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5. November 2009, 22:46 Uhr
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"Wir sind Opel und geben uns nicht geschlagen"

Mit massiven Warnstreiks haben Zehntausende Opelaner in Deutschland ihre Wut über General Motors auf die Straße getragen. Betriebsratschef Klaus Franz gab sich kämpferisch und stellte harte Bedingungen für einen neuen Sanierungsplan unter dem GM-Dach.

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Allein an der Auftakt-Kundgebung am Stammwerk in Rüsselsheim haben 10.000 Opelaner teilgenommen© Uwe Anspach/DPA

Mit Massenprotesten haben die 25.000 deutschen Opel-Beschäftigten am Donnerstag ihrer Wut auf den US-Mutterkonzern General Motors (GM) Luft gemacht. Allein zu der Auftakt-Kundgebung am Stammwerk in Rüsselsheim kamen 10.000 Opelaner. Protestveranstaltungen gab es auch in den anderen drei Standorten Eisenach, Bochum und Kaiserslautern. Betriebsratschef Klaus Franz rief die Beschäftigten in Rüsselsheim zum gemeinsamen Widerstand gegen Stellenabbau und Werksschließungen auf: "Wir werden gemeinsam für unsere Zukunft streiten. Wir geben uns nicht geschlagen, wir sind selbstbewusst, denn wir sind Opel!"

Zugleich nannte Franz Bedingungen für die weiteren Gespräche mit der GM-Führung. Opel müsse in eine deutsche AG umgewandelt werden. Das Unternehmen dürfe künftig "kein Anhängsel von GM mehr sein". Zudem müsse es einen eigenen Tarifvertrag zur Absicherung des internationalen Entwicklungszentrums in Rüsselsheim geben. Als dritte Bedingung will Franz "neue Formen der materiellen Absicherung" für die Beschäftigten durchsetzen.

"Hört auf mit dem Geschwätz von der Insolvenz"

Franz bezeichnete die Drohung von GM, Opel in die Insolvenz zu schicken, als versuchte Erpressung und Einschüchterung. "Hört auf mit dem Geschwätz von der Insolvenz, das ist geschäftsschädigend", rief der Betriebsratschef unter dem Beifall der Opel-Beschäftigten. Zugleich kündigte Franz an, der Opel-Betriebsrat wolle sich noch heute an die EU-Kommission wenden. Mit dem Sanierungsplan, den GM in diesem Jahr vorgelegt habe, drohe Opel zulasten der Standorte in Belgien und Deutschland restrukturiert zu werden. Sollte GM diesen Plan mit Hilfe von Staatsgeld aus Großbritannien und Spanien umsetzen, sei dies ein Fall von Wettbewerbsverzerrung, den der Opel-Betriebsrat auf den Tisch von EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes bringen werde.

Die Beschäftigten haben Angst vor harten Einschnitten, nachdem GM am Dienstag nach monatelangem Poker den Verkauf von Opel an den Autozulieferer Magna und russische Investoren abgeblasen hat. Aus Protest zog die IG Metall ihre Zugeständnisse im Wert von 265 Millionen Euro zurück, die die Arbeitnehmer Magna gemacht hatten. Außerdem verlangt der Betriebsrat die sofortige Auszahlung von gestundeten Tariferhöhungen. General Motors drohte am Mittwoch offen mit einer Insolvenz der europäischen Tochter, falls keine Einigung über die Sparmaßnahmen erreicht werde.

Beck nennt Bedingungen für Staatshilfen

"Wir wollen, dass Opel weiter existiert", sagte auch Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) auf der Kundgebung in Rüsselsheim. Rüsselsheim sei das Herzstück von Opel. Koch sagte schwierige Wochen mit intensiven Verhandlungen voraus. Man werde sich aber nicht spalten lassen. "Opel ist gut und Opel muss bleiben."

In Kaiserslautern versammelten sich mehrere tausend Opelaner und Mitarbeiter anderer Betriebe. Zu der Kundgebung vor dem Werkstor kam auch der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD). Er hält Staatshilfen Opel nach wie vor für möglich. Voraussetzung sei, dass General Motors auf Werkschließungen und betriebsbedingte Kündigungen verzichte. "Wir brauchen ein Gesamtkonzept für Opel Europa", forderte Beck.

Magna Konzept als Blaupause?

Über die Pläne des Mutterkonzerns ist bisher noch wenig bekannt. GM wolle rund 10.000 der insgesamt gut 50.000 Arbeitsplätze bei Opel in Europa streichen, sagte Vize-Präsident John Smith am Mittwochabend. Das wären in etwa genauso viele wie Magna abbauen wollte. In Deutschland sollten nach Plänen des österreichisch-kanadischen Autozulieferers dabei mehr als 4000 Jobs wegfallen.

Entgegen der früheren GM-Planung, das Werk in Bochum zu schließen, könne es möglicherweise eine attraktive Lösung geben, sagte Smith weiter. Das sei aber noch nicht entschieden. GM will den Restrukturierungsplan, der auf einem früheren Konzept basiert, möglichst bald ausarbeiten und dann den europäischen Regierungen vorlegen.

GM-Europachef Carl-Peter Forster will das Konzept von Magna, für das die Bundesregierung 4,5 Milliarden Euro an Staatshilfen zugesagt hatte, als Blaupause für die Sanierung nehmen. "Es gibt einen Restrukturierungsplan, er ist mit Magna ausgearbeitet worden. Das wäre ein Startpunkt", sagte Forster. Gleichwohl erwartet er bei der Sanierung massive Einschnitte. "Jetzt besteht die Gefahr, dass die vernünftige Verteilung der Lasten wieder aufgeschnürt wird und alles von vorne beginnt. Sicher ist: Es wird auch bei dieser Lösung massive Einschnitte geben."

AP/DPA/AFP
KOMMENTARE (10 von 48)
 
ganzbaf (05.11.2009, 19:39 Uhr)
GM zahlt seit 10 Jahren keinen Pfennig Steuern...

und Banken/Banker sind skrupellose Selbstbereicherer und Glücksspieler ohne jede Moral und Produktivität.
Keiner von denen hat die Milliarden verdient, die sie von der Regierung in ihren räudigen Hintern geblasen bekommen... ;-D
raptor-xl (05.11.2009, 18:36 Uhr)
@Robbespierre
und wer garantiert die betriebsrenten bei einer insolvenz? sind ja nur 4,5 milliarden, die dann den arbeitern verloren gehen. und fürn appel und ein ei? sie haben scheinbar vom insolvenzrecht keinen schimmer... das bleibt dann eh bei gm. wer nimmt den den schrotthaufen? eisenach ist das modernste werk von opel. 670 millionen miese allein letztes jahr erwirtschaftet!!! und politiker machen daraus dann ne goldgrube??? lächerlich...

und in frankreich gehts besser? da wurde allein in der krise schon bei citroen/peugeot und renault zweimal 3 milliarden reingeschossen, weil die unrentabel arbeiten.
meine güte, was erzählen sie denn da...
Administrator (05.11.2009, 17:13 Uhr)
@ gersta
Ihr Kommentar wurde gelöscht, bitte argumentieren sie sachlich!


Herzliche Grüße,

Ihre stern.de-Admins
Robbespierre (05.11.2009, 17:02 Uhr)
Es gäbe auch eine friedliche Lösung
Wenn Merkel GM den Rettungskredit verwehrt und GM daraufhin in die Insolvenz geht, könnte der Staat das Unternehmen für einen Apfel und ein Ei erwerben. Mit Staatsbetrieben fährt man auf lange Sicht sowieso besser, siehe Renault .
felice4711 (05.11.2009, 16:25 Uhr)
Wieso sagt der Franz eigentlich,
"den Weg zurück zu GM [...]", sie waren doch noch gar nicht fort. Na, ich weiß ja nicht, wenn diese Aktion zu Lasten der Opelaner ins Auge geht, wissen die hoffenltich, dass sie dieses Mal nicht den Politikern an den Kragen gehen brauchen (obwohl die das stündlich neu verdienen). Dieses mal dürfte dann der Franz dran sein. Jaja, der Franz, der kann's.
felice4711 (05.11.2009, 16:22 Uhr)
@chatahootchee
Genau so schaut's aus! Ja, das ist die Antwort.
Serst (05.11.2009, 15:43 Uhr)
Na mal,
wieder Praktikanten am Werk.
Es heißt Kaiserslautern und Kurt Beck ist nicht Mitglied der CDU.
Sternchen2020 (05.11.2009, 15:38 Uhr)
Unverständlich
Etwas unverständlich, warum die Opelaner nun gegen sich selbst demonstrieren. Denn ob unter Magna oder GM - die Konsequenzen mit etwa 10.000 Entlassungen bleiben gleich.

Viel interessanter wäre es doch, die Frage zu klären, was da hinter den Kulissen abgelaufen ist.

Dass Obama vorgestern nichts wusste, als er Merkel Honig um en Mund schmierte, ist höchst unwahrscheinlich. Dass der Termin der Verkündung genau auf den Tag der Kanzlerinnen-Lobhudelei in Washington fiel - das ist zumindest grenzwertig und kein Zufall.

Dass Merkel die Schuld in den USA sucht, obwohl sie es ist, die Wahlversprechen gab und nun -erst wenige Wochen nach der Wahl - das Versprechen gebrochen hat - es ist typisch Kanzlerin. Nur keine Eingeständnisse des Versagens, schon gar nicht den standing ovations in Washington. .

Merkel sagte kurz vor der Wahl, dass der Magna-DealAbschluss insbesonere aufgrund ihres persönlichen Einsatzes zustande kam . Und nun sieht sie nicht einmal die eigenen Fehler und Defizite? Sie nutzt die Wut der Opelaner, um von den eigenen Defiziten abzulenken. Das ist mehr als traurige Tatsache.

Obwohl sich GM wirklich nicht gerade lloyal verhalten hat, ist der Konzern im Recht. Ihm gehört Opel, er bestimmt, nicht Merkel und andere in der Regierung.

Im Grunde ging es um einen extremen Affront gegen die Kanzlerin, eine unglaubliche Bloßstellung und Blamage. Warum - das wäre nun zu klären.
janus55 (05.11.2009, 15:29 Uhr)
Schlimm wird es immer, wenn sich
Phrasendrescher wie dieser Herr Franz und der gescheiterte SPD-Vorsitzende Beck zu Wort melden. Beiden würde ich nicht mal zutrauen, erfolgreich einen Imbißstand zu betreiben. Der eine geifert, weil er sich um einen Aufsichtsratsposten "betrogen" fühlt. Der andere, Herr Beck, wäre gut beraten nach dem Nürburgringdesaster seinen Hut zu nehmen. Statt die Klappe zu halten, stellen diese Berufsschwätzer Forderungen - wohlwissend - daß die Entscheider in den USA beide nicht mal als Statisten zur Kenntnis nehmen. Und die OPELANER glauben ihnen und klatschen. Dann steigen die meisten von ihnen in ihr japanisches Auto, um dem Rest der Welt stolz zu berichten, wie sie es denen da Oben wieder mal gezeigt haben.
chatahootchee (05.11.2009, 15:24 Uhr)
BETRIEBSRAETE
sind auch nur Politiker. Ist das die Antwort, @felice4711?
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