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26. November 2008, 17:55 Uhr

Lycos Europe ist am Ende

Der Labrador hat ausgebellt. Mit Lycos Europe verschwindet ein einst großer Name der Netz-Wirtschaft aus dem Internet. Die Marke mit dem Hund war vom Medienkonzern Bertelsmann ins Leben gerufen worden, konnte sich gegen namhafte Konkurrenz aber nie durchsetzen. Nun ließ sich nicht einmal mehr ein Käufer finden.

Dieser Treffpunkt schließt: Lycos ist bald keine Adresse mehr im Web© Peter Tschauner/DPA

Die Internetfirma Lycos Europe steht nach langem Siechtum vor dem Aus. Das vom Medienkonzern Bertelsmann mit großen Ambitionen ins Leben gerufene Unternehmen kündigte am Mittwoch an, einen Teil der Geschäfte zu schließen und den anderen zu verkaufen. Das gleichnamige Internetportal wird es damit nicht mehr geben. 500 der knapp 700 Mitarbeiter verlieren ihren Job.

Keine Chance gegen Google oder Yahoo

Lycos Europe konnte sich letztlich nicht gegen Konkurrenz durch Suchmaschinenbetreiber wie Google und Yahoo, Internetanbieter wie United Internet oder Netzwerkseiten wie Facebook durchsetzen. Zudem kämpfte das von Christoph Mohn, Sohn des Bertelsmann-Firmenpatriarchen Reinhard Mohn, geleitete Unternehmen mit sinkenden Werbeerlösen und hohen Kosten. All' die Jahre schaffte es Lycos Europe nicht, genügend Geld zu verdienen. In den ersten neun Monaten dieses Jahres hat sich ein Verlust von 17,1 Millionen Euro angehäuft.

Mit dem Aus von Lycos Europe geht ein kostspieliges Kapitel der Internet-Aktivitäten von Bertelsmann zu Ende, die vom früheren Konzernchef Thomas Middelhoff angestoßen worden waren. Der Gütersloher Medienkonzern hatte das ursprünglich gemeinsam mit der US-Firma Lycos Inc gehaltene Unternehmen im März 2000 an die Börse gebracht und ist inzwischen - wie die spanische Telefonica - mit rund 32 Prozent beteiligt. Firmenchef Mohn hatte in Zukäufe investiert und Lycos Europe unter dem Markenzeichen eines schwarzen Labradors kurzzeitig zu Europas führendem Internet-Portal gemacht. Doch die Gewinne blieben aus.

Kein Interesse am Labrador

In den vergangenen Monaten suchten die beiden Großaktionäre einen Käufer - vergeblich. Es habe kein Angebot gegeben, das dem Unternehmen Perspektiven geboten hätte, sagte eine Lycos-Europe-Sprecherin. Noch im Mai hatte die Firma mit Sitz im niederländischen Haarlem von ersten Gesprächen mit Interessenten gesprochen und einen Abschluss in diesem Jahr in Aussicht gestellt. Finanzkrise und Konjunkturflaute erschwerten die Verhandlungen zusätzlich.

Lycos Europe sieht nun keinen anderen Ausweg mehr, als sein Internetportal und sein Geschäft mit der Vermietung von Serverkapazitäten (Webhosting) zu schließen. Die Verhandlungen mit dem Betriebsrat über Sozialplan und Interessenausgleich sollten bald beginnen, sagte die Sprecherin. Die Abwicklung werde einige Monate dauern. Verkauft werden sollen die Geschäfte mit Internetadressen und Online-Einkauf sowie die Portalaktivitäten in Dänemark. Diese machen zwei Drittel der Umsätze des Unternehmens aus. Es gebe Interessenten, sagte die Sprecherin. An die Aktionäre sollen noch in diesem Jahr 50 Millionen Euro in bar ausgeschüttet werden, wie Lycos Europe mitteilte. Über die Pläne stimmen die Anteilseigner am 12. Dezember ab.

Reuters
 
 
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