. .
News am 07.11.2009
RSS Mobil Wetter stern.de Blogs Hefte
23. Juli 2008, 17:33 Uhr
Schriftgröße: A A A

Walser verteidigt korrupte Manager

Bestechung? Notwendig. Steuerhinterziehung? Nachvollziehbar. Mit provokanten Thesen hat sich Schriftsteller Martin Walser zu Wort gemeldet. Auch zum Thema Armut hat der 81-Jährige Schriftsteller ganz eigene Vorstellungen.

Anerkannter Querdenker: Martin Walser erhielt zahlreiche Literaturpreise und das Bundesverdienstkreuz© Patrick Seeger/DPA

Schriftsteller Martin Walser hält Bestechung durch deutsche Unternehmen bei der Auftragsbeschaffung für gerechtfertigt. Zudem sieht er Manager wie Heinrich von Pierer oder Klaus Zumwinkel zu Unrecht unter Beschuss. "Jeder weiß, dass in vielen Ländern Großaufträge ohne Bestechung nicht zu bekommen sind", sagte der 81-Jährige dem Wirtschaftsmagazin "Capital". Während in Frankreich "kein Hahn danach kräht, ob Unternehmen bestechen", sei es "deutsch, deutsch bis ins Mark", dass Manager hierzulande an den Pranger gestellt würden.

Ausdrücklich verteidigte er im Zusammenhang mit der Schmiergeldaffäre bei Siemens den früheren Vorstands- und Aufsichtsratschef des Konzerns, Heinrich von Pierer: "Hier ist eine öffentliche Person in den Medien mehr oder weniger zur Hinrichtung präpariert worden, ohne dass wirklich etwas nachzuweisen ist."

Mit "vermutungsverdächtigungsvirtuosen Formulierungen" sei über von Pierer berichtet worden, kritisierte Walser, der mit "Angstblüte" 2006 eine Satire um einen Finanzjongleur veröffentlicht hatte. Zum Fall Siemens meinte er zudem: "Meine Vermutung ist, so ein Unternehmen ist derart konstruiert, dass bis zu einer gewissen Ebene alle wissen, wir müssen bestechen, aber wir müssen für den Fall des Falles die Spitze davon freihalten. Dann ist das eine sehr solide, vernünftige Konstruktion."

Auch den früheren Postchef Klaus Zumwinkel, der Steuern von rund einer Million Euro über Stiftungen in Liechtenstein hinterzogen haben soll, nahm der Schriftsteller in Schutz: "Der Staat sollte sich mal überlegen, warum so etwas passiert. Es gibt ja wenige Steuerflüchtlinge vom Ausland in die Bundesrepublik, oder?" Journalisten setzten in ihrer Berichterstattung bei den Lesern ein "wollüstiges Interesse" voraus: "Die wissen, es freut die Leute, wenn man zuerst sagt, dass ist einer der am edelsten aussehenden Wirtschaftsmenschen und schau mal da: korrupt, korrupt, Sumpf, Sumpf." Viele Menschen seien vom Neid befallen, wenn Manager das Hundertfache verdienten.

Geld sei das einzige Mittel zur Unabhängigkeit, meinte Walser gegenüber "Capital". Er selbst habe materielle Not immer gefürchtet. Statistiken über wachsende Armut in Deutschland wies Walser aber zurück: "Da bin ich absolut erkenntnisabweisend. Wenn es jetzt heißt, jeder achte Deutsche ist arm, und wenn der Staat nicht zuzahlte, dann müsste jeder vierte als arm bezeichnet werden - das kann ich mir nicht vorstellen", zitierte das Magazin den mit zahlreichen Literaturpreisen und dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichneten 81- Jährigen.

DPA
KOMMENTARE (10 von 24)
 
utospatz (24.07.2008, 11:35 Uhr)
Besteht eventuell die Möglichkeit
solche Typen lebend Einzuäschern?
ganzbaf (24.07.2008, 09:48 Uhr)
PS:

Nur korrupte Schriftsteller protegieren korrupte Manager... ;-P
ganzbaf (24.07.2008, 09:46 Uhr)
Andere Länder...

ander Sitten, andere Gesetze. Womöglich.
.
Wir sind aber hier in Deutschland(!) und auch Siemens untersteht der deutschen Gerichtsbarkeit.
Wenn es wirklich nicht anders geht, was ich zum Großteil bestreite, soll man sich besser zurückziehen. Sonst kann man auch gleich wieder die Sklaverei hoffähig machen.
Garnet (24.07.2008, 05:56 Uhr)
@STR_EDDS
Bevor ich mich zur Ruhe setzte war ich 26 Jahre in allen Kontinenten unterwegs. Firmen rehabilitieren, neu aufbauen und Personal trainieren. Tausende von Arbeitsplaetzen hat unsere Firma Europaweit unterstuetzt. Ausser Australien und Neuseeland, in allen anderen Laendern war ohne " Geschenke" kein Nagel zu verkaufen. Einfach unmoeglich. Am schlimmsten sind die Sozialisten. Grauenhaft korrupt. In Deutschland gibt es zu viele Leute welche sich einfach weigern zu begreifen was da draussen los ist. Frustrierend, wenn man versucht ein Thema zu diskutieren.
tagora-sagittara (24.07.2008, 00:07 Uhr)
@STR_EDDS
eine Antwort will ich Ihnen nicht schulden,...
Ganz einfach,... ich bin als Mensch aufgewachsen und gebe dieses an meine Kinder weiter.
Dieser alte Trottel Walser hat nichts mehr, außer sich auf den Tot vorzubereiten,... was hat er noch zu erwarten??,... merkt er was??,... sein letztes Hemd bleibt ohne Taschen!!
RosaRosa (23.07.2008, 22:08 Uhr)
Walser zunehmend dement
Leider hat Walser schon vor längerer Zeit die Grenze zur Demenz überschritten. Deshalb ist es auch nicht sinnvoll, sich mit seinen Ausflüssen überhaupt auseinanderzusetzen. Die Ausführungen eines nicht mehr im Vollbesitz seiner geistigen Fähigkeiten Befindlichen nimmt man doch auch sonst nicht mehr ernst. Schlimm ist nur, dass Journalisten einen solchen Mist transportieren.
peternicki (23.07.2008, 21:37 Uhr)
Walser verteidigt korrupte Manager
Etwas Korrupteres als die Medien
gibt es mit Sicherheit nicht!!!
Benkku (23.07.2008, 20:21 Uhr)
Walser ist ein Profiteur des Systems.
Frei nach Martin Walser ist Bestechung also heilsam und deshalb durchaus vertretbare Sache, weil sie Arbeitsplätze schafft. Nichts anderes als typische Wohlstandsbürger-Denke. Arbeitslose sind nach Wohlstandsbürger-Vorstellung ohnehin selbst an ihrer Lage schuld. Um deren Lage machen die Wohlstandsbürger sich sonst jedoch keine großen Gedanken, nur in diesem Zusammenhang ausnahmsweise. Zu dieser Klientel gehört Walser eben. Die engstirnige Vorstellung, daß alles wie geschmiert läuft, wenn geschmiert wird, paßt deshalb ebenfalls für seinesgleichen: Leute, die glauben, einer sauberen Tätigkeit nachzugehen, sollen doch froh darüber sein, daß sie überhaupt etwas haben, ganz gleich wie es zustande gekommen ist.
*
Ich verstehe nicht ganz, daß man sich als Weltkonzern beim Schmieren vor Bakschisch-Pack zu verneigen hat. Was kann dabei noch herauskommen, außer: 'Nach uns die Sintflut' sowieso, aber es springen dabei Arbeitsplätze heraus. Ausbeutung der Natur sowie Umweltschädigung gehen bei so zu stande gekommenen Geschäften ohnehin in solchen Ländern dabei einher (Endstadium: Sintflut). Arbeitsplätze schaffen ist in Ordnung, aber bitte nicht, um jeden Preis.
STR_EDDS (23.07.2008, 18:53 Uhr)
Die Frage ist
... was wäre die Lösung? Nun haben sich, wie zu erwarten, einige Empört. Was wäre die Lösung für unsere Wirtschaft?
.
@tagora
Wenn Ihre Kinder irgendwan einmal im Sales Bereich tätig sein sollten. Und deren Gehalt an eine Prosviosion gekoppelt ist. Und zu allem noch erschwerend die Absatzmärkte Nahost, Afrika, Süd-Amerika, Süd-Europa (sic!) dazukommen sollten - dann wäre der rechte Zeitpunkt um über Morla nochmals nachzudenken.
.
@ganzbaf
Ich darf Ihnen versichern und das aus erster Hand: sogar in .de schaffen es nordamerikanische Firmen, mit nach aussen hin hoher PC, sich einen Großteil der Aufträge durch Bestechung anzueignen. Deren Gesetze gelten in der vollen Strenge für Europäische Firmen auf den heimischen Märkten.
.
@screne
Das heisst: solange etwas Unrechtes in Russland geschieht, ist es ok? Auf unserem deutschen Markt herrscht auch Bestechlichkeit. Glaube Sie, wenn die "großen 3" aus USA zu uns kommen um Computer- und Halbleitertechnik abzusetzen, dabei würde niemand bevorteilt werden? Naiv! Bestechlihckiet ist _immer_ verwerflich. Nur zieht man im Ausland nicht einen ganzen Konzern in den Dreck, wenn es herauskommt. In Deutschland ist nicht der korrupte Funktionär in Hintersumpfistan schuldig, hier ist der Konzern angeklagt, welcher unsere Arbeitsplätze sichert. Das macht die Bestechung kein Bisschen moralischer. Aber der deutsche Drang zur Selbstkasteiung und gleichzeitiger, kampfloser Übergabe der Märkte an China und Co. wird uns viel mehr zum Verhängnis werden, als die paar verschobenen Millionen. Wenn dann das nächste Kraftwerk oder Mobilfunknetz von einem Chinesen geliefert wird und bei uns einmal wieder x-hundert AP wackeln, dann werden die gleichen Leute mit heuchlerischer Selbsgerechtigkeit und Moral laut aufschreien, welche jetzt auch diese Art der Auftragsbeschaffung kritisieren.
.
@Pamela
Müssen Sie eigentlich immer jeden Furz für Ihren scheiss Klassenkampfzirkus nutzen?
.
Also nochmals die Frage: Was ist besser? Mitmachen beim moralisch verwerflichen Spiel oder Arbeitsplätze (auch bei uns - Kraftwerke entwickeln sich nicht von alleine) riskieren? Vielleicht gibts hier auch einmal Antworten und nicht nur Kritik.
bR4iNST0RM (23.07.2008, 18:42 Uhr)
Moral? Macht nur Kopfschmerzen!
Der Herr Walser hat sich in seinen Ausführungen zu der klassischen „Kleinkindermentalität“ hinreißen lassen…
Er zeigt, bewusst oder unbewusst, mit dem Finger auf Andere und stellt sie als Normbeispiel hin: „Während in Frankreich "kein Hahn danach kräht, ob Unternehmen bestechen".
Er verallgemeinert sein Wissen mit dem angeblichen Wissen Anderer: "Jeder weiß, …“.
Anders wiederum scheint die Erklärung für den Fall des Siemensvorstands sehr Bizarr, denn auf der einen Seite wird gejammert: "Hier ist eine öffentliche Person in den Medien mehr oder weniger zur Hinrichtung präpariert worden, ohne dass wirklich etwas nachzuweisen ist." Und auf der anderen Seite wird korrumpiert: "Meine Vermutung ist, so ein Unternehmen ist derart konstruiert, dass bis zu einer gewissen Ebene alle wissen, wir müssen bestechen, aber wir müssen für den Fall des Falles die Spitze davon freihalten. Dann ist das eine sehr solide, vernünftige Konstruktion."
Dieser Mann spricht letzten Endes zwar die Wahrheit, aber das heißt noch lange nicht, dass dieser Zustand als „normal“ bezeichnet werden darf! Wofür gibt es wohl Gesetze, Herr Walser? Ihrer Ansicht nach wohl nur, um sie zu brechen oder einfach gleich zu ignorieren.
MEHR ZUM ARTIKEL
Interview Martin Walser "Ich bin der Torero und der Stier"

Mit Goethe plädiert Martin Walser für die Liebe jenseits der 70. Aber warum muss es eigentlich immer eine viel jüngere Frau sein? Der stern sprach mit ihm über Männer, Fantasien und Gefühle. mehr...

Henri Nannen Preis "Man wird doch etwas gegen Walser sagen dürfen!"

Er ist der berühmteste Literaturkritiker der Nation. Seinen naselnd-schleppende Vortragsweise kennt fast jeder. Jetzt hat Marcel Reich-Ranicki den Henri Nannen Preis für sein Lebenswerk bekommen. mehr...

Korruptionsaffäre Ex-Siemens-Vorstand Feldmayer angeklagt

In der Siemens-Affäre um verdeckte Zahlungen an die Alternativgewerkschaft AUB hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den früheren Konzern-Vorstand Johannes Feldmayer erhoben. Die Ermittler werfen dem ehemaligen Siemens-Europachef Untreue und Steuerhinterziehung vor. mehr...

 
 
 
Aktuelle Extras
 
Adobe Flash Player

 
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Günther Jauch
sternTV - Information und Unterhaltung mit Günther Jauch

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...