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15. Mai 2009, 09:01 Uhr

Was Putin mit Opel will

Im Kampf um Opel ist ein neuer Interessent aus der Deckung gekommen: Der russische Autohersteller Gaz. Zusammen mit dem Zulieferer Magna und Moskauer Banken will man bei den Deutschen einsteigen. Eine abenteuerliche Allianz, bei der Russlands Regierung ganz eigene Pläne verfolgt. Von V. Diethel, M. Lambrecht und K. Spiller

Opel, GM, Russland, Berlin,

Das Werk des russischen Autoherstellers Gaz ist schon lange nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Von einem Einstieg bei Opel erhofft sich Moskau einen Modernisierungsschub© liaf

"Ich hab hier so viel Spaß, wir drehen noch 'ne Runde!", rief der sichtlich begeisterte US-Präsident George W. Bush, als ihn der russische Staatspräsident Wladimir Putin während eines Staatsbesuchs im Mai 2005 ans Steuer seines Wolga Gaz-21 ließ. Die schneeweiße Limousine hatte sich Putin originalgetreu nachbauen lassen. Eine Reminiszenz an die prestigeträchtigen Sowjetschlitten der zweiten Wolga-Modellreihe, fabriziert von Gorkowski Awtomobilny Sawod (Gaz), dem 1932 in Gorki gegründeten Autohersteller.

Kriselnder Hoffnungsträger

Inzwischen heißt die Stadt Nischni Nowgorod, und vom einstigen Glanz des Wolga-Produzenten ist nicht mehr viel übrig. Russlands zweitgrößter Autobauer steht vor der Pleite. Unter Hochdruck wird derzeit mit den Banken über eine Umschuldung von Krediten verhandelt.

Auch Gaz-Eigner Oleg Deripaska, einstmals reichster Mann Russlands, steht das Wasser bis zum Hals. Sein Vermögen ist mit dem Einbruch an der russischen Börse von einstmals geschätzten 29 Milliarden Dollar auf kaum mehr als ein Zehntel zusammengeschrumpft. Überall muss der hoch verschuldete Oligarch nun Beteiligungen abstoßen, um nicht unterzugehen - denn viele seiner Geschäfte waren mit Aktien besichert.

All das scheint in Berlin und Rüsselsheim derzeit niemanden zu interessieren. Ausgerechnet der strauchelnde Deripaska und sein Not leidender Konzern gelten als Hoffnungsträger. Gemeinsam mit der staatlichen russischen Sberbank und dem kanadisch-österreichischen Zulieferer Magna will Gaz die Mehrheit an Opel erwerben, damit die europäische General-Motors-Tochter nicht mit dem US-Mutterkonzern in die Pleite rutscht.

Vor allem unter Gewerkschaften, Betriebsräten und den Sozialdemokraten um Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier steht das Konsortium für den Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze - während nach einem Einstieg des konkurrierenden Bieters Fiat ein schmerzhafter Jobabbau an den deutschen Opel-Standorten befürchtet wird. Die Magna-Lösung gilt Steinmeier als "interessante Option".

Putins Traum vom Weltkonzern

Bis zum kommenden Mittwoch müssen die Interessenten ihre Sanierungskonzepte für Opel vorlegen. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass es dem inzwischen als Ministerpräsidenten amtierenden Wolga-Fan Putin gelingt, den russischen Traditionsbetrieb mit deutscher Staatshilfe vor dem Untergang zu bewahren.

Putin hat ein Ziel: Er will aus den maroden Autowerken seines Landes eine schlagkräftige Fahrzeugindustrie schmieden. Zwar gab er sich zuletzt zurückhaltend und erklärte, es gehe allein "um kommerzielle Fragen". Doch er fügte hinzu, den Fortgang der Ereignisse genau zu beobachten.

Für Experten wie Jelena Sachnowa, Analystin der russischen Investmentbank VTB Kapital, ist klar, was damit gemeint ist: "Die russische Regierung besteht darauf, dass Gaz und die Sberbank für Opel bieten. Die heimische Autoproduktion benötigt einen Modernisierungsschub."

Das nötige Kapital soll von der Sberbank kommen, an deren Spitze der Putin-Vertraute German Gref sitzt. Schließlich ist die größte russische Bank laut Medienberichten praktisch bereits Eigentümerin von Gaz: Deripaska musste seinen 61-Prozent-Anteil als Sicherheit hinterlegen.

Doch die Konstruktion ist heikel: "Zwar hat die Sberbank das nötige Kapital", sagt Rustam Botaschew, Bankanalyst von Unicredit Securities in Moskau. Allerdings wäre es politisch nur schwer zu begründen, warum der größte russische Geldgeber gerade bei einem deutschen Konzern einspringen soll, wenn sich derzeit genug Unternehmen für in Russland einen Kredit anstellen.

Entsprechend skeptisch fällt bislang das Echo in Russland aus: "Große Ambitionen" titelte etwa das renommierte Wirtschaftsblatt "Wedomosti" zurückhaltend. "In den nächsten Jahren wird Gaz vor allem damit beschäftigt sein, seine Schulden zurückzuzahlen", sagt Autoexpertin Sachnowa. "Es gibt wenig Spielraum für neue Initiativen." Die Idee vom Einstieg bei Opel sei "hirnrissig". Der Autobauer wäre besser beraten, sich auf das Nutzfahrzeugsegment zu konzentrieren, in dem der Konzern bereits gut aufgestellt ist.

Doch in Moskau wittert man offenbar die Chance, den zuletzt scheinbar unaufhaltsamen Abstieg der russischen Hersteller auf dem Heimatmarkt zu stoppen. Denn vom stürmischen Wachstum des Marktes in den vergangenen Jahren hatten Gaz und der konkurrierende Lada-Produzent Awtowas nur wenig. Der Anteil der einst dominierenden Anbieter sank unter 30 Prozent.

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