7. Juni 2012, 16:55 Uhr

Von der Leyen will Schlecker-Frauen als Erzieherinnen

Nach der Schlecker-Pleite stehen bundesweit tausende Verkäuferinnen vor der Arbeitslosigkeit. Die Bundesregierung hat sich nun einen Plan B für die Frauen überlegt: Sie sollen sich um Senioren und Kinder kümmern.

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Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) will den Schlecker-Frauen mit einem unkonventionellen Vorschlag helfen©

Nach dem Aus für Schlecker wollen Bundesregierung, Bundesagentur für Arbeit (BA) und die Gewerkschaft Verdi für die betroffenen Frauen neue berufliche Perspektiven aufzeigen. In strukturschwachen Gebieten könnten etwa Umschulungen zur Erzieherin oder Altenpflegerin angeboten werden, erklärte Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) am Donnerstag in Berlin. In den rund 2800 Filialen soll am Freitag der Ausverkauf beginnen.

Akut betroffen von der Schlecker-Zerschlagung sind laut von der Leyen etwa 25.000 Beschäftigte im ganzen Bundesgebiet, überwiegend Frauen. Von den 11.190 Mitarbeitern, die mit der ersten Entlassungswelle im März arbeitslos wurden, sind nach Angaben von BA-Chef Frank-Jürgen Weise 5000 in neue Jobs vermittelt worden. "Das ist nach zwei Monaten keine Zahl, die beruhigt", räumte Weise ein.

Laut Verdi-Chef Frank Bsirske stehen im Handel 360.000 Arbeitssuchende 25.000 offenen Stellen gegenüber. Angesichts dieser Situation müssten neue Chancen erschlossen werden. Da bei Erziehern und Altenpflegern eine "ausgesprochene Mangelsituation" herrsche, biete sich für die ehemaligen Schlecker-Mitarbeiter in diesem Bereich eine Qualifizierung an. Dies könne sowohl für die Betroffenen als auch "für die Gesellschaft insgesamt" eine Chance sein, sagte Bsirske und fügte hinzu: "Wir wollen das Beste aus dieser dramatischen Situation machen."

BA will Weiterqualifizierung finanzieren

"Die Frauen haben Lebenserfahrung, die Qualifikationen, die händeringend gesucht werden", betonte auch von der Leyen. Das Geld für die Umschulungen stehe mit der sogenannten Initiative zur Flankierung des Strukturwandels zur Verfügung. Außerdem gelte für die Schlecker-Mitarbeiter, die sich für eine Weiterqualifizierung entscheiden würden, Bestandsschutz, "wenn ein Kind da ist". Sie erhielten für die Dauer der Umschulung das Arbeitslosengeld I.

Die Bundesagentur für Arbeit mit ihren tausend Standorten sei für die Aufgaben im Zusammenhang mit der Schlecker-Insolvenz "gut aufgestellt", betonte BA-Chef Weise. Die Agentur helfe bei der Vermittlung in neue Jobs, biete Bewerbungstrainings und Weiterbildungskurse an und könne in strukturschwachen Gebieten auch "die komplette Ausbildung" zu einem der Mangelberufe finanzieren.

Ausverkauf startet am Freitag

Beim Ausverkauf in den Filialen winken den Schlecker-Kunden laut einem Bericht der "Bild" Preisnachlässe bis zu 50 Prozent. Auf das gesamte Sortiment werde es einen Nachlass von 30 Prozent geben, ausgewählte Produkte wie zum Beispiel Saisonware oder Badezimmerbedarf würden für den halben Preis angeboten.

Laut einem Bericht der "Bild" vom Donnerstag verkaufte Anton Schlecker wenige Tage vor dem Insolvenzantrag ein Logistikzentrum im österreichischen Pöchlarn an seine Kinder Meike und Lars. Für das Zentrallager hätten sie ihrem Vater 2,5 Millionen Euro gezahlt, berichtete die "Bild" unter Berufung auf den ihr vorliegenden Vertrag. Durch den Verkauf kam die Immobilie nicht in die Insolvenzmasse. Der Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz will die Vorgänge laut "Bild" prüfen.

Geiwitz hatte am vergangenen Freitag nach monatelanger Suche nach Investoren die endgültige Zerschlagung der Kette bekanntgegeben. Betroffen sind rund 2800 deutsche Filialen mit 13.800 Beschäftigten. Die meisten Mitarbeiter sollen ihre Kündigungen bis Ende Juni erhalten.

mlr/AFP
 
 
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