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Schlecker geht, Tante Emma kommt

Die Schlecker-Pleite treibt den Trend zum Tante-Emma-Laden an. Überall in Deutschland ziehen in leere Filialen Dorfläden ein. Einkaufen wie zu Omas Zeiten ist cool - auch im fränkischen Schönberg.

Von Malte Arnsperger, Schönberg

  Schwer im Kommen: Tante Emmas großes Angebot auf kleinem Raum. Soziale Kontakte gibt's gratis dazu.

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  • Malte Arnsperger

Luka hat eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe. Der Zehnjährige aus dem fränkischen Dorf Schönberg soll das Frühstück für seine Familie besorgen. Seine Mutter hat dem Jungen genau aufgetragen, was er kaufen soll: Eine Apfeltasche, ein Körnerbrötchen, vier Brezn, drei Bamberger Hörnchen. Luka ist schon groß, er braucht keinen Einkaufszettel, er merkt sich das. Und weil Luka schon richtig groß ist, darf er ganz alleine mit dem Rad zum Dorfladen fahren. Luka findet das "cool".

Cool? Einkaufen im Tante-Emma-Laden? Scheinbar ein Gegensatz. Schließlich war es jahrzehntelang in Deutschland angesagt, durch stetig größer werdende Supermärkte zu irren. Raumschiffen gleich landeten immer mehr dieser oft tausende Quadratmeter großen vermeintlichen Einkaufsparadiese auf der Wiese außerhalb der Orte und versprachen ihren Kunden massenhaft Parkplätze, günstige Preise und eine riesige Auswahl. Dagegen konnten viele kleine Läden nicht bestehen, das Tante-Emma-Laden-Sterben setzte ein. Doch seit einigen Jahren geht der Trend in die andere Richtung. Der Dorfladen erlebt eine Renaissance - und die Schlecker-Pleite ist da nur ein Faktor.

Nicht mehr so abhängig sein

Auch in Schönberg, einem 1600-Einwohner-Ort 20 Kilometer westlich von Nürnberg, gab es bis vor rund drei Jahren noch einen Schlecker. Nachdem der dicht gemacht hatte, stand das Ladenlokal in der Dorfmitte leer. Ab Mitte September sollen hier wieder Shampoo und Zahnpasta verkauft werden, sowie rund 2000 andere Artikel, vom Apfel über die Wurst bis zur Milch - vor allem aus regionaler Produktion. Noch stehen allerdings statt voller Regale Kartons und Leitern umher. Es riecht nach frischer Farbe. Und nach frischem Brot. Denn um ihr neues Geschäft bei der Kundschaft bekannt zu machen, haben die Betreiber für eine zweitägige Testphase den Bäckereibereich des Ladens schon geöffnet.

Drei Brezn und ein Körnerbrot liegen im Korb von Lisbeth Schmaus. Die 73-Jährige wohnt seit ihrer Geburt in Schönberg. Sie hat noch die Zeiten erlebt, als hier eine ganze Handvoll von Lebensmittelmärkten um Kundschaft buhlten. Nach und nach haben sie alle zugemacht, der letzte Bäcker, der auch einige Esswaren anbot, vor einigen Wochen. "Ich habe kein Auto", sagt Lisbeth Schmaus. "Meine Tochter hat mir immer Lebensmittel aus der Stadt mitgebracht. Aber jetzt mit dem neuen Dorfladen werde ich nicht mehr so abhängig sein, das ist wirklich schön." Und vielleicht, so erhofft sich die Rentnerin, kommt sie beim Einkaufen auch mehr mit den anderen Dorfbewohnern ins Gespräch.

Ladenbesitzer profitieren "von der Demografie"

Es sind Menschen mit Wünschen wie Lisbeth Schmaus, für die ein Dorfladen wohl der größte Gewinn ist und die deshalb auch zu den treuesten Kunden werden könnten. "Es gibt immer mehr ältere Menschen, die alleine wohnen. Für die kann so ein Geschäft eine Art Ersatzfamilie werden", sagt Wolfgang Gröll. "Die Demografie spielt den Betreibern der Dorfläden in die Karten." Es hört sich authentisch an, wenn Gröll so euphorisch über die Tante-Emma-Läden des 21. Jahrhunderts spricht. Seine Begeisterung ist allerdings auch berufsbedingt. Gröll ist ein bundesweit gefragter Berater in Sachen Dorfladen. Auch die Betreiber in Schönberg haben auf seine Expertise vertraut. Er habe viel zu tun, sagt Gröll. Vor einigen Jahren habe er nur eine Handvoll von Neueröffnungen betreut, in diesem Jahr könnten es 80 bis 90 Projekte werden.

Gründe für diesen Boom gibt es reichlich: Da wäre die von Gröll angesprochene Alterung der Gesellschaft. Zu der demografischen Entwicklung gehört auch, dass es immer mehr kleine Haushalte mit ein, zwei oder maximal drei Personen gibt. Die, davon ist Berater Gröll überzeugt, müssen nicht zweimal in der Woche riesige Mengen einkaufen, sondern freuen sich, wenn sie nach der Arbeit oder am Wochenende gleich gegenüber ihre überschaubaren Besorgungen machen können.

Mit Schlecker ging die letzte Grundversorgung

Wie erwähnt, wird der Dorfladen-Hype von dem erst schleichenden und dann plötzlichen Wegfall der Schlecker-Läden angeheizt. Denn die Drogerie-Supermärkte hatten in vielen Dörfern auch die Lebensmittelgrundversorgung übernommen. "Ich glaube schon, dass die Schlecker-Pleite eine Art Wachrüttler für die Leute sein kann", sagt die Journalistin Kristina Pezzei. "Wenn die nämlich jetzt wirklich merken, dass in ihren Orten nach der Post, der Bank und dem Bäcker auch das letzte bisschen Nahversorgung weggefallen ist." Pezzei hat monatelang Dorfläden in Deutschland besucht, bald wird ihr Buch "Verkaufen können wir selber! - Wie sich Landmenschen ihren Laden zurück ins Dorf holen" (Metropolis Verlag) erscheinen. Das allerdings aus jedem ehemaligen Schlecker ein neuer Tante-Emma-Laden wird, glaubt auch Pezzei nicht. Denn da hinter den Geschäftsmodellen meist kein Konzern steht, braucht es engagierte Bürger.

Im fränkischen Schönberg sind dies Peter Lang und seine Mitstreiter. Seitdem im vergangenen Jahr klar wurde, dass der letzte Bäcker zumacht, planen sie ihren Laden. Im Mai gründeten sie dann die "Schönberg Dorfladen e.G.". Die Unterstützung der Schönberger ist groß, die Genossenschaft hat weit mehr 250-Euro-Anteile verkauft als geplant. Über 60.000 Euro Startkapital sind so zusammengekommen. "Ein Dorf läuft nur, wenn man sich engagiert", sagt Lang. "Egal, ob in der Freiwilligen Feuerwehr oder beim Sportverein. Und für den Zusammenhalt eines Dorfes ist eben ein Laden ganz wichtig. Ohne einen Laden ist ein Dorf tot."

Politiker freut "funktionierende Infrastruktur"

Dieselbe Meinung vertritt der Bürgermeister der Stadt Lauf, zu der Schönberg gehört. "Ich sehe diesen Dorfladen uneingeschränkt positiv", sagt Benedikt Bisping. "Für unsere Stadtentwicklung ist es ganz wichtig, dass es auch in den Ortsteilen eine funktionierende Infrastruktur gibt." Die Stadt habe deshalb die Machbarkeitsstudie des Schönberger Dorfladens finanziell unterstützt und als Privatperson habe er selber Genossenschaftsanteile gekauft.

Unter den Kunden gibt es ebenfalls viele Anteilseigner. Das wirkt sich auf die Einkaufsatmosphäre aus. Die Leute holen sich nicht nur ihr Nusshörnchen für 1,10 Euro und trinken dazu einen Kaffee für einen Euro. Sie interessieren sich für den Dorfladen und fragen nach. "Und wie läuft's?" Oder: "Na, gibt's noch Probleme?" Sie loben ("Hübsch ist es geworden") oder wünschen einfach nur "viel Glück und volle Kassen".

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