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16. Juli 2008, 18:23 Uhr

Höchste Inflation seit 17 Jahren

Rekordstand: Die Inflation ist im Juni in den USA auf 5,0 Prozent gestiegen. Damit lag sie so hoch wie zuletzt im Jahr 1991. Größter Preistreiber war die Energie. US-Notenbankchef Ben Bernanke bezeichnete die Inflation schon als eine zusätzliche "Steuer".

Allein die Spritpreise verteuerten sich in den USA um gut zehn Prozent© Justin Sullivan/Getty Images/AFP

Rasant steigende Energiepreise haben die Inflationsrate in den USA auf den höchsten Stand seit 1991 getrieben. Die Verbraucherpreise stiegen im Juni um 5,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das Arbeitsministerium am Mittwoch mitteilte. Volkswirte hatten mit lediglich 4,5 Prozent gerechnet. Von Mai auf Juni kletterten die Lebenshaltungskosten um 1,1 Prozent und damit so stark wie zuletzt 1982. Größter Preistreiber war Energie. Sie verteuerte sich binnen Monatsfrist um 6,6 Prozent. Die Spritpreise legten mit 10,1 Prozent besonders deutlich zu.

Wenig Möglichkeiten für Zentralbank

US-Notenbankchef Ben Bernanke bezeichnete die Inflation in einer Anhörung vor dem US-Repräsentantenhaus als mittlerweile echte zusätzliche "Steuer" für die privaten Haushalte, die unter den Preisschüben besonders stark zu leiden hätten. "Es ist eine Top-Priorität für die Fed die Inflation auf ein akzeptables Level zubringen, das mit Preisstabilität vereinbar ist." Er räumte aber ein, dass die Zentralbank kaum Möglichkeiten hat, die steigenden Öl- und Rohstoffpreis zu dämpfen. Diese seien "außerhalb der Kontrolle der Federal Reserve". "Die Fed kann kein einziges zusätzliche Barrel Öl bereitstellen."

Eine Sprecherin von US-Präsident George W. Bush sagte, die Regierung sei sehr besorgt darüber, dass die Teuerung vor allem die Bezieher niedrigerer Einkommen immer stärker treffe. "Wir haben Vertrauen, dass Bernanke sowohl die Inflation als auch das Wirtschaftswachstum in den Griff bekommen wird", fügte sie hinzu.

Zinssenkungen unwahrscheinlich

Wegen der hohen Inflation wird es immer unwahrscheinlicher, dass die US-Notenbank der Wirtschaft mit weiteren Zinssenkungen unter die Arme greifen wird. Dabei haben sich die Anzeichen für einen deutlichen Abschwung zuletzt verdichtet. Zwar stieg die Industrieproduktion im Juni unerwartet um 0,5 Prozent und damit so stark wie seit knapp einem Jahr nicht mehr. Im gesamten zweiten Quartal schrumpfte sie aber mit 3,1 Prozent so deutlich wie zuletzt nach den Anschlägen vom 11. September 2001.

Die Fed hat ihren Leitzins wegen der Finanzkrise zuletzt schrittweise von 5,25 auf 2,0 Prozent gesenkt, um mit billigem Geld Konsum und Investitionen anzuschieben. Ökonomen sehen die Notenbank nun in der Zwickmühle. "Mit dem Inflationsanstieg wächst die Sorge, dass die Fed ihre Zinsen nicht noch weiter senken kann, selbst wenn die Wirtschaft weiter schwächeln sollte", sagte Wachovia-Chefvolkswirt Gary Thayer. "Und so lange die Wirtschaft darniederliegt, kann sie die Inflation nicht mit höheren Zinsen bekämpfen."

Zuletzt hatte die Fed wegen des massiven Teuerungsdrucks auf eine weitere Senkung des Leitzinses verzichtet und ihn im Juni bei zwei Prozent belassen. Seitdem wird an den Märkten über den weiteren Kurs der Notenbank spekuliert. Höhere Zinsen verteuern Kredite für Investitionen und Konsum. Sie können damit die Nachfrage und den Preisauftrieb dämpfen.

Reuters
 
 
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