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22. Juli 2009, 22:00 Uhr

Wiedeking darf auf 250 Millionen Euro hoffen

Endspurt im Machtkampf zwischen Porsche und Volkswagen: Der Aufsichtsrat des Sportwagenbauers ist überraschend zu einer Sitzung zusammengekommen. Dabei geht es um die Zukunft des angeschlagenen Unternehmens - und angeblich auch um eine Abfindung von mindestens 250 Millionen Euro für Porsche-Chef Wendelin Wiedeking.

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Porsche-Chef Wendelin Wiedeking hat den Machtkampf mit VW wahrscheinlich verloren - und bekommt wohl die höchste Abfindung aller Zeiten in Deutschland© Michael Latz/DDP

Nach einem beispiellosen Machtkampf stehen die Autobauer VW und Porsche vor den entscheidenden Weichenstellungen. Der Aufsichtsrat des Sportwagenbauers ist überraschend bereits am Mittwochabend zu einer Sitzung zusammengekommen. Ursprünglich war ein Treffen erst für Donnerstag geplant. Dabei sollte es um die Zukunft des angeschlagenen Unternehmens gehen, das mit zehn Milliarden Euro verschuldet ist.

Über die Details des Treffens war aus den Unternehmenskreisen zunächst nichts zu erfahren. Unklar ist auch, ob der Donnerstagstermin für das Porsche-Aufsichtsgremium hinfällig wird. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet in ihrer Donnerstagausgabe jedoch, dass bei der Aufsichtsratssitzung die Absetzung von Porsche-Vorstandschef Wendelin Wiedeking beschlossen werden soll. "Die Entscheidung ist gefallen", zitiert das Blatt Aufsichtsratskreise. Demnach soll Porsche von Volkswagen geschluckt werden, die Stuttgarter Marke soll unter das Dach des Wolfsburger Konzerns kommen. Der Zeitung zufolge wollen die Mitglieder des Gremiums auch über eine entsprechende Grundlagenvereinbarung entscheiden.

Wiedeking habe die Unterstützung von Porsche-Mitbesitzer Wolfgang Porsche verloren, schreibt das Blatt. Dieser stand bislang immer zu ihm. Ein Porsche-Sprecher lehnte einen Kommentar zu dem Bericht ab.

Den "Stuttgarter Nachrichten" zufolge gibt es Überlegungen der Porsche-Eigentümerfamilien Piëch und Porsche, Wiedeking eine Abfindung von mindestens 250 Millionen Euro zu bezahlen. Man wolle eine schnelle Trennung von Wiedeking und sei "deshalb bereit, viel Geld in die Hand zu nehmen", zitiert das Blatt einen Vertrauten aus Firmenkreisen. Bisher war von einer Abfindung in Höhe von 100 Millionen Euro die Rede.

Die deutlich höhere Summe resultiere aus Wiedekings Gehaltszahlungen. Sein Vertrag gilt noch bis zum Jahr 2012. Dazu soll es eine Abfindung geben. Ein Sprecher von Porsche hatte am Mittwochmittag allerdings bekräftigt, Wiedeking sei am Donnerstag als Vorstandsvorsitzender im Aufsichtsrat der Porsche-Holding und werde dort sein Konzept vorstellen. "Etwas anderes ist uns nicht bekannt", so der Firmenvertreter.

Porsche hat sich mit der Übernahme von knapp 51 Prozent von VW verhoben und rund zehn Milliarden Euro Schulden angehäuft. Um diese zu begleichen, wirbt Wiedeking für eine Kapitalerhöhung der Eigentümerfamilien und für einen Einstieg des Emirats Katar bei Porsche, um die Eigenständigkeit des Sportwagenbauers zu sichern. Über das Konzept sollte der Porsche-Aufsichtsrat eigentlich am (morgigen) Donnerstag beraten. Aus Unternehmenskreisen verlautete jedoch, dass bereits am Mittwochabend darüber beraten worden sei. Außerdem wurde demnach über eine Grundlagenvereinbarung zum Angebot von VW gesprochen.

Am Donnerstag tagt der Volkswagen-Aufsichtsrat. Die Wolfsburger wollen den kleineren Autobauer schlucken.

Dem Vernehmen nach sollen sich die Eigentümerfamilien schon heimlich auf den Plan von VW-Patriarch Ferdinand Piëch geeinigt haben. Danach würde VW zunächst knapp die Hälfte und später 100 Prozent des Sportwagengeschäfts übernehmen, Porsche würde als zehnte Mark in den VW-Konzern eingegliedert und eigenständig weitergeführt. Die Porsche Holding soll mit dem Erlös die Schulden tilgen können. Auch Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) ist für diese Lösung. Das Land Niedersachsen als zweitgrößter VW-Aktionär hält knapp mehr als 20 Prozent und hat durch das VW-Gesetz ein Vetorecht bei allen wichtigen Fragen. Eine offizielle Entscheidung über den Einstieg des größten europäischen Autobauers bei Porsche wird dennoch erst am 29. Juli erwartet.

Am Mittwoch hatte auch das "Handelsblatt" berichtet, dass sich die Eigentümerfamilie Porsche und der Vorstandschef weitestgehend auf seinen Rückzug geeinigt hätten. "Es wird neue Gesichter an der Unternehmensspitze geben", sagte eine mit den Gesprächen vertraute Person dem Blatt. Als möglicher Nachfolger Wiedekings wird Porsche-Produktionsvorstand Michael Macht gehandelt.

AP/DPA
 
 
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