Rösler und NRW-Regierung attackieren Opel-Chefs

11. Dezember 2012, 06:35 Uhr

Wirtschaftsminister Philipp Rösler wirft dem Management des Bochumer Opel-Werks schwere Fehler vor. Ins gleiche Horn stößt die Regierung von NRW. Bei vielen Opelanern macht sich Resignation breit.

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Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) hat dem Opel-Mutterkonzern General Motors gravierende Managementfehler vorgeworfen. Es sei ein Fehler gewesen, dass "Opel nur in sehr geringem Umfang Autos im wichtigen Wachstumsmarkt China verkaufen durfte", sagte Rösler der "Rheinischen Post". Das Unternehmen habe "auch beim Umgang mit den Mitarbeitern in der Vergangenheit" Fehler gemacht, fügte Rösler hinzu.

Er erwarte von Opel, dass das Unternehmen mithelfe, die Folgen der angekündigten Werksschließung für die Beschäftigten abzumildern, sagte Rösler. Staatliche Hilfen lehnte der FDP-Politiker ab. Politik könne dabei helfen, die richtigen Rahmenbedingungen für ein investitionsfreundliches Klima zu schaffen. Eine finanzielle Hilfe der Bundesregierung werde es allerdings nicht geben, "weil diese die unternehmerischen Probleme in der Regel auf Dauer nicht beheben kann". Land und Stadt seien gefragt, durch Neuansiedlungen und Investitionen eine Zukunftsperspektive für Bochum zu schaffen.

Ganz geschlossen wird der Standort nicht

Voraussichtlich ab 2016 sei am Standort Bochum "keine Produktion von kompletten Fahrzeugen mehr geplant", teilte das Unternehmen am Montag mit. Ganz geschlossen werden solle der Standort nicht; das Unternehmen will mit den Arbeitnehmern über den Aufbau einer Autoteilefertigung verhandeln.

Opel-Mitarbeiter Niermann: "Kampf bringt sowieso nichts mehr"

Nach der Hiobsbotschaft sind die Bochum-Mitarbeiter am Dienstagmorgen ganz normal in die Frühschicht gestartet. Wut und Frust sind bei Vielen der Resignation gewichen.

Weitgehend wortlos und gesenkten Hauptes strömten die Opelaner im dichten Schneetreiben in die Werkstore. "Kampf bringt ja sowieso nichts mehr - das Ende ist beschlossene Sache", sagte etwa Jörg Niermann, der seit 30 Jahren bei Opel arbeitet. Schon seine Lehre habe er beim Autobauer in Bochum gemacht: "Ich habe gedacht, ich gehe hier auch in Rente, aber so wird es wohl nicht mehr kommen."

Für ihn sei die Nachricht keine Überraschung gewesen, sagte ein anderer Mitarbeiter: "Im Prinzip hat das doch jeder gewusst, nur ausgesprochen hat es niemand." Mit Blick auf Streiks oder Protestaktionen sei die Belegschaft abwartend: "Ohne Rückhalt der Gewerkschaften wird da sowieso nichts passieren."

Experte Dudenhöffer: "Keine Marke kann nur in Europa überleben"

Opel-Betriebsratschef Rainer Einenkel bekräftige, er werde sich nicht mit dem Aus für das Werk abfinden und kündigte an, bis 2016 für dessen Erhalt zu kämpfen: "Das sind wir auch den Menschen schuldig und das sind wir dieser Region schuldig", sagte er im ZDF-"Morgenmagazin".

Nach Ansicht des Automobilexperten Ferdinand Dudenhöffer sind bei Opel viele Managementfehler gemacht worden, indem man sich nur auf Europa konzentriert habe. "Keine Marke kann heute ausschließlich in Europa überleben", sagte er. "Deshalb wird es schwer sein, für die Marke die Brücke in die Zukunft zu finden." Nur die Werkschließung in Bochum werde nicht ausreichen, um Opel langfristig zu stabilisieren.

Auch SPD gegen Staatshilfen

Der nordrhein-westfälische Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) fordert unterdessen von der Opel-Mutter General Motors (GM) eine Beschäftigungsgarantie für die gut 3000 Arbeiter am Standort Bochum. "Unsere Forderung ist ganz klar. Niemand von den Beschäftigten darf in die Arbeitslosigkeit gehen, auch nicht nach 2016", sagte er im Deutschlandfunk. Die Landesregierung setze sich derzeit dafür ein, dass sich auf den Werksflächen in Bochum neue Unternehmen ansiedeln, um dort eine Perspektive für industrielle Produktion zu entwickeln. "Was bislang fehlt, ist ein klares Bekenntnis von GM, in den Prozess verlässlich mit einzusteigen", sagte Duin.

Nach den Worten Duins will die Landesregierung dem Unternehmen nicht mit finanziellen Hilfen entgegenkommen. "Wir wollen gar kein Geld in die Hand nehmen, sondern Opel muss das Geld in die Hand nehmen", sagte Duin. Opel könne sich für einen sehr teuren Sozialplan entscheiden oder sich daran beteiligten, die vorgeschlagenen Industrieansiedlungen zu realisieren. Dem GM-Management warf der Minister Versagen vor. "Bochum ist denen völlig egal, die wissen wahrscheinlich noch nicht mal, wo das liegt", sagte er.

nik/Reuters
 
 
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