1. September 2009, 14:57 Uhr

Insolvenzverfahren eröffnet, Arcandor-Chef Eick geht

Das Essener Amtsgericht hat das Insolvenzverfahren für große Teile des Arcandor-Konzerns gestartet. Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick wird es verschmerzen können: Er verlässt das Unternehmen mit 15 Millionen Euro. Fünf Millionen will er zwar spenden, die Kanzlerin reagiert dennoch erbost.

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Geht mit 15 Millionen Euro nach Hause: Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick©

Das Amtsgericht Essen hat erwartungsgemäß am Dienstag das Insolvenzverfahren für den zahlungsunfähigen Arcandor-Konzern eröffnet. Insgesamt ergingen erste Beschlüsse über 21 Gesellschaften, teilte das Gericht am Dienstag mit. Darunter sind die Holding Arcandor AG sowie die wichtigsten Töchter wie die Karstadt Warenhaus GmbH und die Versandhandelsunternehmen Primondo GmbH und Quelle GmbH.

Vom Insolvenzverfahren unberührt sind die Reisetochter Thomas Cook und die Spezialversender der Primondo-Gruppe. Zum Insolvenzverwalter der wesentlichen Unternehmensteile sei Klaus Hubert Görg bestellt worden, sagte eine Gerichtssprecherin. Görg war bereits vorläufiger Insolvenzverwalter der Arcandor-Gesellschaften.

Konzern wird wohl aufgespalten

Mit der Eröffnung der Insolvenz fällt das Insolvenzgeld weg, das drei Monate lang von der Bundesagentur für Arbeit gezahlt wurde. Die Gesellschaften müssen sich also selbst finanzieren. Auch rückt damit die Aufspaltung des Konzerns näher. Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick war mit seinem Bemühen gescheitert, den Konzern als Ganzes zu erhalten. Görg will nun getrennt für die Warenhaussparte Karstadt und das Versandhandelsgeschäft Primondo rund um Quelle Investoren finden. Auch vom Verkauf des Thomas-Cook-Anteils sollen die Gläubiger profitieren.

Im Vordergrund steht aber zunächst die Finanzierung von Quelle, das zudem vor einem massiven Stellenabbau steht. Für Karstadt führt Görg derzeit Gespräche mit allen Beteiligten, um Sanierungsbeiträge auszuloten, bevor es ein Bieterverfahren geben soll.

Goldener Handschlag für Arcandor-Chef Eick

Für Konzernchef Eick sind ein halbes Jahr nach Amtsantritt die Tage in Essen gezählt. Er verlässt das Unternehmen. Auch andere Vorstände dürften ihren Posten räumen.

Allerdings fällt Eick denkbar weich: Für seine sechs Monate Arbeit im Konzern erhält er das gesamte Gehalt für fünf Jahre, 15 Millionen Euro. Eick erklärte sich mittlerweile bereit, ein Drittel des Geldes zu spenden. Bis zu fünf Millionen Euro sollen demnach Mitarbeitern des Arcandor-Konzerns zugutekommen, um soziale Härten wegen der Insolvenz abzufedern. Das Geld soll zunächst in einen neugegründeten Fonds fließen.

Zuvor hatte Eick in Interviews nur bedingt Verständnis für Empörung über die Summe gezeigt. "Ich komme aus einfachen Verhältnissen und weiß, dass 15 Millionen Euro sehr viel Geld ist - auch für mich", sagte der Manager etwa der "Bild am Sonntag". Dennoch sei die Kritik daran "nicht gerecht".

Merkel zeigt "absolut kein Verständnis"

Ein Arcandor-Sprecher erläuterte am Dienstag, die Summe entspreche etwa dem Gehalt, das Eick als Finanzvorstand der Deutschen Telekom zu erwarten gehabt hätte. Zahlen muss zudem das Bankhaus Sal. Oppenheim und nicht die insolvente Arcandor-Gesellschaft. Arcandor werde damit keinerlei Substanz für Mitarbeiter oder die Einzelgesellschaften entzogen.

Dennoch stößt die Millionenabfindung auch bei Bundeskanzlerin Angela Merkel auf heftige Kritik. "Wenn jemand, der ein insolventes Unternehmen leitet, für sechs Monate Arbeit das gesamte Gehalt für fünf Jahre bekommt, dann habe ich dafür absolut kein Verständnis", sagte die CDU-Chefin dem Bayerischen Rundfunk. "Da muss man überlegen, was man da machen kann." Damit verschärft die CDU-Politikerin vier Wochen vor der Bundestagswahl die Diskussion über Managergehälter.

Reuters/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 19)
 
Mile (02.09.2009, 10:01 Uhr)
Fünf Milionen Spenden?
Das ist ja der Witz schlechthin.
Wenn die Medien richtig berichtigt haben, dann sind diese fünf Millionen Boni, die er hätte bekommen sollen. Pro Jahr zwei Millionen Gehalt plus 1 Millionen Bonus.
Wie kann man dann noch annehmen, dass er Anspruch auf diese fünf Millionen hat. Was hat er denn erreicht?
sponge (02.09.2009, 09:28 Uhr)
Sehr viel Geld?
Herr Eick ich komme auch aus einfachen Verhältnissen und weiß das z.B. 100-tausend Euro sehr viel Geld sind.
15 Millionen Euro hingegen sind ein unglaubliches Vermögen, erwirtschaftet in 6-Monaten, sicherlich mit unzähligen Meetings und PowerPoint-Karaoke, sie Ärmster.
JohnnyCordoba (01.09.2009, 23:00 Uhr)
Ich bin auch erbost.....
wenn ich zur Kenntnis nehmen muss das ein Bundestagsabgeordneter nach 4 Jahren einen Pensionsanspruch von knapp 900 Euro hat und nach 8 Jahren das doppelte. Als Durchschnittsverdiener muss ich dafür gut 45 Jahre blechen. Von den Übergangsgeldern überhaupt nicht zu sprechen. Es muss sich generell was ändern in unserem Land.
Corazito3333 (01.09.2009, 22:37 Uhr)
Da muß man schauen, was man da machen muß..."
sagte die Angela und die anderen Pfeiffen machen auch nix.... 15 Mios für 1/2 Jahr arbeiten ohne Erfolg... und wie hoch wird dieses "Gehalt besteuert"
balldurian (01.09.2009, 20:54 Uhr)
Telefonverkäufer ...
... haben da eben so ihre tricks ...
Inlinen (01.09.2009, 20:33 Uhr)
Falscher Neid
Es ist Wahlkampf. Da wird unsere Kanzlerin noch mal richtig volksnah und kritisiert die hohe Abfindung.
Wenn man bedenkt wer im Kanzleramt seine Geburtstagsfeiern ausrichten darf und das sie mit der FDP nach der Wahl eine Regierung bilden will ist diese Äusserung von der früheren FDJ Sekretärin sowas von verlogen wie nur irgend was.
Wendehals bleibt halt Wendehals.
derSchmu (01.09.2009, 19:33 Uhr)
da rede einer nochmal von Neiddebatte...
ich mein, ein Gross der Bevoelkerung schuftet sich ein Leben lang kaputt fuer ne ungewisse Rente, jemand anderes schafft nichma n halbes Jahr (ok etwas zu dramatisch, eine gewisse Zeit fuer Bildung..aehem fuers Bilden der richtigen Kontakte und Hocharbeiten sei auch noch angerechnet) und hat dann eigentlich schon ausgedient...

Und wer noch kommt mit, Vertrag is Vertrag...klar, aber wer hat die Vertraege gemacht, der Vorstand mit dem Vorstand oder nicht? Wie kann man denn sonst solch einen Vertrag aufsetzen, wo einer auf jeden Fall fuer die 5 Jahre sein Gehalt bekommt, obwohl schon der ungebildeteste Buerger mitbekommen haben sollte, dass es Arcandor arg den Bach runter geht....

...obwohl eigentlich isses ne gute Idee, äh chef, koennma da die naechsten 5 Jahre nich jetz schon auszahlen, is doch sicherer fuer sie, wenn in nem Jahr der Lohn steigen sollte...
AtticusFinch (01.09.2009, 18:11 Uhr)
@Salzsteuer
Das Geld zahlt nicht Arcandor, sondern Sal. Oppenheimer als Gesellschafter. Vertraglich so geregelt. Scheint normal zu sein, dass man als Angestellter seinen Lohn nicht von der Firma, sondern von einem Gesellschafter erhält. Ein Schelm wer Böses dabei denkt.
hannes_schinder (01.09.2009, 17:22 Uhr)
Herr Eick Sie sollten sich ...
... schämen!
Arioffz (01.09.2009, 17:09 Uhr)
Politisch so gewollt
aber es ist Wahl und wir alle haben es in der Hand!
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