Hilfe, wo bleibt mein Paket?

20. Dezember 2012, 07:11 Uhr

Millionen Bürger hoffen, dass ihre Pakete rechtzeitig zu Weihnachten geliefert werden. Die Post mobilisiert alle Kräfte, dennoch kommt manche Sendung auf skurrile Abwege. Viele Kunden sind verärgert. Von Daniel Bakir

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Die Post wirbt auf ihren DHL-Wagen mit dem Weihnachtsmann.©

Hätte der Weihnachtsmann geahnt, dass die Menschen einmal Amazon, Ebay und Co. erfinden würden, er hätte sich wohl einen anderen Job gesucht. Die Anhänger des Christkindes dagegen sollten sich ernsthaft fragen, ob der moderne Päckchenwahnsinn noch mit den Bestimmungen des Jugendarbeitsschutzes vereinbar ist.

Tatsächlich wird der Mythos, dass die Weihnachtsgeschenke per Boten in die Häuser der Menschen gebracht werden, immer mehr Realität. Nur, dass eben keine goldgelockten Kinder oder bärtige alte Männer mit den Auswüchsen des Internetshoppings kämpfen, sondern die Paketdienste. Allein Marktführer DHL trägt in den beiden Wochen vor Weihnachten sechs bis sieben Millionen Pakete pro Tag aus. Im Rest des Jahres sind es nur drei Millionen Pakete am Tag. Die Zahl der Sendungen zu Weihnachten 2012 sei deutlich höher als im Vorjahr, sagte eine Sprecherin der Post-Tochter stern.de.

Aus Mangel an Rentieren setzt die Post in diesem Jahr 62 Sonderzüge der Bahn ein, um die Paketflut zu bewältigen. Zudem sind 10.000 zusätzliche Aushilfskräfte in den Paketzentren oder als Zusteller beschäftigt. "Wir sind gut vorbereitet", heißt es bei DHL.

Verschollene Pakete

Viele Kunden sehen das anders. Sie berichten von Lieferverzögerungen, verschollenen Paketen und überquellenden Packstationen. Weil es an der Servicehotline zeitweise kein Durchkommen gibt, entladen viele ihren Frust auf der Facebookseite von DHL. Wer die letzten 50 Pinnwandeinträge durchliest, kann danach gleich wieder oben anfangen, weil schon 50 neue Beschwerden da sind. "Kundenservice, was ist das? Schriftliche und telefonische Beschwerden nimmt keiner ernst... ich warte mittlerweile 9 Tage", schreibt etwa ein Kunde.

Ein typischer Eintrag beginnt so: "Hallo DHL, ich weiß ja, dass wir mitten in der Weihnachtszeit stecken und dass ihr bestimmt viel zu tun habt, aber…". Es folgen verzweifelte Nachfragen zu sehnlichst erwarteten Paketen, verärgerte Bemerkungen über die schlechte Erreichbarkeit des Services sowie skurrile Einzelfälle. Eine Kundin wundert sich, dass ihr Paket statt in Essen in Düsseldorf gelandet ist, eine andere dokumentiert anhand des online einsehbaren Sendungsverlaufs die mehrwöchige Odyssee ihrer Lieferung zwischen verschiedenen Start- und Ziel-Paketzentren.

Zielscheibe der Kritik sind auch einige Zusteller, die offenbar aus Zeitmangel gar nicht erst klingeln, sondern direkt den Benachrichtigungszettel in den Briefkasten werfen und das Päckchen anderswo abliefern. "Wir waren den ganzen Tag zu Hause, hatten weder laute Musik an, noch waren wir kurz draußen. Wir müssten auf jeden Fall den Boten klingeln gehört haben", schreibt einer derjenigen, die ihrer Sendung nun hinterher laufen müssen.

Packstationen laufen voll

Auch viele Kunden von Packstationen sind nicht besser dran. Da einige Stationen schlicht voll sind, werden viele Sendungen an die nächste Filiale weitergeleitet. Statt rund um die Uhr kommen die Kunden dort aber nur zwischen 9 und 18 Uhr an ihr Paket - für Vollzeitarbeiter ein Problem. Bleibt die Samstagvormittagsschlange. Und auch dann kann man noch Pech haben: Ein Kunde berichtet "stark angepisst", dass er nach einem erfolglosen Zustellversuch auch noch zwischen verschiedenen Filialen hin- und hergeschickt wurde.

Die Post bestätigt, dass viele Packstationen überfüllt sind und auf benachbarte Postfilialen ausgewichen werden muss. Abgesehen davon gebe es aber keine größeren Probleme. Die Menge der Pakete werde gut bewältigt. "Die Mehrzahl der Sendungen wird innerhalb eines Tages ab Versand geliefert", sagt die DHL-Sprecherin. Mit ein bis zwei Tagen Lieferzeit könnten die Kunden bis zuletzt rechnen. Um möglichst viele Weihnachtsfeste zu retten, sind DHL-Mitarbeiter ausnahmsweise auch am kommenden Sonntag deutschlandweit im Einsatz. Na dann: Schöne Bescherung!

P.S. Haben Sie auch gerade Stress wegen der Weihnachtspost? Oder kaufen Sie noch ganz klassisch im Geschäft? Diskutieren Sie mit auf unserer Facebook-Seite.

 
 
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