Von Netzwerken und Mitwissern

25. November 2006, 14:24 Uhr

Über ein Netzwerk von Briefkastenfirmen seien Millionen Euro an Schmiergeld von Siemens transferiert worden, außerdem habe ein Vorstandsmitglied Bescheid gewusst. Das berichten verschiedene Medien. Die Staatsanwaltschaft will zunächst schweigen.

Was hinter den Mauern von Siemens vor sich gegangen ist, untersucht die Staatsanwaltschaft©

In der Korruptionsaffäre des Siemens-Konzerns sollen nach einem "Spiegel"-Bericht rund 100 Millionen Euro über Dubai geflossen sein. Unter anderem seien damit angeblich Aufträge im Rahmen der Olympischen Spiele 2004 in Athen geschmiert worden, berichtete das Blatt. Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" wusste auch die Konzernspitze von den schwarzen Kassen und weltweiten Korruptionspraktiken. Weder das Unternehmen noch die Staatsanwaltschaft München I nahmen auf AP-Anfrage zu den Berichten Stellung. Laut "Spiegel" war unter anderem eine Firma namens Fiberlite an den Schwarzgeld-Verschiebungen beteiligt. Von dort aus sei ein Teil der Gelder über Briefkastenfirmen in der Karibik auf die Schweizer Konten eines ehemaligen griechischen Siemens-Managers gegangen. Der Grieche sei bis Anfang April in der Chefetage des griechischen Siemens-Com-Ablegers beschäftigt gewesen. Über ihn, so vermuten dem Blatt zufolge Ermittler, könnten Bestechungsgelder an staatliche Institutionen geflossen sein.

Gezahlt worden sei angeblich für Aufträge im Rahmen der Olympischen Spiele 2004 in Athen für ein Sicherheitssystem sowie weitere Großprojekte, darunter womöglich Arbeiten im Zusammenhang mit der Athener U-Bahn. Inzwischen ermittle auch die Athener Staatsanwaltschaft. Auf den Schweizer Konten des Siemens-Managers hätten nach Erkenntnissen der Ermittler zuletzt mehr als 30 Millionen Euro gelagert. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete unter Berufung auf eine Aussage eines langjährigen Mitarbeiters, der in Untersuchungshaft sitze, dass ein früheres Siemens-Vorstandsmitglied die schwarzen Kassen und die weltweiten Korruptionspraktiken des Konzerns gekannt habe. Der laut dem Bericht auf diese Weise Beschuldigte sei vor wenigen Monaten an die Spitze eines anderen Unternehmens gewechselt. Dem Blatt zufolge wollte er keine Stellungnahme zu den Vorwürfen abgeben.

Siemens-Sprecher Peik von Bestenbostel erklärte auf AP-Anfrage, das Unternehmen nehme zu derartigen Details im laufenden Verfahren keine Stellung. Die Quellen der Berichte seien zudem zum großen Teil nicht nachvollziehbar. Es handele sich vielfach um "angebliche Aussagen angeblich Vernommener". Zugleich betonte der Sprecher, dass Siemens die Affäre rückhaltlos aufklären wolle und die Staatsanwaltschaft rückhaltlos unterstütze.

Staatsanwaltschaft will eine Woche in Ruhe ermitteln

Die Münchner Ermittler wollten sich ebenfalls nicht dazu äußern: Nötig sei vielmehr "eine Woche, in der wir die Dinge in Ruhe aufarbeiten können", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft München I, Christian Schmidt-Sommerfeld, auf AP-Anfrage. Sollte nichts Unvorhergesehenes passieren, werde sich die Behörde erst in der Woche nach dem 3. Dezember wieder zu den Ermittlungen äußern. Damit nach der Sprecher auch keine Stellung zu einem "Focus"-Bericht, wonach auch Siemens-Vorstandschef Klaus Kleinfeld zu der Frage vernommen werden soll, ob er von den Schmiergeldzahlungen wusste. Kleinfeld war laut "Focus" von Januar bis September 2004 im Zentralvorstand für Kommunikationstechnik zuständig. Ein ehemaliger leitender Angestellter der Kommunikationssparte, Schlüsselfigur im Korruptionsskandal, hatte demnach am 16. November gestanden und dabei Vorwürfe gegen den frühen Siemens-Vorstand Thomas Ganswindt erhoben.

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