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9. Juli 2008, 11:55 Uhr

China schließt deutsche Fabriken

Ungewöhnliche Maßnahmen in Peking: Wenige Wochen vor Beginn der Olympischen Spiele will China die Luftqualität in der Hauptstadt verbessern - und plant deshalb, vorübergehend sechs deutsche Fabriken dicht zu machen.

Durchatmen fällt da schwer: Die Sicht auf den Himmelstempel in Peking, China, ist durch Smog getrübt© Diego Azubel/DPA

Sechs deutsche Unternehmen sollen vorübergehend ihre Fabriken nahe Peking schließen, um den Smog in der chinesischen Hauptstadt zu reduzieren. Nach Informationen des "Handelsblatt" wurden die Firmen aus Langfang bei Peking aufgefordert, ihre Produktion vom 15. Juli bis Ende September einzustellen. Die Behörden versuchen, mit der Maßnahme die unglaublich schlechte Luft in der Olympiastadt zu verbessern. Örtliche Behörden wollten den Bericht zunächst allerdings nicht bestätigen.

Für Jörg Wuttke, Präsident der EU-Kammer in Peking, bedeutet die angekündigte Schließung nicht nur einen Verlust für die Unternehmen. "Alle diese Firmen produzieren für die chinesische Wirtschaft", so Wuttke. Auch wenn die drohenden Verluste sicher nicht im Milliardenbereich lägen.

Auf einer Stilllegungsliste, die auch der Deutschen Presse-Agentur DPA vorliegt, stehen außer den sechs deutschen Firmen weitere 80 Unternehmen aus anderen Ländern wie den USA oder Südkorea. Aus Deutschland sind unter anderem die Hess Maschinenfabrik aus Burbach, die Lack- und Farbenfabrik Wörwag, der Baumaschinenspezialist Wirtgen, die BYK Chemie aus Wesel, die Bergbautechnikfirma DBT aus Wuppertal sowie der Anlagenbauer GEA aufgeführt. Dem "Handelsblatt" zufolge hoffen die Firmen noch auf eine Ausnahmegenehmigung.

Angst vor Terror

In- und ausländische Unternehmen in China haben einen Monat vor Beginn der Olympischen Spiele ohnehin mit den erhöhten Sicherheitsvorkehrungen zu kämpfen. Die sollen unter anderem Terror-Anschlägen vorbeugen. So wurde die Visavergabe deutlich verschärft. Außerdem gelten Einschränkungen für Gefahrgut-Transporte und weitreichende Fahrverbote in Peking, die viele Unternehmen vor logistische Probleme stellen.

Für Unsicherheit sorge dabei vor allem die kurzfristige Informationspolitik der Behörden, so Wuttke: Weil es keine transparenten Regelungen gebe, könne es zu "unnötigen Verlusten durch Produktionsunterbrechungen" kommen.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hatte am Dienstag bei einem Treffen Peking für seine "herausragenden" Vorbereitungen auf das Sportereignis gelobt, als eine der wenigen offenen Fragen jedoch die Luftverschmutzung genannt. Der IOC-Koordinator für die Spiele, Hein Verbrüggen, erklärte, Peking setze einen "goldenen Standard" für die Zukunft, aber "eine sehr kleine Anzahl offener Fragen bleibt." Dazu gehöre, wie sich die ergriffenen Maßnahmen auf die Luftqualität in Peking auswirken werden.

Lio/DPA
 
 
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