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10. Juli 2008, 09:14 Uhr

Boeing irritiert - EADS bleibt gelassen

Der schon sicher geglaubte Milliardenauftrag aus den USA ist gestoppt - doch der europäische Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS bleibt gelassen. Statt sich über die neue Chance zu freuen, ist Erzrivale Boeing nun irritiert. Der US-Konkurrent hatte bei der Ausschreibung den Kürzeren gezogen und Beschwerde eingelegt.

Zoom

Es hätte so schön sein können: Ein Flugzeug von EADS tankt einen B2-Bomber auf© EADS

Dem europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS droht der Verlust seines 35 Milliarden Dollar schweren Auftrags für eine neue Tankflugzeugflotte der US-Luftwaffe. US-Verteidigungsminister Robert Gates kündigte am Mittwoch an, den Auftrag neu auszuschreiben. Bis Ende des Jahres solle feststehen, wer den Zuschlag bekommt. Die Aufsicht liegt zudem nun beim Pentagon selbst und nicht mehr bei der Air Force.

Debatte in den USA

Die Entscheidung ist ein schwerer Rückschlag für EADS, doch in einer ersten Reaktion blieb die Konzernführung gelassen. Das Unternehmen hatte sich ursprünglich Ende Februar gemeinsam mit seinem US-Partner Northrop Grumman überraschend gegen den Erzrivalen Boeing durchgesetzt. Dies löste in den USA eine heftige politische Debatte aus. Boeing legte Beschwerde beim amerikanischen Rechnungshof ein. Die Behörde gelangte zu der Auffassung, dass der Luftwaffe bei dem Zuschlag für den Bau von 179 Tankflugzeugen schwere Fehler unterlaufen waren. Sie empfahl deshalb, die Ausschreibung zu wiederholen.

Die Punkte, die der Rechnungshof bemängelte, würden in der neuen Bewerbungsrunde angegangen, sagte Gates nun. "Und wir werden überarbeitete Vorschläge der Industrie ersuchen."

Hoffnung bei EADS, Skepsis bei Boeing

Die Airbus-Mutter EADS begrüßte in einer ersten Reaktion, dass das Pentagon bei der Neu-Ausschreibung den Fokus auf die bemängelten Aspekte legte und den Prozess nicht gänzlich vor vorne aufrollen wolle. Konzern-Chef Louis Gallois fügte hinzu, EADS werde Northrop voll unterstützen, um auf "die Bedürfnisse unseres Kunden" rasch einzugehen. Northrop äußerte sich ebenfalls positiv und erklärte, es müsse sichergestellt werden, dass die Neuausschreibung für beide Seiten eine faire Gelegenheit darstelle, die Stärken ihrer jeweiligen Vorschläge hervorzuheben.

Von Boeing kamen dagegen eher skeptische Töne. Zwar begrüßte der Konzern die Neuausschreibung ebenfalls. Allerdings äußerte er gleichzeitig die Sorge, die Auswahlkriterien könnten möglicherweise geändert werden.

Für die neue Bewerbungsrunde entzog der Verteidigungsminister der in die Kritik geratene US-Luftwaffe die Federführung in dem Verfahren. Stattdessen setzte er den Chef-Waffeneinkäufer des Pentagons, John Young, ein. Dieser betonte, auch diesmal werde der Zuschlag nur an eine Partei gehen. Eine Aufteilung des Auftrags sei nicht vorgesehen. "Wir haben nicht die Ressourcen, zwei unterschiedliche Tankerflotten zu entwickeln und zu unterhalten", sagte Young.

Der Tanker-Auftrag ist für EADS vor allem angesichts der vielen Probleme bei Airbus extrem wichtig. Das Wohl von EADS hängt zu stark von seiner defizitären Zivilflugzeug-Sparte ab. Diese dürfte zu spüren bekommen, dass der drastische Anstieg der Ölpreise rund um den Globus immer mehr Fluggesellschaften an den Rand des Bankrotts treibt. Airbus ist zusätzlich durch den Euro-Höhenflug angeschlagen, der seine Flugzeuge in vielen Ländern dramatisch verteuert. Auch vergangene Streitigkeiten im Management machen Airbus noch immer zu schaffen. Deshalb hat der Konzern als Ausweg aus den Problemen auf eine Expansion im Rüstungsgeschäft gesetzt - besonders in den USA.

Reuters
KOMMENTARE (10 von 11)
 
knilch_59 (10.07.2008, 12:11 Uhr)
Cool bleiben!
Mit diesem taktischen Manöver hat man die Entscheidung aus dem US-Präsidentenwahlkampf herausgezogen. Die Delegierten zur Wahlversammlung werden Anfang Oktober gewählt, das ist der entscheidende Tag. Der Konvent, an dem die Wahlmänner und –Frauen formal den Präsidenten wählen, ist Anfang Dezember, die Amtsübergabe Ende Januar. Durch die Vertagung der Entscheidung auf November / Dezember kann die Bush-Administration die Sache in Ruhe zu Ende bringen, ohne dass das im Wahlkampf zu sehr hochgekocht werden kann und ohne dass der nächste Präsident – egal aus welcher Ecke – gleich zu Anfang im Kreuzfeuer der Kritik steht.
520i (10.07.2008, 12:03 Uhr)
Bildunterschrift
"Es hätte so schön sein können"
Etwas mehr Pietät. Wie "senf-dazu-geben" schon richtig anmerkte, handelt es sich um einen Bomber, der da betankt wird. Zur Verteidung wird der sicher nicht genutzt.
Mile (10.07.2008, 11:34 Uhr)
Ich bin verwirrt
Der beauftragte Firma ist doch die amerikanischste Firma, die man sich vorstellen kann: Hersteller der B2-Bomber und der Nimitzflugzeugträger.
Aber weil sie nun mal keine Flugzeuge bauen, hatten sie vor das Grundgerüst von Airbus zu verwenden.
Mehr nicht.
Gebaut hätte man sie in den USA mit US-amerikanischen Arbeitern.
Gisella (10.07.2008, 11:17 Uhr)
Alexandros
--------genau- alles richtig gesagt.Die Amis sind nur für sich da- Deutschland interessiert die nicht. Auf Frau Merkel wurde gewartet , weil man sich von der Geld und andere Hilfe für die Invasionen der Bush Administration erhoffte. Wenn man bei jemanden im AR... steckt, nennt man das brown nose- wegen der Sch. in der die Nase steckt. und- niemand sollte sich vom OBAMA bessere Zeiten erhoffen- auch der wird nur für sein Land da sein- anders als hierzulande- alle anderen sind wichtiger als das eigene Land.
NewWorld (10.07.2008, 10:47 Uhr)
Wie erwartet...
...bekommt Airbus den Auftrag erstmal nicht. War irgendwie klar. Aber warum ist Boeing jetzt besorgt über mögliche Änderungen bei der Vergabe? Die müßten doch eigentlich feiern. Oder spielen die jetzt Theater?
embe (10.07.2008, 10:37 Uhr)
Lobbyarbeit
Bush und seine Vasallen(oder war es umgekehrt) werden schon dafür sorgen, das Ihnen dieses Geschäft nicht durch die Lappen geht.
Boeing überheblich, sich im Vorfeld des Auftrages sicher, wird sicher nicht den gleichen Fehler 2 mal machen. Das es bei der Neubewertung neutral und mit rechten Dingen zugeht, ist so unwahrscheinlich wie dei saubere wahl des amtierenden Päsidenten.
Hier sollte sich auch die EU einschalten, denn das ist offengelegter Protectionismus.
Alexandros1gr (10.07.2008, 10:19 Uhr)
Die Deutschen machen das schon
Die Deutschen machen das schon das sie den Auftrag an Boing abgeben .
Die Regierung (Merkel) wird bestimmt nichts gegen die USA kritisieren.Schließlich ist Deutschland der zweit großte Arschkriecher der Amis (Nach Polen)
der den AMIS ja zum teil bis zum Dündarm hinten drin steckt
senf-dazu-geben (10.07.2008, 10:11 Uhr)
Igitt
Dies werden die Tankflugzeuge sein, die in jetzigen und künftigen Kriegen die Bomberstaffeln auftanken, die dann erneut die Zivilbevölkerungen bombardieren werden.
whismerh2 (10.07.2008, 09:18 Uhr)
@Alexander0815
Warum dann nicht gleich so ?
Oder wird hier bewußt ein Zwist
provoziert, oder ein Politfuzzi
kann sich nun wichtig machen, in der Mehrzahl amerikanische Arbeitsplätze gerettet zu haben.
Auf jedenfall hat das nichts mit freier Wirtschaft zu tun, was immer wieder von allen Seiten propagiert wird.
Wenn das andersrum gelaufen wäre,
währen wir wieder die bösen Deutschen, aber die Amis dürfen ja tun was sie wollen,ohne mit Konsequenzen rechen zu müssen.
krischi (10.07.2008, 09:16 Uhr)
!
kann ich nur zustimmen, muß man sich nur siemens anschauen, da wird der laden vorgeführt als säßen da drinnen nur kinderschänder, dabei wurde geschmiert um eigene interessen zu wahren und was kommt jetzt raus? bei alstom in frankreich das gleiche geschmiere nur dort schützt der staat solche firmen, die im interesse des eigenen landes handeln, aber deutschland wie es nun mal ist, kasteinigt sich ja gerne selber...
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