. .
News am 21.11.2009
RSS Mobil Wetter stern.de Blogs Hefte
24. Februar 2009, 17:37 Uhr
Schriftgröße: A A A

Mastercard geht die Luft aus

Was will ein Werbespot sagen, in dem zur besten EM-Sendezeit eine Reißzwecke einen Ball kaputtmacht? "Wir lassen die Luft aus der EURO"? Mit einem unverständlichen Spot wirbt Mastercard als Sponsor der Europameisterschaft. Was hat sich das Kreditkartenunternehmen dabei gedacht? Von Niels Kruse

Mastercard, Werbung, Fußball, EM, Europameisterschaft

Und dann war er platt: Für die Werbung macht Mastercard sein eigenes Logo kaputt© Screenshot: stern.de

Symbolisch gesehen muten einige Randaspekte bei dieser Fußball-EM ziemlich befremdlich an. Da wäre die Bregenzer Seebühne des ZDF: Vorne fachsimpeln Johannes B. Kerner, Jürgen Klopp und Urs Meier um die Wette, aus dem Hintergrund stiert das "Auge von Tosca" die Fernsehzuschauer an. Das riesige Sehorgan gehört eigentlich zur Puccini-Oper "Tosca", die hier aufgeführt wird und wurde vom Sender als Deko übernommen. Die Aussage der Big-Brother-Optik bleibt indes im Dunkeln. Ohne das Zweite (Auge) sieht man auch ganz gut? Oder soll an die Bespitzelung durch Staat und Privatwirtschaft erinnern werden? Wenn es so wäre, würde dem Sender immerhin das Kunststück gelingen, mit Hilfe feinster Unterhaltungsware auf gesellschaftliche Missstände aufmerksam zu machen.

Beim ZDF wird zurückgeglotzt

Einen Missstand anderer Art strahlt derzeit Mastercard aus. Oder lässt vielmehr ausstrahlen. Seit Jahren schon sponsert das Kreditkartenunternehmen die Europameisterschaft und darf als einer der größten Unterstützer unmittelbar vor den Spielen werben. Und das sieht dann so aus: Das Logo der Firma, ein roter und ein gelber Kreis, sitzen in Form von zwei Bällen auf einem Sofa. Plötzlich springt der gelbe Ball wild herum - es erscheint eine Reißzwecke, der Ball hüpft drauf und pffft - fällt in sich zusammen.

Was hat sich die Finanzfirma dabei nur gedacht? "Wir sind platt?" Oder: "Uns geht die Luft aus"? Angesichts der sich nur langsam beruhigenden Krise am Finanzmarkt wäre das eine klare aber nicht sonderlich vertrauenerweckende Botschaft. Möglich auch: "Wir lassen die Luft aus der EM". Nur - warum und welche Rolle spielen Kreditkarten dabei? Bedeutet es: "Wir sind die Reißzwecke, der Stachel im Fleisch des Fußballs"? Gar: "Löcher gibt es gratis - für alles andere Mastercard"? Wie man es dreht und wendet - der Trailer hinterlässt einen komischen Nachgeschmack.

Dabei soll alles ganz anders sein, charmant und lustig, wie das Unternehmen mitteilt. Das Filmchen hat sogar eine Handlung: Die Bälle nämlich sind zwei Freunde, deren jeweiligen Lieblingsmannschaften gegeneinander spielen. Als das Team des gelben Balls ein Tor schießt, springt der vor Freude im Kreis, woraufhin der rote Ball seinen Kumpel ärgert, indem er ihm eine Reißzwecke hinwirft. "Am Ende vereinen sie sich aber versöhnlich wieder im Mastercard-Logo", heißt es in einer E-Mail, die das Unternehmen auf Anfrage verschickt hat. Damit wolle man spielerisch kleine Geschichten erzählen, die "die Nähe der Marke zum Spiel und seinen Fans aufgreift".

Soweit die Theorie. Was aber sagen Werbeprofis dazu? Nichts Gutes. Christian Scheier, Neuropsychologe und Chef der Marketingberatungsfirma Decode hält den Spot für alles anders als gelungen: "Hier wird mit Missgunst und Schadenfreude gespielt. Das eignet sich kaum dafür, beim Betrachter ein positives Gefühl zu hinterlassen", so der Werbepsychologe.

Obwohl Fußball ein Sport ist, der vom Gegeneinander zweier Teams, von Kampf Mann gegen Mann und der Rivalität zwischen den Fans lebt, bemüht sich die Werbung seit jeher, das gemeinschaftliche Erlebnis in den Vordergrund zu stellen. In keinem Bierspot wird geneckt sondern zusammen gejubelt und getrunken, und Mike Krüger hatte für eine Baumarktkette bei der Weltmeisterschaft 2006 gleich eine gigantische Tribüne für Gäste in seinen Garten zusammengezimmert.

Den Machern der Mastercard-Werbung, die Werbeagentur McCann, war soviel Harmonie vielleicht zuviel, denn ein anderer Film spielt ebenfalls mit den Thema Rivalität: das "Motiv Schal". Da versucht ein Fan, einen anderen mit einem größeren Schal davon zu überzeugen, dass er der größere Fan sei. Gegeneinander statt miteinander - auch wenn das mal etwas anders ist, aus Sicht der Werbepsycholgie wirkt es leider kontraproduktiv. Anders die Mitsponsoren der Europameisterschaft. "Coca Cola macht es richtig", sagt Scheier, "in deren Spots klatscht sich die Fliege mit der Fliegenklatsche ab, umarmt sich der Luftballon mit dem Kaktus und der gehörnte Gatte den Liebhaber seiner Frau".

Was alles in der Werbung nicht funktioniert, lässt sich laut Scheier in wenigen Worten zusammenfassen: Humor ist schwierig, weil der oft nicht als solcher wahrgenommen werde, dasselbe gilt für Ironie. Schadenfreude und Missgunst wecken nicht bei allen Menschen positive Assoziationen, und in diesem Spot komme alles auch noch zusammen. Die Marke Mastercard glaubt Scheier, habe sich mit dem Reißzwecken-Spot alles andere als einen Gefallen getan.

Anmerkung d. Red.: In einer früheren Fassung dieses Artikels wurde ein Zitat von Mastercard irrtümlich einem namentlich genannten Mitarbeiter einer Kommunikationsagentur zugeschrieben. Dieser ist jedoch nicht befugt, im Auftrag des Unternehmens zu sprechen. Wir haben seinen Namen daher entfernt.

Von Niels Kruse
KOMMENTARE (10 von 19)
 
IQ50 (27.06.2008, 10:32 Uhr)
Was dem einen sin Uhl...
Typische Fehlbesetzung der Rollen! Hier hätte man Red und Yellow aus dem Hause Mars casten sollen.
Die hätten die Rollen der Mastercard-Logobälle nicht nur witziger, sondern auch überzeugender gespielt. Und da wäre dann auch die Sache mit der Reißzwecke irgendwie witziger gewesen als bei den Gesichts- und Körperlosen Bällen!
Allerdings dann auch zugunsten des Umsatzes von M&M's.
bR4iNST0RM (19.06.2008, 18:57 Uhr)
Was?
„Werbepsychologe“, „Neuropsychologe“, „Marketingberatungsfirma“… und alles, um den dummen TV-Zuschauer seine Ware zu offerieren… Alter Falter! Das muss ich nun erst einmal mit meinem Psychologen besprechen… *input(t)error*
AchazIII. (19.06.2008, 08:26 Uhr)
Der Werbespot ist ein unfreiwilliger Hinweis auf die Zeit nach der EM
Der Ball, dem die Luft ausgeht, ist ein Sinnbild auf die Zeit nach der EM, wenn der Rausch vorbei ist:
Wirtschaftliche Rezession in ganz Europa, Steuererhöhungen in Deutschland, unbezahlbare Energie, Inflation, Geldentwertung, weitere Belastungen für die deutschen Bürger usw. mit einer feixenden Frau Merkel auf der Stafiontribüne. Sie weiß es nämlich schon und lacht sich kapuut über das tumbe deutsche Volk, das sich im Augenblick noch am runden Leder erfreut.
Sie sagt sich: Nach wartet nur noch eine Woche, auch Euch wird jetzt bald die Luft ausgehen....gewählt ist gewählt.
Man muss nur die Sinnbilder richtig deuten können
Iphitos (19.06.2008, 07:55 Uhr)
Man kann es natürlich...
... jederzeit auch übertreiben, wenn einem SO GARNIX SINNVOLLES einfallen will.
Der Mastercard-Spot ist, wie viele andere Spots von Mastercard vor ihm, schlicht und ergreifen dazu da, einen der Hauptsponsoren ins Bild zu bringen. Dass es diesmal nicht um "Es gibt Dinge, die kann man nicht kaufen - für alles andere gibt es Mastercard" geht ist das einzige, was an der Werbung anders ist.
In diesem Sinne hoffe ich, heute wenigstens den einen oder anderen SINNVOLLEN Artikel bei stern.de zu finden...
Samson40 (19.06.2008, 07:41 Uhr)
Was bitte...
ist an dem Spot so schwer zu verstehen?
Wer den nicht versteht, hat wohl ein grundsätzliches Problem.
"Luft aus dem Euro"... BlaBlaBla... Lächerlich.
Der Spot soll einfach nur Spass machen; und genau das tut er auch.
Regierungsbeamter (19.06.2008, 07:38 Uhr)
MASTERCARD - EUROCARD
American Express
Schlechtester Werbespot der Welt !
Sollten sich mal die Werbeprofis von Coca-Cola angeln.
Der Spot hat Esprit - begeistert - bringt zum Lachen.
derParanaut (19.06.2008, 01:31 Uhr)
mastercard-Werbespot
Guten Tag,
hier ein kurzer Kommentar bezüglich des Werbespots, der übrigens hochraffiniert is. Also:
Natürlich funktioniert ein Werbespot nie für sich alleine, erst in Kombination und emotionalem Kontext entfaltet er sich.
Ein Spot ist nur 1 Puzzleteil.
Dieser Werbespot birgt seine Logik im Zusammenhang mit dem ständig davor laufenden Spot (Fussball: alle Spieler rotes Trikot, Kinder in Gelb)
Dann zieht man die Wurzel aus dem gesamt-Sinn.
(das Essenzielle ist die Verkettung der Spots, nie der Spot selbst.)
-> Werbung funktioniert nur dann, wenn der Betrachter nichts merkt.
Ein altes Stilmittel dieser "Branche".
mfg, der Paranaut
mighty_bender (18.06.2008, 22:27 Uhr)
Richtig, fuchs0202...
...und deshalb:
- guckst Du kein Fernsehen außer den ÖRs
- zahlst Du für eine werbefreie Tageszeitung gerne 5 EURO 20
- verzichtest Du in Zukunft gerne auf Konzerte, Theateraufführungen, Ausstellungen etc.
- überweist Du Google, Yahoo und stern.de jeden Monat 11 Euro 70, um sie werbefrei zu nutzen.
Nicht? Oh. Dann doch noch mal nachdenken, hm?
fuchs0202 (18.06.2008, 22:03 Uhr)
spam
werbung = spam, eine der am meisten
überschätzten wirtschaftszweige, wird an sinnlosigkeit nur noch von mc.kinsey überboten.
hjohjo (18.06.2008, 21:19 Uhr)
Dummgelaber
Soso, in keiner Bierwerbung wird also geneckt. Dann bilde ich mir die fiesen Streiche die sich die Darsteller in der ich glaube Hasseröder-Werbung spielen also nur ein?
MEHR ZUM ARTIKEL
Auto-Werbung Slogans für die Ewigkeit I

Er läuft, und läuft, und läuft, und läuft. Nicht nur die VW-Werber haben legendäre Werbe-Sprüche erfunden. Wissen Sie noch, welcher Slogan zu welchem Hersteller gehört? mehr...

Adobe Flash Player

 
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Günther Jauch
sternTV - Information und Unterhaltung mit Günther Jauch

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...