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25. September 2007, 12:15 Uhr

Champagner in Stoibers Zentrale

In trauter Eintracht haben der scheidende bayerische Regierungschef und CSU-Chef Edmund Stoiber und sein potenzieller Nachfolger Erwin Huber den Durchbruch beim Transrapid verkündet. Der Umgang der beiden gewährte tiefe Einblicke in die neuen Machtverhältnisse in der CSU.

Bayerische Schwebebahn-Förderer: Wirtschaftsminister Erwin Huber, CSU, (l.) und Ministerpräsident Edmund Stoiber, CSU, (r.)© Oliver Land/DDP

Der Edmund. Und der Erwin. Noch einmal spielen sie Herr und Knecht. Die offizielle Stabübergabe steht unmittelbar bevor, die Macht hat sich schon verschoben. Und gerade deshalb können die beiden die alte Hierarchie noch einmal schmerzfrei exerzieren, mit warmen Worten. Denn an diesem Vormittag geht es nicht um sie, und vordergründig auch nicht um die CSU. Es geht um Bayern. Es geht um Deutschland. Es geht um das große Ganze, das übergeordnete Wohl. Bei dieser Pressekonferenz geht es um den Transrapid.

"Das ist kein Abschiedsgeschenk für mich"

Ein sehr, sehr langer Weg über Jahrzehnte sei am Montagabend erfolgreich abgeschlossen worden, sagt Stoiber. "Wir haben den Durchbruch für den Bau der Transrapidstrecke in Deutschland erreicht." Er, der Regierungschef, Erwin Huber, der Wirtschaftsminister, und Vertreter der Bahn und Vertreter der Industrie. Sie alle, so Stoiber, hätten sich auf eine "Realisierungsvereinbarung" geeinigt, in einem "intensiven, konstruktiven Gespräch auf Spitzenebene". Und dann dankt er vielen Leuten: Der Industrie, weil sie so toll mitmache, der Kanzlerin, weil ja jetzt die Koalitionsvereinbarung aus dem Jahr 2005 so toll umgesetzt werde. Vor allem aber dankt Stoiber "dem bayerischen Wirtschaftsminister Huber für diesen großartigen Erfolg." Und dann sagt Stoiber fast etwas Rührendes: "Das ist mit Sicherheit kein Abschiedsgeschenk für mich", sagte er. "Vielmehr ist es ein großartiger Verhandlungserfolg für Erwin Huber." In der Stoiberschen Welt ist so ein Lob in so einem Moment das höchste der darzubietenden Gefühle. In der Stoiberschen Welt neigt er sein Haupt - und übergibt die Macht.

Ein Herzenswunsch Stoibers geht in Erfüllung

Die Unterwürfigkeitsgeste kommt natürlich in letzter Minute und enstpringt letzten Endes vermutlich nur der der Einsicht in die normative Kraft des Faktischen. Am Samstag stellt sich Huber auf dem CSU-Parteitag in München der Wahl zum neuen CSU-Chef - mit guten Chancen. Stoiber könnte den Erfolg Hubers kaum mehr verhindern, selbst wenn er wollte. Und so übt sich Stoiber in dem Spiel von Geben und Nehmen. Er huldigt Huber - und bekommt dafür einen glänzenden Abgang. Zwar wissen über die genauen Hintergründe des Timings des Durchbruchs bei der Magnetschwebebahn zwischen Münchner Hauptbahnhof und Flughafen nur die Beteiligten Bescheid. Klar ist aber, dass mit diesem Dienstag nicht nur das Projekt Transrapid für Bayern zu einem Erfolg kommt, sondern auch ein Herzenswunsch Stoibers in Erfüllung geht.

Stoiber legt 15 Millionen drauf

Erwin Huber tritt nach Stoiber ans Mikrofon. Mit der Gelassenheit eines Mannes, der weiß, dass er den Machtkampf schon für sich entschieden hat, dass die Schlachten geschlagen sind, dass nun nur noch die Kür folgt. Entsprechend selbstbewusst spricht er ebenfalls vom Durchbruch, lobt die Regierung - und rattert dann die Zahlen der Einigung herunter: 1,85 Milliarden Euro kostet der Spaß insgesamt. Der Bund ist mit der Hälfte dabei, der Freistaat übernimmt die zweite große Tranche, Anteile die Bahn, der Flughafen München, der die Industrie. Bisher habe es eine Finanzierungslücke von 165 Millionen Euro gegeben. Die habe man am Montagabend geschlossen: Die EU zahlt jetzt 50 Millionen Euro, die Bahn legt 50 Millionen drauf, die Industrie ebenso. Bleibt eine Lücke von 15 Millionen. "Da hat der Ministerpräsident gesagt: Die legt dann der Freistaat Bayern drauf", berichtet Huber. Mit insgesamt 490 Millionen Euro sei Bayern jetzt beim Transrapid dabei. Wenn alles halbwegs gut gehe, so Huber und Stoiber unisono, müsste der Bau der Strecke schon im Sommer des Jahres 2008 beginnen können.

Fast zum Schluss fordert Huber noch die Stadt München auf, ihren Widerstand gegen das Projekt aufzugeben. Die Stadt müsse keinen Euro zahlen - und der Transrapid sei die beste aller Lösungen, besser auch als eine Express-S-Bahn vom Flughafen in die Innenstadt.

Am Ende streichelt Huber Stoiber noch einmal, freilich nur verbal. Er sei ja oft in der Staatskanzlei gewesen, sagt der ehemalige Chef der bayerischen Regierungszentrale. Aber Champagner habe es nie gegeben. Am Montagabend aber, nach der Einigung in Sachen Transrapid, sei es anders gewesen. "Gestern war der Ministerpräsident so großzügig, uns zum Abschied ein Glas Champagner zu genehmigen", sagt Huber. "Für Bayern ist ein ganz großes Werk geschaffen."

 
 
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