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EU will Konzerne zu höherer Frauenquote zwingen

EU-Kommissarin Reding setzt europäische Firmen unter Druck. Sie fordert einen deutlich höheren Frauenanteil in den Chefetagen bis 2011. Notfalls will sie das Vorhaben mit einer gesetzlichen Quote durchsetzen.

Die deutschen Konzerne sollen nach dem Willen der EU-Kommission zu einem höheren Frauen-Anteil in ihren Führungsetagen gezwungen werden. Sollten bis Ende 2011 nicht deutlich mehr Frauen in den Aufsichtsräten sitzen, müsse die EU "über gesetzliche Quoten nachdenken", sagte EU-Gleichstellungskommissarin Viviane Reding der "Welt". Auch in den Konzernvorständen forderte sie einen höheren Frauenanteil.

Als Zielgröße habe sie einen Frauen-Anteil von 30 Prozent in Aufsichtsräten im Auge, sagte Reding, die zugleich EU-Justizkommissarin ist. Dieser Anteil solle bis 2015 erreicht und bis 2020 auf 40 Prozent erhöht werden. In Deutschland liegt der Anteil der Frauen in den Aufsichtsräten der 160 größten deutschen Konzerne zurzeit laut Hans-Böckler-Stiftung bei rund zehn Prozent.

Je größer ein Konzern hierzulande, desto öfter ist der Aufsichtsrat zur Hälfte mit Vertretern von Arbeitgebern und Arbeitnehmern besetzt. Die meisten Frauen in deutschen Aufsichtsräten gehören zur Arbeitnehmerseite. Ihr Anteil beträgt 18 Prozent, auf der Arbeitgeberseite liegt er bei knapp vier Prozent.

Telekom übernimmt Vorreiterrolle

Ohnehin gehört der Aufsichtsrat als Kontrollgremium nicht zur eigentlichen Firmenhierarchie. Entscheidender für die Aufstiegschancen von Frauen in den Konzernen dürfte daher sein, wie viele Frauen in hohen Management-Etagen und in den Vorständen der Firmen sitzen. Mit Blick auf diese Positionen hatte die Telekom als erster Dax-Konzern eine Frauenquote von 30 Prozent eingeführt.

Die Telekom-Initiative sei "eine vorbildliche Entscheidung", sagte Reding. Auch der jüngste Vorstoß von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU), bis 2015 mindestens 20 Prozent der Vorstandsposten deutscher Unternehmen mit Frauen zu besetzen, sei zu begrüßen. Konkrete Maßnahmen der EU über die Frage der Aufsichtsratsposten hinaus kündigte Reding in dem Interview aber nicht an. In einer Umfrage hatten sämtliche anderen 29 Dax-Konzerne in Deutschland eine Frauenquote nach dem Vorbild der Deutschen Telekom abgelehnt.

Streit innerhalb der CSU

In der deutschen Politik ist die Frauenquote ebenfalls ein Thema. Dabei entbrennt zuweilen - wie bei der CSU - jedoch ein innerparteilicher Streit. Die bayerische Justizministerin Beate Merk sprach sich als eine der prominentesten christsozialen Politikerinnen erneut dafür aus. Es seien zu wenige Frauen in der Partei vertreten, "und alle guten Wünsche haben nicht geholfen zu verändern, dass der Anteil der Frauen in der CSU zurückgeht", sagte sie am Freitag im Deutschlandradio Kultur.

"Wir werden es mit geballter Kraft schaffen, die Frauenquote ansehnlich zu gestalten", sagte Merk, die auch Vizechefin der CSU ist. "Es ist nicht ein Weg gegen die Männer, sondern für mehr Partizipation und Miteinander. Wir werden nicht mit Kampf losbrettern, sondern wollen überzeugen.

Nur vier von 200 Posten durch Frauen besetzt

In den Vorständen der deutschen Dax-Konzerne gab es bis vor wenigen Monaten nur eine einzige Frau. In diesem Jahr kamen drei weitere dazu. So hat nun Siemens zwei weibliche Vorstände, Eon und SAP haben jeweils eine. Ingesamt gibt es knapp 200 Vorstandsposten in den 30 Dax-Unternehmen. Unter den 160 größten deutschen Unternehmen liegt diese Frauenquote derzeit bei drei Prozent.

EU-Kommissarin Reding verwies darauf, dass in Norwegen der Anteil der Frauen in den Aufsichtsräten durch eine entsprechende Quote in fünf Jahren von 25 Prozent auf 45 Prozent gestiegen sei. Norwegen hatte den Unternehmen sogar angedroht, sie zu zerschlagen, sollte der Frauenanteil in den Aufsichtsräten nicht auf 40 Prozent steigen. Kurz vor Ablauf der Frist stieg der Anteil stark an und liegt heute über der geforderten Schwelle. Kritisiert wird aber, dass oft dieselben Frauen gleichzeitig mehrere Aufsichtsratsposten innehaben. Reding kündigte an, sich im Frühjahr 2011 mit Vertretern großer europäischer Firmen in Brüssel treffen zu wollen, um Gleichstellungsfragen zu beraten.

mre/AFP/DPA/DPA

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