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4. September 2007, 15:59 Uhr

Der Kofferkönig ist tot

Michael Cromer, Gründer des Modekonzerns MCM, ist tot. Der Kofferkönig, wie er in der Münchener Schickeria genannt wurde, starb am Vormittag im Alter von 68 Jahren im Universitätsklinkum München an "komplettem Organversagen". Von Gerd Elendt

Michael Cromer ist im Alter von 68 Jahren gestorben© Martin Hangen

Cromer hatte sich im Februar diesen Jahres einer schweren Aorta-Operation unterziehen müssen. Seither hat der Intensivstation kaum verlassen. Im April mussten ihn die Ärzte bereits tagelang in ein künstliches Koma versetzten, weil eine lebensbedrohliche Sepsis in der Bauchhöhle eingetreten war. Es folgte ein monatelanges gesundheitliches Auf und Ab. Noch im vergangenen Monat hatten Cromer und seine Ärzte Hoffnung, dass er bis Oktober die Klinik verlassen könne.

Michael Cromer schaffte es alleine vom kleinen Designer zum Besitzer eines weltweiten Modeimperiums aufzusteigen. Seine MCM Taschen trug in den 80er Jahren der internationale Jet Set. Cindy Crawford gehört zu seinen besten Freundinnen und Repräsentantinnen der Marke.

Flucht in die Schweiz

Doch der Erfolg hatte auch Neider auf den Plan gebracht. 1996 kam für Cromer der plötzliche Absturz. Eine anonyme Anzeige beim Finanzamt München brachte den mehrfachen Millionär zu Fall. Er flüchtete vorübergehend in die Schweiz. Doch seine Firma, sein Lebenswerk und sein guter Namen waren unwiederbringlich verloren. Zuletzt lebten Cromer und seine Frau Mara in einem kleinen Reihenhaus in Sauerlach, südlich von München. Etwa 600 Euro im Monat blieben ihnen zum Leben.

Vor zehn Jahren begann Cromer wieder um sein Recht zu kämpfen, um seinen Namen wieder reinzuwaschen. Neue Anhaltspunkte waren aufgetaucht, wie gerissene Firmensanierer ihn in den Ruin getrieben haben sollten.

Im Krankenbett packte ihn der Ehrgeiz

Er begann Akten zu wälzen und gemeinsam mit der Autorin Gerda Melchior und dem Düsseldorfer Anwalt Volker Schütz zu recherchieren und neue Fakten zusammenzutragen. Cromer hatte noch im Krankenbett der Ehrgeiz gepackt, der Nachwelt zu beweisen, mit welchen schmutzigen Tricks er hereingelegt und ausgeplündert wurde. Im Gespräch mit dem stern sagte er vor seiner Operation: "Ich hätte nie geglaubt, wie einfach es in Deutschland sein kann, ein solides Unternehmen binnen Kürze in den Ruin zu treiben."

Das Buch über seine Lebens- und Leidensgeschichte hat er tatsächlich noch zu Wege gebracht. Seine "Michael Cromer München Story" hielt er vor sechs Wochen im Krankenhaus stolz in den Händen. Im Herbst wollte er mit seinen Anwälten einen langen juristischen Kampf um Schadensersatz beginnen.

Von Gerd Elendt
 
 
KOMMENTARE (1 von 1)
 
traldors (05.09.2007, 08:16 Uhr)
So kann's kommen (...)
wenn die "Bösen" immer die Mafia und Konsorten sind. Das es eine ganze Reihe von schwerkriminellen Finanzdienstleistern gibt, die in mafiöser Manier mit den Banken zusammenarbeiten ist weniger bekannt. Skandale in den Immobilienbeteiligungsgesellschaften wo viele hundert Familien mit aktiver Beteiligung von Banken ruiniert wurden, lassen erahnen was MCM seinerzeit passiert sein kann. Ich werde mir das Buch ganz sicher kaufen!
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