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msg/AP/DPA
KOMMENTARE (10 von 64)
 
greenkrust (27.03.2008, 20:10 Uhr)
@ Stern
nicht wo ist das Problem, sondern wo ist mein Komentar? werden denn hier nur den Komentare abgebildet, die den Herren vom Stern in den Kram passen? Mich wundert die recht große klaffende Lücke im Thread zum Artikel "Lidl gibt Bespitzleung zu" vom heutigen Tag (27.03 zwischen 10:33 und 18:42). Hat denn da etwar keiner diesen Artikel Komentiert???
Ich schon, aber zu sehen ist nichts.
Sie regen sich über Bespitzelungen auf, treten aber die Meinungsfreiheit mit Füßen.
Soll man Sie ernst nehmen, oder sind Sie nicht besser als Lidl, Hauptsache die Auflage stimmt.
Danke schön, dass kann man sich sparen...
Reality (27.03.2008, 20:04 Uhr)
Pin - Nummer...
Wenn man sich mal überlegt, daß wenn man dort bei Lidl eingekauft hat und mit Kreditkarte zahlte, praktisch jeder nun mitverfolgen konnte, was man für eine Pin - Nummer eingegeben hat.
Da muß ich jetzt aber genau drauf achten wenn ich in einem Supermarkt einkaufe ob der Video überwacht ist an der Kasse.
Müßte doch irgendwo angeschrieben sein oder darauf hingewiesen werden, ansonsten ein klarer Rechtbruch der auf jedenfall rechtlich von der Staatsanwaltschaft verfolgt werden sollte.
Offensichtlich können sich große Firmen alles erlauben.
Wird hier eigentlich Schmiergeld gezahlt ?
Und wieviel ist das so auf den einzelnen Markt bezogen ?
Magnolie (27.03.2008, 19:38 Uhr)
Schnullibu
Immer schön drauf ist der richtige ausdruck dafür was lidl macht. Ich bin bei Aldi beschäftigt und wir werden wie Menschen behandelt die noch was wert sind. Auch wir bekommen Urlaubs-Weihnachtsgeld , Überstunden, spätzuschlag und Umsatzprämie, aber wir haben Betriebsräte die solche machenschaften unterbinden würden, während lidl erst gar keine oder wenige Betriebsräte zulassen ! Verbrecherverein lidl, mehr fällt mir dazu nicht mehr ein, als ich den Bericht heute im Stern gelesen habe.
Schnullibu (27.03.2008, 18:35 Uhr)
@ Maschera und jovel
Ich habe kein verständniss dafür was unsere Chefetage sich dabei gedacht hat und verurteile diese Machenschaften. Vielleicht ist es Glück das es mich und meine Kollegen nicht getroffen hat. Ich kann nur von der Filiale ausgehen in der ich arbeite und wir habe ein sehr gutes Arbeitsklima.Und zur Videoüberwachung der Kunden kann ich sagen das bei uns am Eingang darauf hingewiesen wird das wir eine Überwachungsanlage habe. und Videoüberwachungen gibt es nicht nur bei LIDL jedes größere Kaufhaus ist bestens mit Kameras ausgestattet
Peetz (27.03.2008, 17:53 Uhr)
TV-Bericht
Wir suchen betroffene Arbeitnehmer, die an ihrem Arbeitsplatz bespitzelt wurden und darüber im Rahmen einer TV-Reportage berichten möchten. Kontakt: schreib_mir@t-online.de
jovel (27.03.2008, 17:44 Uhr)
Was ist mit den Kunden???
Jeder schreibt hier über die Mitarbeiter aber was ist mit den Kunden, die ohne Vorwarnung aufgezeichnet werden?
Ich weiß definitiv, dass in dem alten Lidl Markt in Velen eine Videoüberwachung der Kassen stattgefunden hat, dabei lässt es sich wohl nicht vermeiden, dass Kunden und deren Kaufverhalten mitaufgenommen werden. Eine Auswertung solcher Daten ist in einem kleinen Ort wie Velen wohl kein Problem. Kein Kunde wurde vor betreten der Filiale darauf aufmerksam gemacht, dass er aufgezeichnet wird.
Hat mal jemand hinterfragt was mit den Aufzeichnungen weiterhin passiert???
Maschera (27.03.2008, 17:37 Uhr)
@Schnullibu!
"WEs Brot ich ess, des Lied ich sing!" Nicht wahr, dass entspricht wohl Ihrer Einstellung! FAlls Sie in einer LIDL-Filiale arbeiten, wo solche Methoden ein Fremdwort sind, dann sein Sie froh und danken Gott! Wenn nicht, dann gehören Sie doch nicht etwa zu solchen Mitarbeitern, die sich in einer perfiden Art und Weise der Obrigkeit anbiedern! Das wäre ja nichts Neues! Wenn ich mir so manch andere Kommentare durchlese, so scheinen manche noch in den puritanischen 50er Jahren des vergangenen Jahrhundertes zu leben! Nun leben wir aber in der Zwischenzeit im 21. Jahrhundert! Begreift das überhaupt jemand?
Schnullibu (27.03.2008, 16:23 Uhr)
immer schön drauf hauen
Ich bin seit 5 Jahren bei LIDL beschäftigt und kenne keinen Fall von ungebührlichen Verhalten gegen einen Kollegen. klar ist es nicht in Ordnung was da gelaufen ist aber es ist nicht nur ein LIDL Problem. Es ist in der Wirtschaft gang und gebe das Personal zu überwachen. Aber Stern hat sich nun mal LIDL ausgesucht um mal wieder Schlagzeilen zu machen. Aber was ist wenn alle TV- Zuschauer oder Stern- Leser jetzt nen Bogen um LIDL machen ?!? Hat schon mal jemand daran gedacht was da die Konsequenz wäre. Aber das LIDL auch gute Seiten hat wird nie berichtet wie zum Beispiel Übertariflicher Lohn Urlaubs und Weihnachtsgeld Spätzuschläge und bezahlte Überstunden. Das darauf geachtet wird das Ruhezeiten eingehalten werden. Na das hört sich doch schon garnich so BÖSE an wo bekommt man denn solche Konditionen heut noch in der Freien Marktwirtschaft. Aber das ist ja keine Schlagzeile
Administrator (27.03.2008, 15:36 Uhr)
@koeterchen
Liebe/r koeterchen,
vielen Dank für Ihre Beiträge. Zunächst einmal haben wir an dieser Stelle keinen Ihrer Kommentare gelöscht. Grundsätzlich sollte Ihr Kommentar nach dem Absenden immer erscheinen. Tut er dies nicht, so liegt dies ggf. an den Einstellungen Ihres Browsers.
Gelöscht wird immer erst nach Erscheinen eines Beitrags. Und dies auch nur, wenn der Inhalt oder der Ton gegen unsere Regeln verstoßen.
Zum anderen bitten wir Sie um einen sachlichen Ton. Gern stellen wir uns der Kritik unserer User, korrigieren Fehler, erklären Gründe für Löschungen etc. Aber auf einem sachlichen Niveau und ohne Unterstellungen und Verleumdungen.
Mit freundlichen Grüßen,
Ihre stern.de-Admins
koeterchen (27.03.2008, 15:27 Uhr)
an STERN
Entweder Sie zeigen meine geschrieben Kommentare,
- es ist nicht der erste, der nicht für die Allgemeinheit zu lesen war- oder das Forum von STERN ist genauso verlogen - indem nur die Kommentare gezeigt werden - die im Interesse von STERN liegen.
Ansonsten war dies mein letzter Kommentar und diese Seite können Sie sich auch bald schenken.
Denn es gibt sehr viele - die ebenso angeschmiert wurden !!!
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