Zur mobilen Ansicht
Wechseln Sie für eine bessere Darstellung
auf die mobile Ansicht
Weiterlesen Mobile Ansicht
Startseite

Wie ist eigentlich der Stand im VW-Abgasskandal?

Der Abgas-Skandal hat den VW-Konzern durchgerüttelt. Der neue Volkswagen-Boss Matthias Müller versprach schonungslose Aufklärung und maximale Transparenz. Wie sieht's damit aus?

Matthias Müller bei einer Pressekonferenz

VW-Chef Matthias Müller: Der Automobilkonzern hat 6,7 Milliarden Euro für Nachbesserungen an den Autos zurückgelegt.

Volkswagen hat Millionen Dieselmotoren manipuliert. Der Konzernchef musste gehen, das Unternehmen rutschte tief in die Krise. Matthias Müller, der neue Mann an der Spitze von Europas größtem Autobauer, versprach umfassende Aufklärung. Am Donnerstag zog er eine erste Zwischenbilanz. Was wissen wir, was wissen wir nicht?

Worum geht es?

Die US-Umweltbehörde EPA teilte am 18. September mit, dass VW mit Hilfe einer Software Stickoxid-Messwerte von Dieselautos bei Tests auf Prüfständen manipuliert hat, um die Vorgaben der Behörden zu erfüllen. VW gab die Aktion zu. Manipuliert wurde bei kleineren Dieselmotoren in weltweit bis zu 11 Millionen Autos.

Wie kam es zum Skandal?

Ausgangspunkt war laut VW eine strategisch groß angelegte Diesel-Offensive im Jahr 2005. Der Konzern steckte in den USA in einer Absatzkrise, die Konkurrenz war weit vorn. Es sei zunächst kein Weg gefunden worden, um die strengeren Stickoxid-Normen in den USA rechtzeitig und im Kostenrahmen zu erfüllen. So sei es zum Einbau der Software gekommen. Drei Faktoren seien zusammengekommen, sagt Chefaufseher Hans Dieter Pötsch: individuelles Fehlverhalten einzelner Mitarbeiter, Schwachstellen in den Prozessen und in einigen Bereichen eine Haltung, Regelverstöße zu tolerieren.

Wer hat die Manipulationen veranlasst und welche personellen Konsequenzen gab es?

VW geht davon aus, dass nur ein kleiner Kreis von Mitarbeitern überhaupt von den veränderten Programmen in der Motorsteuerung wussten. Wer am Ende die Verantwortung trägt, ist offen. Vorstand und Aufsichtsrat hätten davon aber nichts gewusst. Bisher hat VW neun Mitarbeiter beurlaubt. Konzernchef Martin Winterkorn trat kurz nach Bekanntwerden der Affäre zurück - weist aber jede persönliche Verantwortung von sich.

Wie wird die Affäre aufgearbeitet?

Bei VW läuft eine eigene interne Untersuchung, ein Ausschuss des Aufsichtsrats wacht über den Fortgang. Dazu geht die US-Kanzlei Jones Day der Geschichte nach. Die Staatsanwaltschaft in Braunschweig ermittelt unter anderem wegen Betrugsverdacht gegen mehrere Mitarbeiter. Rasche Ergebnisse erwartet die Behörde nicht, auch VW verweist auf ungeheure Datenmengen, die ausgewertet werden müssen. Bis zur Hauptversammlung im April soll es einen vollständigen Überblick über den Skandal geben.

Was ist bereits aufgeklärt?

Zumindest aus VW-Sicht hat sich ein besonders bedrohlicher Verdacht nicht bestätigt: Neben den Diesel-Manipulationen hatte der Konzern selbst verdächtige Abweichungen bei der Messung von CO2-Werten öffentlich gemacht. Am Mittwoch gab VW Entwarnung: maximal 36 000 statt der befürchteten 800 000 Autos seien betroffen. Zudem gebe es keinen Verdacht mehr, dass es rechtswidrige Veränderung gegeben habe.

Was ist mit den Kosten?

VW hat 6,7 Milliarden Euro für Nachbesserungen an den Autos zurückgelegt. Im dritten Quartal war VW deshalb zum ersten Mal seit mehr als 20 Jahren wieder in die roten Zahlen gerutscht. Ob die Summe benötigt wird, ist offen. Völlig unklar ist, was die Rechtsstreitigkeiten etwa in den USA kosten werden. Auch in Deutschland sind bereits etliche Klagen eingegangen.

Was bedeutet das für VW-Kunden?

Der Konzern will in jedem Land "das passende Paket schnüren", sagt Müller. In Deutschland wird es ab Januar Rückrufaktionen geben. Bei den meisten Autos sind Software-Updates nötig, bei anderen wird zusätzlich ein kleines Kunststoffteil eingebaut. Ob und wo es darüber hinaus auch finanzielle Entschädigungen geben wird, konnte Müller noch nicht sagen. Auch die technischen Lösungen für die Autos in den USA würden derzeit noch mit den Behörden besprochen.

amt/DPA
täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools