1. November 2008, 08:24 Uhr

IG Metall startet Warnstreiks

Die IG Metall hat ihre Warnstreiks in der Metall- und Elektroindustrie gestartet. Mit Ablauf der Friedenspflicht um Mitternacht legten in mehreren Bundesländern tausende Beschäftigte vorübergehend die Arbeit nieder, um ihrer Forderung nach acht Prozent mehr Geld Nachdruck zu verleihen. Am Montag sollen die Warnstreiks dann auf das gesamte Bundesgebiet ausgeweitet werden.

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Mit Transparenten stehen Mitarbeiter der Nachtschicht des Autozulieferers Johnson Controls in einem Warnstreik vor dem Werkstor in Hannover©

Nach dem Scheitern der Tarifgespräche sind tausende Metallarbeiter nach dem Ende der Friedenspflicht um Mitternacht zeitweise in den Ausstand getreten. Im bayerischen Ingolstadt legten nach Gewerkschaftsangaben rund 4000 Beschäftigte der Nachtschicht beim Autobauer Audi die Arbeit für rund zwei Stunden nieder und nahmen an einer Kundgebung vor den Werkstoren teil. Mit Fackeln formierten sie sich zu einer Acht, um ihrer Forderung nach acht Prozent mehr Lohn Nachdruck zu verleihen. Die Arbeitgeber haben 2,1 Prozent Einkommenserhöhung und eine Einmalzahlung von 0,8 Prozent angeboten. In der Branche sind bundesweit 3,6 Millionen Menschen beschäftigt.

Mit einer Frühschlussaktion beim Autobauer Audi in Neckarsulm liefen die Warnstreiks in Baden-Württemberg an. Alle 1000 Beschäftigten der Nachtschicht verließen nach IG Metall-Angaben eineinhalb Stunden vor ihrem regulären Schichtende am Samstagmorgen ihren Arbeitsplatz. Sie verliehen mit Fackeln und Fahnen vor den Werkstoren der Gewerkschaftsforderung Nachdruck. Die Bänder standen still. "Die Beschäftigten halten das Angebot der Arbeitgeber für unzumutbar, weil es nicht einmal die Preissteigerung ausgleicht, und gehen deshalb auf die Straße", sagte der IG Metall-Chef für Heilbronn/Neckarsulm, Rudolf Luz.

Bei Osram in Augsburg ruhte die Arbeit in der Nacht vorübergehend. Hier gingen nach Gewerkschaftsangaben mehr als 100 Beschäftigte auf die Straße. Bei MAN Diesel trafen sie sich mit Beschäftigten des Dieselmotorenherstellers zu einer Kundgebung, an der laut IG Metall insgesamt etwa 500 Menschen teilnahmen. Die Gewerkschaft hatte einen leuchtenden Heißluftballon organisiert, auf dem ebenfalls die Forderung nach acht Prozent mehr Lohn prangte.

In Berlin-Spandau legten nach Angaben der IG Metall rund 200 Beschäftigte der Glas- und Lampen-Produktion der Osram-Werke ihre Arbeit nieder. Beim Autozulieferer Johnson Controls, im ehemalige Werk des Batterieherstellers Varta in Hannover, streikten Arbeiter nach Mitternacht vorübergehend. Auch in Bramsche bei Osnabrück traten Beschäftigte in einen befristeten Ausstand. Bei der Schiffswerft Nordsee-Werke im Emder Binnenhafen folgten 40 Mitarbeiter dem Aufruf der Gewerkschaft. Auch in Kiel und Itzehoe machten Arbeiter Druck.

"Arbeitgeber haben Warnstreiks provoziert"

Beim Weißblech-Hersteller Rasselstein in Andernach (Rheinland- Pfalz) unterbrachen Mitarbeiter ihre Arbeit. Einige hundert Menschen versammelten sich vor dem Werkstor. Im hessischen Offenbach beteiligen sich nach Angaben der IG Metall rund 300 Beschäftigte an einem Warnstreik beim Autozulieferer GKN.

IG Metall-Bezirksleiter Hartmut Meine warf bei einer Kundgebung vor dem Tor des Batterieherstellers in Hannover in der Nacht zum Samstag den Arbeitgebern Hinhaltetaktik vor. Mit einem völlig unzureichenden Angebot hätten sie die Warnstreiks provoziert, sagte Meine. "Die Forderung nach acht Prozent mehr Geld ist berechtigt", sagte Meine. Mit mehr Geld in der Tasche könnten die Beschäftigten auch den Konsum im Inland beleben.

Am Montag seien zahlreiche weitere Aktionen geplant, sagte der bayerische IG Metall-Chef Werner Neugebauer bei einer nächtlichen Kundgebung. "Die Wucht der Warnstreiks wird massiv sein." Allein in Bayern könnten in den nächsten zehn Tagen mehr als 200 Betriebe mit mehr als 100.000 Beschäftigten betroffen sein. Dann könnten sich die Warnstreiks auch über mehrere Stunden hinziehen.

Arbeitgeber bezeichnen Forderung als "absurd"

Die Arbeitgeber wiederum nannten die Forderung der Gewerkschaft "absurd" und "bizarr". Sie verweisen vor allem darauf, dass sich die konjunkturelle Lage der Branche in den vergangenen Tagen und Wochen dramatisch verschlechtert habe.

Trotz der verhärteten Fronten setzen beide Seiten nach wie vor auf eine Lösung am Verhandlungstisch. Eine Einigung wird auch vom Ergebnis der weiteren Verhandlungen im Pilotbezirk Baden-Württemberg abhängen. Falls es bis zum 10. November nicht zu einem Abschluss kommt, will der Vorstand der IG Metall dann entscheiden, ob er seine Mitglieder zu einer Urabstimmung über Streikmaßnahmen aufruft.

DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (6 von 6)
 
knilch_59 (01.11.2008, 21:41 Uhr)
ran an die Knete
Im Sommer waren es der hohe Euro und der teure Sprit, jetzt ist der Euro unten und der Sprit wieder erschwinglich. Man darf den Aufschwung nicht gefährden, das zarte Pflänzchen der Konjunktur nicht zertreten, die Wirtschaft nicht mit zu starren Regeln einschnüren, …
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Jede Gehaltsforderung ist überzogen, und wenn die IGM ein Minus von 10% fordern würde, wäre das den Arbeitgebern noch zu wenig, es müssten mindestens 15% sein.
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Es hat also keinen Zweck, sich mit dieser Argumentation aufzuhalten. Die Arbeitgeber betteln um Streik, also sollen sie ihn auch bekommen. Die ersten beiden Wochen sind sogar gut für sie, schließlich wollen einige sowieso die Produktion runterfahren. Aber dann tuts weh, also muss man da durch.
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Sollte im Frühjahr die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Metallindustrie gegeben gewesen sein, dann müsste sich das jetzt deutlich verbessert haben: der Dollar ist um 15% gefallen, Ölpreise um 50%, … Also sind die 8 % jetzt noch lockerer drin.
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Also ran an die Knete, die ist bei den Beschäftigten besser aufgehoben als bei den Aktionären, Vorständen und Aufsichtsräten!!!
cologne237 (01.11.2008, 14:07 Uhr)
Mrd Hilfe für Autobauer von der EU...
...habe eben auf NTV einen Bericht über den Streik der IGM vor dem Audi Werk gesehen. 8% ist völliger Realitätsverlust. Bekommen werden viele die Hälfte, ne vier, mit kleinem Zusatz Hartz.
Weshalb fordern viele Konjunkturprogramme? Die EU will Mrd Hilfen zahlen, die Regierung plant Steuererleichterungen beim Autokauf und die IGM fordert 8%. Die sind völlig von der Rolle.
susiwolf (01.11.2008, 12:29 Uhr)
"folks is watching it....."
der Begriff 'Diät' kommt von 'diaita' (griech.) und wurde eigentlich i.S.v. 'Lebensweise' verwendet.
Nun hatte ja vor genau einem Jahr der Deutsche Bundestag beschlossen, daß die Parlamentarier eine höhere Aufwandsentschädigung erhalten sollen.
Eine Steigerung um 9.4% auf Euros 7668
monatlich wäre nach 4 Nullrunden völlig
angemessen und nach fachgerechter Dis-
kussion 'ausgewogen'.
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Nun ist aber der Begriff 'Diät' auch anzunehmen als Fettkiller und 'weight watcher'......
auf deutsch: Es muß sich die Schere zwischen 'arm' und 'reich' wieder schließen. Und zwar schnell. Sehr schnell.
Sahnehäubchen und Geldköfferchen waren gestern. Heute zählt der Kampf.....
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Erstgenanntes mögen nun alle Beteiligten in die Verhandlungen nehmen und als Minimumforderung einbringen. Es ist nur eine Erhöhung von 60 cent zu 66 cent...
auf jeden Bundesbürger gerechnet. Das ist
doch nicht zuviel?
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Ich hoffe, die Taschen aller Arbeitnehmer-
und Arbeitnehmerinnen sind gestopft.
sjm2000 (01.11.2008, 10:37 Uhr)
Das Volk sind wir...
Dieser "Aufstand" wie susiwolf ganz richtig schreibt, ist die einzige Spraeche, die diese korrupte Clique von DAX- und Polit-Managern versteht. Das was gerade wieder bei der Bahn ablaeuft ist doch symptomatisch. Die Achsen brechen, die ICEs stehen still, aber Mehdorn und Konsorten interessiert nur die Moehrchen die sie bekommen, wenn sie das Volkseigentum Bahn, egal wie billig auch, verscherbelt haben. In jeder normal funktionierenden Gesellschaft haette das den Mehdorn und den Tiefensee bereits den Job gekosten, aber auch Frau Merkel scheint voll in die Berliner Seilschaften eingebunden.
Natuerlich gibt es keine Gewinner bei diesem "Aufstand" aber nur wenn wie vor 20 Jahren, als die Menschen auf die Strassen gingen um die Mauer die durch Deutschland ging zu Fall zu bringen, jetzt wieder die Menschen auf die Strassen gehen, um die Mauer die durch die Gesellschaft geht zu Fall zu bringen, erreichen wir, dass wieder alle am Wohlstand teilhaben und nicht die einen immer reicher und die anderen immer aermer werden.
Ganz richtig, es ist dringend Zeit fuer eine Revolution. 20 Jahre Wiedervereinigung haben aus ganz Deutschland eine Kopie der DDR gemacht wo die Parteien nicht mehr die Interessen ihrer Waehler vertreten, sondern nur noch Mittel zur persoenlichen Bereicherung sind.
Putinki (01.11.2008, 09:41 Uhr)
Streik,Erpressung Lösung für "mehr gerechtigkeit"
Geld Gier hat schon mal der "ungezogenen und übermütigen" Finanzwelt eine Lehre erteilt. Das reicht wohl nicht, weil angeblich ja nur die Politiker, Manager und Banker "schuld" sind. Ohne Rücksichten und mit Naivität spielen die "streikgeübten Gewerkschaftler" mit dem Feuer. Am Ende haben alle verloren und das ist dann wohl die Absicht (Chaos). Und schuld sind dann die anderen (Reichen). Statt Krieg kann man denn nicht endlich Konflikte (wenn man sie nicht gerade selbst erfindet) friedlich lösen? Das Hindernis ist die "Parteischule", die vom virtuellen Klassenkampf lebt.
susiwolf (01.11.2008, 09:27 Uhr)
Friedenspflicht? ... Warnstreiks?
Ich glaube in dieser Republik haben es jetzt alle begriffen: Dieses ist weder ein Warnstreik noch wird der Friedenspflicht entsprochen:
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Dieses ist der Beginn einer latent explosiven Revolution, eines Aufstandes. So etwas hat Deutschland noch nicht erlebt.
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Einhergehend mit der 'schwer entflammbaren' Konsumlaune, den hilflosen Versuchen der Politik-Marionetten und dem branchenspezifischen Lobby'ismusgeplänkel wird nun der Fuß auf die Straße gesetzt.
Strammen Schrittes geht der Marsch los.
Das restliche Geld der VerbraucherInnen klimpert im Gleichschritt in den Taschen:
Auch der Letzte hat begriffen, daß die Krise sich nun nur noch verschlimmern kann.
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Etwaige staatliche Investitionen sowie Abgaben- und Steuersenkungen zur kurz-, mittel- oder langfristigen Konjunkturankurbelung werden -berechtigt- wie sinnloses Getue einfach weggetrampelt.
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Alle mögen mitmarschieren, solidarisch, energiegeladen und befreienden Fußes.
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