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Textilketten "dürfen nicht weiter über Leichen gehen"

Obwohl immer wieder Menschen bei Bränden in Textilfabriken ums Leben kommen, weigern sich Ketten wie C&A, H&M oder Zara Brandschutzabkommen beizutreten. Das muss sich ändern, fordert Verdi.

  Schier endlos ist die Masse der Menschen, die gegen die schlimmen Zustände in den Textilfabriken Bangladeschs protestieren

Schier endlos ist die Masse der Menschen, die gegen die schlimmen Zustände in den Textilfabriken Bangladeschs protestieren

Nach dem verheerenden Brand in einer Textilfabrik in Bangladesch hat die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi die Handelskette C&A aufgefordert, einem internationalen Brandschutzabkommen beizutreten. C&A müsse das Abkommen unterzeichnen, "um endlich das Sterben in den Textilfabriken zu stoppen", forderte der Verdi-Experte für den Textileinzelhandel, Johann Rösch, am Montag in Berlin. Bei dem Brand in dem Werk der Firma Tazreen Fashion waren am Samstag mindestens 110 Menschen ums Leben gekommen. C&A ließ dort nach Angaben eines Sprechers Pullover für den brasilianischen Markt nähen.

Rösch verwies auf eine Brandschutz-Vereinbarung, die der US-Branchenriese PVH im Frühjahr als erster Abnehmer mit Gewerkschaften in Bangladesch und Nichtregierungsorganisationen unterzeichnet hatte. Darin sei ein Zwei-Jahres-Programm vorgesehen, das sowohl Schulungen zum Brandschutz als auch die Bildung von betrieblichen Arbeitsschutzkomitees und ein umfassendes unabhängiges Kontrollsystem umfasst. PVH, zu dem Marken wie Tommy Hilfiger und Calvin Klein gehören, setzte allerdings voraus, dass sich mindestens drei weitere namhafte Textilkonzerne an dem Abkommen beteiligen.

Tchibo war im September dem Brandschutz-Abkommen beigetreten. Die Modeketten H&M und Zara hingegen weigerten sich bislang, erklärte Rösch. Das sei ein "Skandal". "Die Textilunternehmen, die bei uns ihre Produkte verkaufen und in Bangladesch fertigen lassen, dürfen nicht weiter über Leichen gehen", erklärte Rösch. Die Unternehmen seien mit dafür verantwortlich, "unter welchen katastrophalen Bedingungen sie fertigen lassen".

Wütende Arbeiter blockieren Industriegebiet

Unterdessen blockierten in Bangladesch wütende Arbeiter das Industriegebiet Ashulia. Dort hatte das verheerende Feuer am Samstagabend in einer Fabrik gewütet, die auch für C&A und andere europäische und US-amerikanische Firmen produzierte. Überlebende des Brandes in der Tazreen-Fabrik und ihre Kollegen von angrenzenden Gebäuden forderten lautstark mehr Sicherheit an ihren Arbeitsplätzen, sagte ein Polizeisprecher. Auch verlangten sie die Bestrafung der Verantwortlichen. Die Polizei verstärkte ihre Präsenz in dem Industriegebiet, um Unruhen zu verhindern.

Zudem appellierten die Textilarbeiter an die Behörden, die exakte Zahl der Toten zu ermitteln. Sie vermissten nach wie vor viele ihrer Kollegen. Die Feuerwehr hatte die Zahl der gefundenen Leichen zuletzt mit 109 angegeben, etwa 200 Menschen seien verletzt worden, einige von ihnen schwer. Die Behörden erklärten, sie hätten bisher 48 Leichen an die Angehörigen übergeben. Weitere Tote seien in ein Krankenhaus in Dhaka gebracht worden. Dort sollten DNA-Proben zur Identifizierung entnommen werden. Einige der Körper waren bis zur Unkenntlichkeit verbrannt.

Die Brandursache wird noch untersucht. Ermittler begingen am Montag die ausgebrannte Fabrik und wollten ihren Bericht in den kommenden beiden Wochen der Regierung vorlegen. Überlebende sprachen von einem Kurzschluss, der das Feuer ausgelöst haben könnte.

Staatstrauer und weiterer Brand

Die Regierung Bangladeschs erklärte den Dienstag zum offiziellen Trauertag, wie ein Sprecher in Dhaka sagte. Das habe das Kabinett am ersten Sitzungstag nach der Tragödie beschlossen. Die Nationalflagge soll auf halbmast wehen und alle Textilfabriken im Land, die Millionen Menschen beschäftigen, geschlossen bleiben. Doch schon am Montag erschienen viele Arbeiter nicht in den Betrieben, da Premierministerin Sheikh Hasina ursprünglich schon an diesem Tag offiziell trauern wollte. Einige Fabriken erklärten daraufhin einen ungeplanten freien Tag.

Möglicherweise blieb dem Land dadurch eine weitere Katastrophe erspart. Denn in einem Bekleidungsbetrieb am Rande Dhakas brach am Montagvormittag ein weiterer Brand aus. Die Feuerwehr schickte zahlreiche Einheiten zu dem zwölfstöckigen Gebäude im Stadtteil Uttara, wie ein Sprecher mitteilte. Das Feuer in dem Gebäude, das mehrere Näh-Fabriken beherbergt, konnte demnach schnell unter Kontrolle gebracht werden.

dho/AFP/DPA/DPA

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