Katar erhält deutsche Leopard-Panzer

18. April 2013, 17:57 Uhr

Milliardengeschäft für die deutsche Rüstungsindustrie: Nach jahrelangen Verhandlungen bestellt das Emirat Katar Leopard-Panzer und Artilleriegeschütze. Ein Deal, der auf scharfe Kritik stößt. Von Gerhard Hegmann, München

Panzer, Katar, Leopard 2, Leopard,

Ein Kampfpanzer Leopard 2 A7+. 62 Exemplare des begehrten deutschen Waffensystems gehen nun nach Katar.©

Für Deutschlands führende Panzerhersteller Krauss-Maffei Wegmann (KMW) und Rheinmetall ist es wirtschaftlich eine Erlösung: Endlich wieder ein Großauftrag für neue Leopard-Kampfpanzer. Diesmal nicht aus Griechenland, sondern aus dem Emirat Katar am Persischen Golf, was scharfe Kritik bei den Linken und Grünen im Bundestag auslöste. Eine Spannungsregion werde hochgerüstet, lautet eine Kritik. Bereits vor vier Jahren, 2009, noch zu Zeiten der Großen Koalition aus CDU und SPD, hatte der Bundessicherheitsrat der Lieferung von Leopard-Panzern und weitreichenden Artilleriegeschützen zugestimmt. Doch erst jetzt verkündet der Münchner Generalauftragnehmer Krauss-Maffei Wegmann (KMW) endgültig den Abschluss des Geschäftes. KMW habe einen Vertrag über 62 Kampfpanzer der neuen Version Leopard 2A7 und von 24 Panzerhaubitzen 2000 erhalten. Das Gesamtvolumen einschließlich Zusatzleistungen betrage 1,89 Mrd. Euro.

Die Produktion der Panzer soll in München und Kassel erfolgen und werde sich über mehrere Jahre erstrecken, sagte ein KMW-Sprecher auf Anfrage. Derzeit gebe es keine Folgeaufträge für weitere Panzer für Katar, sagte der Sprecher zu Spekulationen aus dem vergangenen Jahr, wonach das an Saudi-Arabien angrenzende Emirat mit seinen 8500 Soldaten starken Landstreitkräften womöglich bis zu 200 Panzer bestellen will. Auch Saudi-Arabien hat Interesse am Leopard-Panzer.

Golfregion lukratives Absatzgebiet für deutsche Waffenexporte

Wie es in der Branche heißt, hat sich der deutsche Leopard-Panzer bei der Ausschreibung durch Katar gegen Konkurrenzmodelle aus Frankreich, den USA und Russland durchgesetzt. Die neuen Panzer und Geschütze sollen Zug um Zug veraltetes Material aus französischer und südafrikanischer Herkunft in Katar ersetzen, was dann verschrottet würde, heißt es in der KMW-Mitteilung. Die Golfregion und Nordafrika haben sich für die deutsche Rüstungsindustrie zu einem lukrativen Absatzgebiet entwickelt. So will beispielsweise Algerien als größter afrikanischer Staat vom KMW-Konkurrenten Rheinmetall 1200 Fuchs-Radpanzer zur Bekämpfung von Terrorismus und zur Sicherung seiner Außengrenzen bestellen.

Der Münchner Konzern, im Eigentum privater Gesellschafter, ist Generalauftragnehmer für den Leopard-Panzer. Aber auch der Düsseldorfer Rheinmetall-Konzern profitiert durch Zulieferungen von dem Auftrag. Dies zeigte sich auch an der Börse: Der Kurs der Rheinmetall-Aktie gewann knapp drei Prozent auf 36,22 Euro.

Scharfe Kritik von Grünen und Linken

Die Linke nahm die Vertragsunterzeichnung zum Anlass, ihre Forderung nach einem Verbot von Rüstungsexporten zu erneuern. "Merkel macht Deutschland zum Hoflieferanten des Nahen Ostens", erklärte der Außenexperte Jan van Aken. Mit Katar erhalte "ein Land, in dem Zwangsarbeit und Zensur an der Tagesordnung sind, den begehrten Kampfpanzer Leopard 2".

Auch Grünen-Fraktionsgeschäftsführerin Katja Keul kritisierte die Entscheidung scharf. "Die Bundesregierung setzt ihre Politik fort, die Spannungsregion am Persischen Golf hochzurüsten", erklärte sie. Die Menschenrechtslage in dem Emirat bezeichnete sie als problematisch. "1,6 Millionen Gastarbeiter arbeiten unter teils unwürdigen Bedingungen für das Wohl von gerade mal 200.000 Kataris", sagte Keul. "Menschenrechte spielen offensichtlich keine Rolle mehr bei den Exportentscheidungen unter Schwarz-Gelb."

Zum Thema
Wirtschaft
Ratgeber
Ratgeber Geldanlage: Legen Sie Ihr Geld richtig an Ratgeber Geldanlage Legen Sie Ihr Geld richtig an
Ratgeber Altersvorsorge: So sorgen Sie fürs Alter vor Ratgeber Altersvorsorge Den Ruhestand sorgenfrei genießen
Tools und Vergleichsrechner
Krankenkassen-Vergleich Krankenkassen-Vergleich Sie suchen eine neue Krankenversicherung? stern.de findet die passende für Sie! mehr... >
 
Noch Fragen?

Neue Fragen aus der Wissenscommunity

  von Gast: WARUM FÜHREN MANCHE KAPSELN ZUR VERSTOPFUNG?

 

  von Gast 98746: Chiptuning Mercedes Benz E 200 T CDI Erstzulassung 06/13

 

  von BitteFreundlich: Welcher Körperteil ist am häufigsten von Osteochondrose betroffen?

 

  von Gast 98742: Altmietvertrag aus der ehemaligen DDR

 

  von Gast: Das iPhone meiner Freundin hat ne seltsame Macke. schwarzer Bildschirm. anrufe kommen rein, man...

 

  von Amos: Muß die Frage nochmal stellen: Überweisung per Online-Banking auf ein Unterkonto bei derselben...

 

  von Gast: Stern-Sudoku-Gewinnspiel

 

  von Gast: Kann man Handelsübliches Jodsalz in ein Fußsprudelbad geben wenn die Haut verletzt ist?

 

  von Gast: zerbrochene Fensterscheibe

 

  von Amos: Wenn zum Bau eines Hauses Wasser aus einem städtischen Hydranten entnommen wird: wie wird das...

 

  von Der_Denis: Kunststoff - warum so schlechtes Image

 

  von Gast 98682: Wenn ich ein Konto in der Schweiz eröffne, wie hoch ist die Mindesteinlage?

 

  von Gast 98680: Welche Programme gibt es für Zuschüsse an gemeinnützige vereine

 

  von Gast 98676: Führerschein vergleischen

 

  von Amos: Mineralwasser aus dem Schwarzwald nennt sich Black Forrest: ist das ein Gag, ein MIßgriff oder...

 

  von Gast 98669: können adoptierte ausländische erwachsene in Bayern studieren?

 

  von Gast 98667: Reisepass abgelaufen

 

  von Gast 98659: palmen in irland

 

  von Gast 98655: Kosten im Pflegefall

 

  von Amos: Maut: jetzt für Autobahnen und Bundesstraßen. Da die Bundesstraßen B 1, B 236 und B 54 mitten durch...