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29. Juli 2008, 15:25 Uhr

Inflation wieder auf Rekordniveau

Die Teuerung bleibt auf hohem Niveau: Im Juli sind die Verbraucherpreise um 3,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gestiegen. Das ist der höchste Anstieg seit Dezember 1993. Doch im August soll es noch schlimmer kommen.

Die Benzinpreise gehörten auch im Juli zu den Preistreibern© Nigel Treblin/DDP

Ein erneuter Preisschub bei Energie hat die Inflation im Juli auf dem höchsten Niveau seit fast 15 Jahren gehalten. Die Verbraucherpreise stiegen wie schon im Juni um 3,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt nach vorläufigen Berechnungen mitteilte. Einen kräftigeren Anstieg hatte es zuletzt im Dezember 1993 mit 4,2 Prozent gegeben. Experten sehen den Höhepunkt der Teuerungswelle erst im August erreicht, wenn die angekündigten Strom- und Gaspreiserhöhungen kommen.

Preistreiber Nummer eins bleibt das Öl. Ein Fass Rohöl kostete am 11. Juli mit mehr als 147 Dollar so viel wie noch nie. In der zweiten Monatshälfte sank der Preis zwar spürbar und liegt derzeit um gut 20 Dollar unter seinem Rekordhoch. Weil die Statistiker aber die Preise zur Monatsmitte auswerten, machte sich dieser deutliche Rückgang in der Teuerungsrate noch nicht bemerkbar. Sprit verteuerte sich beispielsweise in Hessen um 14,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, Heizöl um 56,5 Prozent, Strom um sechs Prozent und Gas um 5,8 Prozent. Ohne Heizöl und Kraftstoffe hätte die Teuerungsrate bundesweit lediglich 2,2 Prozent betragen. Auch Nahrungsmittel verteuerten sich mit acht Prozent spürbar.

Ihren Höhepunkt dürfte die Inflation nach Einschätzung von Experten im August erreichen. "Dann könnte es eine Teuerungsrate von 3,4 oder 3,5 Prozent geben", sagte Commerzbank-Analyst Matthias Rubisch. Ein Grund dafür sei, dass die Preise für Gas und Fernwärme spürbar anziehen dürften. Sie folgen den Ölpreisen meist mit Verzögerung. Nach Angaben des Verbraucherportals Verivox wollen mehr als 100 Gasversorger am 1. August ihre Preise anheben - um bis zu 29 Prozent.

Das Hamburgische Welt-Wirtschafts-Institut (HWWI) erwartet gegen Jahresende Inflationsraten von unter drei Prozent, die sich im Laufe des nächsten Jahres der Marke von zwei Prozent annähern sollten. "Vorausgesetzt, der Ölpreis zieht nicht weiter kräftig an", sagte HWWI-Experte Jörg Hinze. Das Ölkartell Opec hält langfristig einen weiteren Rückgang der Ölpreise auf 80 Dollar je Fass für denkbar. Die heutigen Preise seien "nicht normal", sagte Opec-Präsident Chakib Chelil.

Wegen der starken Inflation fällt der private Konsum nach Einschätzung des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) auch in diesem Jahr als Konjunkturmotor aus. Die Kaufkraft der privaten Haushalte werde dadurch geschmälert, sagte BdB-Vorstand Manfred Weber.

Von Juni auf Juli zogen die Preise um durchschnittlich 0,6 Prozent an. Mit Beginn der Ferienzeit verteuerten sich Pauschalreisen um 13,8 Prozent und Ferienwohnungen um 27,1 Prozent. Der für europäische Vergleichszwecke berechnete Harmonisierte Verbraucherpreisindex stieg ebenfalls um 0,6 Prozent zum Vormonat und um 3,4 Prozent zum Vorjahr. Die Europäische Zentralbank sieht stabile Preise mittelfristig nur bei Raten von knapp unter zwei Prozent gewährleistet.

Reuters
 
 
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