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"Vor Apple und Google haben wir keine Angst"

Bis 2016 ist Martin Winterkorn der Boss bei Volkswagen. Im stern spricht der VW-Mann erstmals ausführlich über die Regelung für seine Nachfolge - und zwei neue mächtige Konkurrenten.

Von Jan Boris Wintzenburg

  VW-Chef Martin Winterkorn lässt im stern-Interview offen, ob er nach Ende seines Vertrages im Jahr 2016 noch einmal für eine Verlängerung zur Verfügung steht

VW-Chef Martin Winterkorn lässt im stern-Interview offen, ob er nach Ende seines Vertrages im Jahr 2016 noch einmal für eine Verlängerung zur Verfügung steht

Volkswagen-Chef Martin Winterkorn, der im Mai 68 wird, ist der älteste Chef eines Dax-Unternehmens. Sein Vertrag läuft noch bis Ende 2016. Im stern hat er sich nun erstmals ausführlich zur Regelung seiner Nachfolge geäußert - und bekannt: "Die Entscheidung, wer einmal mein Nachfolger wird, ist sicher keine einfache für den Aufsichtsrat."

Ein "richtiges Kochbuch" gebe es für den nächsten VW-Chef nicht, aber einige wichtige Kriterien: "Ein Volkswagen-Chef muss sicher eine große Affinität zu unseren Produkten haben", so Winterkorn. "Er muss eine Nähe zum Kunden haben. Er muss eine Beziehung zu den Händlern haben, das ist sehr wichtig. Und er muss im Volkswagen-Konzern sicher eine gewisse Sozialverträglichkeit haben. Es kommt, wie immer, auf die Persönlichkeit an." Es helfe außerdem, ein Ingenieur zu sein. Der immer wieder als Kandidat genannte Audi-Chef Rupert Stadler ist selber Betriebswirt.

"Am Ende muss einer entscheiden"

Bei Volkswagen sei Führungsqualität gefragt: "Volkswagen ist mit der starken Persönlichkeit an der Spitze bisher nicht schlecht gefahren." Es sei zwar ein Team am Werk, nicht nur ein Einzelner. "Aber am Ende muss einer entscheiden. Man kann ja nicht ewig diskutieren, wie ein Scheinwerfer aussehen muss", so Winterkorn.

Zum Kandidatenkreis zählt Winterkorn offenkundig Herbert Diess und Andreas Renschler zwei Topmanager, die er gerade von der Konkurrenz in den Volkswagen-Vorstand gelotst hat: "Beide Kollegen sind Manager, die in ihren vorherigen Unternehmen gute Arbeit geleistet haben. Sonst hätten wir sie nicht geholt." Aber auch unter den internen Führungskräften seien "mehrere dabei, die den Job genauso gut könnten", wie er. Der Aufsichtsrat werde "zum richtigen Zeitpunkt entscheiden". Zu ambitionierte Manager im Konzern warnt er jedenfalls schon mal: "Bei uns geht es um Leistung, nicht ums Profilieren."

Ob er selber noch mal für eine Vertragsverlängerung zur Verfügung steht, ließ Winterkorn offen: "Man weiß es nie. Mein Vertrag endet 2016, und es hängt immer davon ab, wie die Situation ist. Ich hätte mir vor vier Jahren auch nicht vorstellen können, dass ich bis 69 arbeite." Sollte er sich zur Ruhe setzen, werde er nach Bayern ziehen. Von dort stammt seine Frau Anita. Allerdings könne er sich gut vorstellen, dann in den Volkswagen-Aufsichtsrat einzuziehen. Damit bliebe er dem Konzern mit seiner Fachkompetenz erhalten – und wäre seinem Nachfolger ein mächtiger, fast allwissender Aufseher. Für einen neuen Mann an der Spitze kann das Fluch und Segen zu gleich bedeuten.

Was Autos betrifft, ist Apple kein Wettbewerber

Zur neuen Konkurrenz von Firmen wie Apple oder Google äußert sich Martin Winterkorn gelassen: "Angst haben wir nicht. Bei der Digitalisierung im Fahrzeug und dem Bedienkomfort ist Apple ein Wettbewerber. Was Autos betrifft, sicher nicht." Der Vorsprung der etablierten Hersteller sei einfach zu groß. "Für geringe Geschwindigkeiten und elektrische Autos kann ich mir auch vorstellen, dass Apple oder Google das hinbekommen. Aber wenn man in den Bereich jenseits von 100 Stundenkilometern geht, dann muss man schon die Regeln der Physik und nicht nur die der Digitalisierung beherrschen." Winterkorn vergleicht die von Google projektierten Elektroautos mit Golf-Carts. Die würden ja auch von kleinen Herstellern ohne allzu viel Fahrzeug-Knowhow hergestellt.

Mehr sorgen bereitet dem Manager der Forschungsstandort Deutschland: Winterkorn fordert von der Bundesregierung, neben der A9 noch weitere Versuchsstrecken für autonomes Fahren auszuweisen: "Sonst droht die Forschung nach Kalifornien abzuwandern. "Der VW-Chef griff die Politik auch wegen des Zustandes der deutschen Infrastruktur an: "Ich mache mir Sorgen. Wir müssten deutlich mehr für den Erhalt der Autobahnen tun." Dafür sollte das Geld verwendet werden, das aus der Automobilbranche in die Staatskasse fließt: "Wir sind die größten Steuerzahler im Land."

Das komplette Interview ...

... lesen Sie im neuen stern, der am Mittwoch ab 18 Uhr als E-Mag und am Donnerstag am Kiosk erhältlich ist.

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