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29. November 2007, 16:56 Uhr

Köhler geißelt Manager-Bezüge

Lob von allen Seiten: Die Kritik von Bundespräsident Horst Köhler an den Manager-Gehältern in Deutschland ist bei Politik und Gewerkschaften gut angekommen. Die Betroffenen selbst wollen von zu hohen Gehältern nichts wissen.

Horst Köhler greift Manager an© Fritz Reiss AP

Bundespräsident Horst Köhler hat überzogene Managergehälter angeprangert und dafür gleichermaßen Lob von SPD, CDU und den Gewerkschaften geerntet. Die wachsende Kluft zu den Einkommen der Topmanager gefährde den Zusammenhalt der Gesellschaft, warnte Köhler am Donnerstag im "Handelsblatt". "Ich sehe eine Entfremdung zwischen Unternehmen und Gesellschaft." Die Wirtschaft müsse gegensteuern und moralische Führung zeigen: "Sozialer Frieden ist allemal ein wichtiger Standortvorteil Deutschlands."

CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla pflichtete Köhler bei. SPD-Chef Kurt Beck sagte, er teile die Sorge des Staatschefs ausdrücklich. DGB-Chef Michael Sommer nannte es sehr hilfreich, dass der Bundespräsident die Einkommensschere als Fehlentwicklung bezeichnet habe.

Gesellschaftliche Verantwortung gefragt

Köhler unterstrich, die Vorstände entschieden nicht selbst über ihre Gehälter. "Gefragt sind also verantwortungsbewusste Aufsichtsräte und Aktionäre. Sie haben dafür zu sorgen, dass Manager in ihren Einkommensvorstellungen nicht die Bodenhaftung verlieren." Das Staatsoberhaupt warb für eine "Kultur der Mäßigung" und appellierte an die Führungskräfte in den Unternehmen, ihre Vorbildfunktion wahrzunehmen.

Pofalla unterstützte Köhlers Argumentation, wandte sich aber gegen gesetzliche Obergrenzen für Topgehälter, wie sie Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) ins Spiel gebracht hatte. "Den Belegschaften wurde vieles in den vergangenen Jahren abverlangt, und die Manager bedienen sich in einer Weise, die nicht akzeptabel ist", kritisierte der CDU-Generalsekretär und fügte an: "Ich bin aber gegen gesetzliche Regelungen." Stattdessen müssten die Konzerne zur Veröffentlichung der Vorstandsgehälter bewegt werden. SPD-Chef Beck sagte, für Menschen, die wenig verdienten, sei es eine Strapaze, dass ihnen Vieles zugemutet werde, während andere derlei Gehaltsregelungen für sich in Anspruch nehmen könnten.

Freiwillige Obergrenzen gefordert

DGB-Chef Sommer forderte hingegen im Gespräch mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" von der Wirtschaft, freiwillig Obergrenzen für die Vorstandsmitglieder zu vereinbarten, die in angemessenem Verhältnis etwa zum jeweiligen Facharbeiterlohn stünden. Die Beschäftigten hätten kein Verständnis dafür, dass die Managerbezüge zweistellig stiegen, während ihre eigenen Reallöhne stagnierten.

Siemens-Chef Peter Löscher verteidigte seine Millionenbezüge gegen Kritik. Verglichen mit den Gehältern der Vorstandschefs anderer Dax-Unternehmen seien seine Einkünfte noch moderat, im internationalen Vergleich sowieso, sagte er. Der Aufsichtsrat habe bei seiner Vergütung "Augenmaß bewiesen". Löscher hat in seinem ersten Quartal bei Siemens 1,7 Millionen Euro in bar und Aktien im Wert von einer Million Euro erhalten. Sein Jahreseinkommen liegt bei voraussichtlich mindestens 4,4 Millionen Euro.

 
 
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