Der Fan zahlt das Arena-Aus

11. Juli 2007, 15:18 Uhr

Der Bezahlsender "Arena", Partner der Deutschen Fußball-Liga, ist ökonomisch am Ende. Die Bundesligarechte wird der vormalige Konkurrent "Premiere" übernehmen. Was bedeutet das aber für die Fußball-Finanzen und vor allem für die Fußballfans? Sie müssen sich auf steigende Gebühren einstellen. Von Bernd Gäbler

Dieses Bild wird es in der kommenden Saison nicht geben: Ein "arena"-Kameramann im Stadion©

In ihrer bisher nur im englischen original vorliegenden Studie "Annual Review of Football Finance" beziffert die internationale Unternehmensberatung Deloitte den europäischen Fußballmarkt auf ein Volumen von 12,6 Milliarden Euro. Von Jahr zu Jahr wächst die Summe um rund eine Milliarde Euro. Mehr als die Hälfte davon haben die fünf führenden Ligen aus England, Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien eingenommen.

Bundesliga hat die geringsten TV-Einnahmen

Trotz des neuen Vertrags, für den der Bezahlsender "Arena" 220 Millionen Euro pro Saison für die Live-Übertragung der Bundesligaspiele im Bezahlfernsehen bis zum Jahr 2009 hinblättern musste, bleiben die TV-Einnahmen der Bundesliga die geringsten im Vergleich der "Big-Five"-Ligen in Europa. Das gilt auch für die Spielergehälter, was wiederum geradlinig mit der Attraktivität der Liga zu tun hat.

Und es gibt eine weitere finanzielle Besonderheit in der von Bayern München bis Energie Cottbus reichenden Top-Liga: Der prozentuale Anteil der Sponsorengelder an den Gesamteinnahmen ist nirgendwo so groß wie in Deutschland. In der kommenden Saison fließen den 18 Vereinen sogar 123 Mio. Euro statt bisher 107 Mio. Euro allein für die Trikotwerbung zu. Für das direkte große Geld ist ein funktionierendes Pay-TV der Schlüssel. Für die Sponsoren aber ist die große Reichweite des Fernsehens noch wichtiger.

Die Vereine und die Deutsche Fußball-Liga (DFL) wollen also einen möglichst solventen Pay-TV-Partner haben. Die Sponsoren wollen, dass möglichst viele Zuschauer ihre Trikotwerbung möglichst lange sehen. Rund sechs Millionen regelmäßige Zuschauer einer zeitnahen ARD-Sportschau sind den Werbern wichtiger als eine Millionen Bezahl-Fernseh-Abonnenten mehr oder weniger.

Bisher konnte die Deutsche Fußball-Liga recht optimistisch nach vorne schauen: trotz zeitnaher Sportschau konnten gleichzeitig die Pay-TV-Rechte relativ teuer an "Arena" verkauft werden - und der Markt versprach weiteres Wachstum.

Die "Arena"-Pleite: Pay-TV wird teurer Dass der neue Partner der DFL so schnell ökonomisch in die Knie sinkt, stellt den deutschen Fußball aber vor neue Probleme. Natürlich werden die geschlossenen Verträge eingehalten. Auch wenn "Premiere" die Lizenzen übernimmt, ist an Preisnachlass nicht zu denken. Aber einiges wird sich schon ändern - insbesondere für die Kunden des Bezahlfernsehens. Für sie ist die erste Lehre, die aus dem raschen Ende von "Arena" zu ziehen ist, keineswegs positiv.

"Arena" wollte mit einer Niedrigpreis-Politik punkten. Das Kalkül lautete: Wenn das Abo günstiger wird, kommen schnell mehr Kunden. Offenkundig ging das schief. Obwohl das Fußball-Abo nur etwa halb soviel kostete wie zuvor bei "Premiere" waren es am Ende immer noch gerade einmal ein Drittel soviel Abonnenten. Das "Aus" von "Arena" dürfte auch das "Aus" jeder Niedrigpreis-Politik im Pay-TV sein. Der Rest ist jetzt Verhandlungssache zwischen dem Wieder-Anbieter "Premiere" und den Kunden.

"Premiere" wird Monopolist

"Premiere" schien sich als Sender für ein ordentliches Angebot an Live-Fußball etabliert zu haben. Deswegen forderte sein Chef Georg Kofler auch lautstark mehr Exklusivität, also die ARD-Sportschau zurückzudrängen. Für die DFL erwies es sich da als Segen oder gar als Coup, dass plötzlich der Kabelanbieter Unity Media mit "Arena" einen eigenen Bezahl-Sender aus der Taufe hob. Mit zwei oder mehreren Wettbewerbern verhandelt es sich einfach schicker als nur mit einem. Unabhängig von der Klärung einiger Einzelheiten, wird "Premiere" jetzt de facto wieder Monopolist. Das heißt nicht, dass in Zukunft der Preis für die Bundesliga-Übertragungsrechte sinken wird, wohl aber, dass "Premiere" mit mehr Aussicht auf Erfolg mehr Exklusivität fordern kann, weil davon die künftige Zahl der Abonnenten abhängt. Der eigentliche Kampf wird sich nicht mehr zwischen verschiedenen Pay-TV-Anbietern abspielen. Dafür wird die strukturell ohnehin gegebene Kontroverse zwischen dem Bezahlfernsehen und dem durch Gebühren finanzierten frei empfangbaren Fernsehen auf jeden Fall noch verstärkt werden.

Die Deutsche Fußball-Liga bleibt dabei, die Übertragungsrechte für die Zeit ab 2009 sehr früh auszuschreiben. "Zwei Nachfrager wären uns sicher lieber als einer", bekundet der DFL- Geschäftsführer Christian Seifert schon jetzt, bezieht dies aber nur auf das Pay-TV. Auf die Frage, ob es auch in Zukunft noch eine so zeitnahe Zusammenfassung des Bundesligageschehens in der ARD-Sportschau geben werde, antwortet er gelassen: "Das liegt vor allem an der ARD." Will heißen: daran, was sie zu zahlen bereit ist.

Nähe zum Schlusspfiff wird Privileg

Für die ARD nämlich soll die Zeitnähe zum Schlusspfiff, die allmählich europaweit zum Privileg wird, noch teurer werden. Die Gebühren steigen schließlich stetig, fließen stabil und sind nicht einmal von Quoten abhängig. In Bezug auf die Sportschau ist auch jederzeit gut allerlei Populismus zu mobilisieren. Und die Sponsoren lieben diese von jedermann finanzierte Sendeform ohnehin. Für die ARD selbst ist die frühe Sportschau von fast existenzieller Bedeutung. Die Damen und Herren Intendanten werden schon bald neu darüber nachdenken müssen, wie viel mehr als bisher ihnen der Fußball Wert ist und was sie den Gebührenzahlern noch glauben zumuten zu können.

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KOMMENTARE (10 von 11)
 
otto1937 (14.07.2007, 09:51 Uhr)
Geiz ist Geil
In den Medien sollte mehr getan werden gegen die "deutsche" Geiz ist Geil Mentalität.
MfG O.KLett
Excentric (12.07.2007, 08:53 Uhr)
Auch das
wird Arena bzw. Unity Media überleben.
Entweder ist logisches Denken dort nicht angesagt (bei den Preisen ist das ein einfaches Rechenbeispiel, Ausgaben zu Einnahmen passen einfach nicht) oder/und man ist einfach beratungsresistent. Bei diesem Management (BC-Partners, Apollo) kein Wunder, die haben immer noch nicht begriffen das es hier etwas anders läuft.
Um nun zu sparen kann man ja wieder Mitarbeiter entlassen, das scheint ja bei Unity Media gängige Praxis zu sein.
So kann man Fehler des Managementes gut kaschieren, Schuld sind ja immer die anderen.
Wenn ich nur an diesen peinlichen neuen Markenauftritt mit dem RTL-Logo denke... Tolles Marketing, ich vermute der Marketingchef wird dafür noch hochgelobt und bekommt einen extra Bonus. Noch vor Jahren durften sich solche "Helden" einen neuen Job suchen....
Armes Deutschland ...

Clibanarius (11.07.2007, 21:50 Uhr)
RE:Livestreams
Joo, Livestreams sind die Lösung für den gebeutelten, veräppelten und ausgenommenen Fan. Einfach die Wörter
"football live stream" (ohne Anführungszeichen) in eine Suchmaschine eingeben - man wird staunen was so alles an Ligen angeboten werden: Spanien, England, Frankreich, Niederlande, Italien, Südamerika, Bundesliga. Dazu UEFA und CL und ebenso häufig NBA, NFL und NHL. Dazu sind einzig einige kleine und anständige Streaming-Software wie Sopcast, PPLive, TVAnts, TVU-Player nötig und schon ab DSL 1000 kanns losgehen, dank den vielen Chinesen-Sendern. Wenn die schon durch die zahllosen Verlagerungen mitverantwortlich für unsere Arbeitslosen sind, dann sollen sie sie wenigstens mit (fast) kostenlosem Fussball versorgen....;o)
Prometheus90 (11.07.2007, 16:56 Uhr)
Verkommen?, Wasser und Brot kosten auch Geld...
Warum, Fussballfans wollen eine schönen Fussball sehen, so und jetzt ist es so das es eine menge Vereine gibt, die ihren Fans einen schönen Fussball zeigen wollen und in einigen Ländern auf dieser Welt gibt es eine menge Geld, so Verein A kauft sich Ronaldinho und ist sehr erfolgreich, Verein B denkt sich wir wollen auch erfolgreich sein, also kaufen wir uns auchen Ronaldinho aber irgendwo muss ja das Geld herkommen und ich als Fan bin gerne bereit meinen bescheidenen Beitrag dazu zu leisten, andere Menschen gerne in die Oper oder ins Kino gehen und ich sage auch nicht wie verkommen ist die Welt. Man zahlt 40 Euro und bekommt dafür die Bundesliga, die Premier League(beste Liga der Welt), die Serie A, und wahrscheinlich wieeder die Premiera Division, kann den Uefa Cup sehen, die Champions League, die Formel 1(ohne Werbung), Tennis, Basketball, Eishockey, Baseball, Leichtathletik, Golf, Kampfsportun Wrestling(nur mit Kinderschutz), also ist für jeden was dabei, ich persönlich finde es nicht so teuer. Man kann auch alle Filme die auf Premiere laufen aufnehmen, ohne Kopierschutz. Ich dachte, dass die "Die Geiz ist geil" Mentalität langsam nach lässt, wer Qualität will muss auch dafür zahlen.
Prometheus90 (11.07.2007, 16:36 Uhr)
Bundesliga
Obwohl in England die Spiele im Free-TV auch erst am Abend gezeigt werden, kriegt Arsenal London von der Fluggesellschaft Emirates 160 Millionen Euro, für die Namensrechte des Stadions von Arsenal. Chelsea London bekommt 150 Millionen von ADIDAS, damit sie in ADIDAS Trikots rumlaufen. Es kann also nicht wirklich stimmen, dass die Sponsoren so auf die Sportschau angewiesen sind. Das Problem ist das unsere "Experten" von der DFL keine Ahnung vom "Big Business" haben. Wacht auf, die Bundesliga hat mit das größte Potential auf der Welt, Sportschau weg, höhere Fernsehgelder, mehr Stars(Qualität), weg mit den deutschen Schiris, die wie Weicheier pfeifen und her mit britischen Schiedsrichtern, denn die Intensität in der Premier League ist atemberaubend und da wird es nicht toleriert, dass man sich 8mal um die eigene Achse dreht, nach einem "Foul" was aber nicht immer gleich heißt das man die Gelbe Karte zeigen muss. So all das musste mal raus...
In der Premier League kriegt der Tabellenletzte noch 45 Millionen Euro Fernsehgelder, letzte Saison hatte Mainz einen Etat von 28 Millionen Euro.
manndernichtdaist (11.07.2007, 16:32 Uhr)
Livestreams
Umsonst die Buli Live anschauen?
Ab ins Internet und Livestreams reinziehen. Zwar oft mit englischen oder chinesischen Kommentatoren, aber trotzdem umsonst und die Qualität ist ausreichend.
JenFuchs (11.07.2007, 16:29 Uhr)
ohne Arena keine Spanische Liga
Sehr schade und sehr traurig, dass Arena nach einem Jahr in die Knie geht.
Premiere war einfach zu teuer und Arena mit dem Angebot der Spanischen Division war eine großartige Sache. So konnte man nicht nur Real und Barca sehen sondern auch andere Teams vorallem Altético Madrid spielen sehen. Bei Premiere wird das anders und das Geld wird nicht reichen. Sehr schade !
papaleo2000 (11.07.2007, 16:23 Uhr)
Content-Mafia spinnt oder wenn man unbelehrbar ist.
Also doch.
Die Content-Mafia spinnt, anders ist das nicht zu erklären. 40.-- Euro für Pay-TV das ist allerdings zuviel. Auch die Prepaid-Karten sind nicht billiger sondern sogar umverschämt teurer als das Abo. Selbst Filme die in der Videothek für 1,-- (ein) Euro zu haben sind, sind billiger als die bei Premiere Direkt (3,-- pro Film).
Wann endlich merken die, dass bei solchen Preisen die Piraterie geradezu ermutigt wird, "Raubkopierer" DVD's und CD's rippen, Pay-TV schwarz sehen.
Die können das Urheberschutzgesetz so oft sie wollen ändern es wird sich nichts ändern. Solange die Preise nicht nach unten gehen wird sich an der Tatsache des "Raubkopierens" nicht ändern, Gesetz hin oder her. Am Ende werden sie doch merken, dass sie und brauchen und nicht umgekehrt.
Fesche_Lola (11.07.2007, 16:14 Uhr)
Da zeigt sich doch ...
... wie verkommen der Fussball ist. Es geht nur noch um Geld, Fussball ist nur noch Mittel zum Zweck und die Fans werden verarscht und ausgenommen.
Vikar (11.07.2007, 16:03 Uhr)
schon komisch
aber hat es denn in unserem super durchorganisierten deutschland nicht ein gremium, das genau das verhindern soll?. sonst sind wir doch so unheimlich durchorganisiert, und wenn der kleine mann 2 euro zuviel in der tasche hat, wird sofort gelyncht. und wenn einer geld audgibt, das er gar nicht hat, scheint das ok zu sein, sehr nett
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