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Was die Super-Spender antreibt

40 superreiche Amerikaner spenden mindestens die Hälfte ihres Vermögens. Sie tun das auch aus Eitelkeit. Warum auch nicht, wenn der erhoffte Effekt eine globale Spendenflut sein könnte.

Von Sebastian Huld

  Die Eheleute Bill und Melinda Gates und der Investor Warren Buffett (v.l.n.r.) geben auf einer Pressekonferenz den ersten Erfolg von "The Giving Pledge" bekannt

Die Eheleute Bill und Melinda Gates und der Investor Warren Buffett (v.l.n.r.) geben auf einer Pressekonferenz den ersten Erfolg von "The Giving Pledge" bekannt

  • Sebastian Huld

Selten hat ein Milliardär so tief blicken lassen, wie der amerikanische Bankmanager George B. Kaiser: "Ich habe früh erkannt, dass ich meinen Reichtum weder meinem überlegenen Charakter noch meinem Ehrgeiz zu verdanken habe. Ich hatte einfach nur unverschämtes Glück und wurde in die höhere Gesellschaft hineingeboren." Als Gewinner der "Eierstock-Lotterie" will der zwölffache Milliardär etwas von seinem Glück an die weniger Privilegierten zurückgeben. Wie 39 andere Superreiche auch, die nun angekündigt haben, mindestens die Hälfte ihres Vermögens für wohltätige Zwecke zu spenden.

Die Initiative geht auf den Microsoft-Gründer Bill Gates und den Investor Warren Buffett zurück. Die beiden überraschten nun die Welt mit dem Vorhaben "The Giving Pledge", zu Deutsch: "das Spendenversprechen". Insgesamt 40 Milliardäre haben sich verpflichtet, große Teile ihres Vermögens zu spenden. Der für seinen bescheidenen Lebensstil bekannte Investor und drittreichste Mensch der Welt, Warren Buffett, hat bereits angekündigt 99 Prozent seines Vermögens abzugeben. Wie viel Geld auf diese Weise zusammen kommen wird, ist noch unklar. Erste Schätzungen gehen von mindestens 120 Milliarden Dollar, also 91 Milliarden Euro aus.

Das Who-is-who des Reichtums

Gates gehört schon lange zu den Großspendern Amerikas. Die "Bill & Melinda Gates Stiftung" hat in den vergangenen Jahren mehr als 22 Milliarden Dollar für medizinische Forschung und Entwicklungsprojekte ausgegeben. Laut "Forbes" besitzt der Microsoft-Gründer 53 Milliarden Dollar - es ist also noch der eine oder andere Dollar für den guten Zweck übrig. "Wir haben etwa 70 Leute angesprochen, die auf der "Forbes"-Liste stehen und denen wir so etwas zugetraut haben", sagt Buffett über das Projekt. "Einige wollten erst nicht, viele konnten wir dann doch überzeugen.", so Buffet weiter. Dazu haben ein paar Anrufe und ein paar exklusive Dinners im Haus der Familie Gates gereicht. Innerhalb von nur wenigen Wochen ist ein Club von Philantrophen entstanden, die ihr teilweise über Generationen entstandenes Vermögen nun weggeben wollen.

Sämtliche Spender, die auf der Website der Initiative vorgestellt werden, gehören zum Who-is-who der amerikanischen Gesellschaft. "Star Wars"-Erfinder George Lucas und CNN-Gründer Ted Turner, Hotel-Erbe Barron Hilton und Bankier David Rockefeller, Oracle-Gründer Larry Ellison und Designerin Diane von Fürstenberg. Aber auch weniger bekannte Männer und Frauen gehören zum "Club der Super-Spender". Jetzt wollen sie ihren Erfolg teilen. Geht es nach Gates und Buffet war das aber erst der Anfang. In Amerika gibt es laut "Forbes" über 400 Milliardäre, die Zahl der Millionäre gehen in die Tausende. Sie alle sollen umworben werden und danach die ganze Welt. Konkret haben die beiden als nächstes Ziel chinesische Superreiche im Auge.

Ein unbestimmtes Versprechen

Das Versprechen, sein Vermögen zu mindestens 50 Prozent wegzugeben, ist rechtlich nicht bindend. Auch die Spendenzwecke bestimmen die Reichen selbst - oder haben es bereits getan. Denn in den USA ist es üblich, zu spenden, wenn man es selbst geschafft hat. George Lucas etwa, reich geworden mit seinem Star-Wars-Imperium, betreibt seit Jahren eine Stiftung namens "George Lucas Educational Foundation", die sich um Innovationen in der Bildung bemüht. "Ich widme den Großteil meines Vermögens der Verbesserung von Bildung. Sie ist der Schlüssel für das Überleben der Menschheit", schreibt Lucas über sein Engagement auf thegivingpledge.org.

Andere, wie die weniger bekannten Milliardäre Michele Chan and Patrick Soon-Shiong bemühen sich um ein besseres Gesundheitssystem. In ihrem Spendenbrief erklären sie, wie wichtig sie ein gerechtes und modernes Gesundheitssystem finden.

Spenden als Gesellschaftsvertrag

Weil die Steuerquote in den USA vergleichsweise niedrig ist, kommen gemeinnützige Einrichtungen oft nicht ohne Spenden und andere Zuwendungen aus. Für Schulen, Universitäten und Museen, überhaupt für die meisten sozialen Einrichtungen ist das Fundraising, also das Spendeneintreiben, genauso wichtig wie ihre eigentlichen Aufgaben. Die Initiative von Bill Gates und Warren Buffet aber sprengt den bisher gewohnten Rahmen.

George B. Kaiser , Chef der BOK Financial Corporation, schreibt dazu: "Amerikas Gesellschaftsvertrag beruht auf der Chancengleichheit". Um diese herzustellen, müssten sich der Staat und die Privatwirtschaft gleichermaßen für den öffentlichen Sektor engagieren. Der Bankier David Rockenfeller verweist auf die lange Spendentradition seiner Familie: "Seit fünf Generation erfährt meine Familie tiefe Befriedigung und echtes Vergnügen durch ihre karikative Betätigung. Unser Engagement hat geholfen, großartige Einrichtungen wie Universität von Chicago, die Rockefeller Universität oder das Museum of Modern Art zu bauen."

Hohes Ansehen und ein reines Gewissen

Vermutlich motiviert neben diesem Verantwortungsgefühl auch der zu erwartende Ruhm und das Ansehen die Milliardäre. Der Unternehmer und Bürgermeister von New York, Michael Bloomberg gibt das auch freimütig zu: "Spenden hinterlassen ein Erbe, an das sich viele erinnern werden. Rockefeller, Carnegie, Frick, Vanderbilt, Stanford, Duke - wir erinnern uns ihrer vor allem wegen der langfristigen Erfolge ihres sozialen Engagements, als wegen der Firmen, die sie gründeten, oder wegen ihrer Erben." Wer viel spendet, geht in die Geschichte ein.

Den Ertrag ihrer Großherzigkeit können die viele Spender sogar schon zu Lebzeiten ernten. Schließlich, so der Robert Frank, Blogger des Wall Street Journal, sei "The Giving Pledge" das Statussymbol schlechthin: In Zeiten, in denen jeder dahergelaufene Ölscheich oder russischer Oligarch mit Luxusgütern protzen kann, fällt es den Superreichen immer schwerer sich abzugrenzen. Eine Mitgliedschaft bei "The Giving Pledge" dagegen muss man sich nicht nur leisten können, man muss sich regelrecht dazu überwinden. Der Club der Super-Spender dient zwar auch der Selbstdarstellung - doch die Angeberei erfüllt immerhin einen guten Zweck.

Liebe Leser, wir haben an dieser Stelle ursprünglich behauptet, 120 Milliarden US-Dollar entsprächen etwa 75 Milliarden Euro. Beim aktuellen Umrechnungskurs entsprechen 120 Milliarden Dollar ungefähr 91 Milliarden Euro, wir haben das korrigiert. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen

mit DPA

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