. .
News am 15.02.2012
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
25. November 2007, 08:53 Uhr

Tage der Abrechnung

Mit Betriebsrat Klaus Volkert steht nun die Hauptfigur im VW-Skandal vor Gericht. Es geht um Luxusreisen und Prostituierte auf Firmenkosten - aber auch um die Frage, was Untreue ist. Von Johannes Röhrig

Klaus Volkert, 64, stand von 1990 bis 2005 an der Spitze des VW_Betriebsrates und sah sich "auf Augenhöhe" mit Konzern-Boss Piëch© Rainer Jensen/DPA

Die brasilianische TV-Moderatorin Adriana Barros, 43, besuchte während ihrer siebenjährigen Liaison mit Deutschlands mächtigstem Arbeiterführer auf VW-Kosten einen Englischkurs in London. Er war recht teuer, wie so vieles bei Frau Barros, die Volkswagen insgesamt über eine Million Euro kostete. Reiche Früchte trug der Unterricht dennoch nicht, aber immerhin kann die Dame sich verständlich machen: "I HAVE TO MUCH PROBLEMS ABOUT MONEY", tippt sie in Großbuchstaben in eine E-Mail: "I HOPE YOU CAN HELP ME WITH THE SITUATION FROM TV." Doch Klaus Volkert, noch Betriebsratschef und Aufsichtsratsvize bei Europas größtem Autokonzern, kann nicht mehr helfen, als er diese Zeilen liest. "Das ist das Letzte, was du von mir hören wirst", schreibt er am 27. Juni 2005 zurück, "ich beende meinen Job!" Für den Fall, dass Fragen über ihre Rolle bei VW laut würden, stimmt er noch schnell die Aussagen ab: "Du hast für das Kinderprojekt … gearbeitet, OK?"

Volkert sollte "wertschätzend und nicht kleinlich" behandelt werden

Nun also, fast zweieinhalb Jahre später, sitzt Klaus Volkert, 64, als einer der Hauptbeschuldigten in dem VW-Skandal um Lustreisen und millionenschwere Zuwendungen auf der Anklagebank des Landgerichts Braunschweig. Die verräterische Mail an seine frühere Geliebte und das viele VW-Geld, zu dem er ihr verhalf; die fast zwei Millionen Euro an Sonderzahlungen, die er selbst heimlich einstrich; die Luxusreisen auf Firmenkosten und die Prostituierten, die er sich zuführen ließ - das alles könnte Volkert nun teuer zu stehen kommen.

Vieles aus dem wilden Leben des Arbeiter-Königs findet sich in der 81-seitigen Anklageschrift wieder. Ihm wird Anstiftung zur Untreue in 48 Fällen vorgeworfen. Auf gut dreieinhalb Jahre Haft zielt die Staatsanwaltschaft, ist zu hören. Es dürfte der spektakulärste Prozess im Zuge der VW-Affäre werden und für mehr Krawall sorgen als das Verfahren gegen den früheren VW-Vorstand Peter Hartz im Januar dieses Jahres. Bei Hartz, der seine Schuld um eines kurzen Prozesses willen eingestand, verzichtete das Gericht auf den Auftritt von Zeugen. Diesmal wird sich das Verfahren bis in den Januar hinziehen, sollte es nicht zu unerwarteten Geständnissen kommen. Es sind 18 Zeugen benannt, darunter der Porsche-Enkel und VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch. Der hat momentan Großes vor: Piëch, einst selbst VW-Chef, bereitet gerade die Übernahme von Volkswagen durch Porsche vor. Doch nun holt der Skandal den Konzern und sein Führungspersonal wieder ein.

Klaus-Joachim Gebauer, der damalige Personalmanager, war abbestellt, dem Betriebsratschef jeden Wunsch zu erfüllen© Jochen Luebke/DDP

Für Klaus Volkert sieht es nicht gut aus. Gegen ihn spricht, dass er der Hauptnutznießer des Systems war, mit dem bei VW vor allem Betriebsräte bei Laune gehalten wurden. Volkert sollte "großzügig behandelt" werden, "wertschätzend und nicht kleinlich", sagte Hartz in seinem Prozess aus. Der damalige Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer, dem nun zusammen mit Volkert der Prozess gemacht wird, war damals abgestellt, dem Betriebsratschef jeden Wunsch zu erfüllen. Gebauer rechnete die Kosten für Barros, die Bordellbesuche, die teuren Privatreisen rund um die Welt und anderes mehr über eine Vorstandskostenstelle bei Hartz ab. Wenn es keine Rechnung gab oder geben sollte, reichte er Eigenbelege ein - über 939 766 Euro. Gebauer wird von der Staatsanwaltschaft nun ein Schaden von mehr als 1,3 Millionen Euro angekreidet. Bei Volkert geht es um eine Schadensumme von rund 2,7 Millionen.

Ein auf Besserstellung drängender Mensch

Hartz belastete Volkert in seinem Prozess im Januar: Der ehemalige Personaldirektor beschrieb den Betriebsratschef als einen auf Besserstellung bedachten und drängenden Menschen. Dessen Forderung nach mehr Geld ("Dann mach mal was") habe Hartz erfüllt, indem er ihm erstmals für 1994 Sonderzahlungen zugeschanzt habe, die anderen Mitarbeitern und den eigentlich zuständigen Stellen im Unternehmen verborgen bleiben sollten. So kassierte der gelernte Schmied Volkert bis zu 290.000 Euro im Jahr heimlich nebenbei. Volkerts Gehalt, seine regulären Bonuszahlungen und die Sonderboni summierten sich in der Spitze, im Jahr 2002, auf 692 893 Euro.

Ein ähnliches Bild Volkerts zeichnete Hartz, als es um eine Beschäftigung der Brasilianerin Barros ging: Volkert habe "nicht locker gelassen". Die Geliebte erhielt schließlich über vier Jahre jeweils 23 008 Euro pro Quartal von VW. Die Grundlage hierfür sei ein "mündlich geschlossener Agenturvertrag" zur Pflege "interkultureller Beziehungen" gewesen, gab Volkert an. Hartz segnete die Zahlungen ab. Barros machte dafür ein paar PR-Filme über soziale Projekte des Konzerns. Adriana Barros gehört ebenfalls zum Kreis der Beschuldigten in der VW-Affäre. Doch dass sie sich aus dem warmen Brasilien nach Braunschweig bewegt, um sich hier ihre Strafe abzuholen, glaubt niemand. Barros selbst hält sich für unschuldig.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 47/2007

  zurück
1 2
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
VW-Untreueprozess Von Lustreisen und Schmiergeldern

Im System VW schien für die oberste Riege alles möglich zu sein. Jahrelang vergnügten sich Betriebsräte mit Billigung von Mitgliedern der Konzernleitung auf VW-Kosten. Im dritten Prozess belastet der Ex-Betriebsratsvorsitzende Klaus Volkert, einer der Hauptbeschuldigten in der Affäre, VW-Aufsichtsratschef Piëch. mehr...

Volkswagen-Affäre Die Prozesse gegen die VW-Manager

Es geht um Bestechung mit Lustreisen und Bordellbesuchen: Nach der Affäre beim Volkswagen-Konzern werden den Verantwortlichen die Prozesse gemacht. mehr...

 
stern testen, Serie sichern

Jetzt den stern inklusive der aktuellen Gesundheits-Serie testen! Jetzt sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (8/2012)
Whitney Houston